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Die Versicherungswirtschaft bringt eine abermalige Erhöhung des Renteneintrittsalters ins Spiel. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Vertrauen in Rente gering

Versicherer für Ruhestand erst mit 69

Länger arbeiten, damit die Rente bezahlbar und auskömmlich bleibt? Sonderlich populär ist der Vorschlag nicht - neu auf den Tisch kommt er pünktlich zum Start der Rentenkommission.

Berlin (dpa) - Angesichts des wachsenden Drucks auf die gesetzliche Rente plädiert die deutsche Versicherungswirtschaft für eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters.

Eine Erhöhung auf 68 oder 69 Jahre ab 2030 beziehungsweise 2040 dürfe angesichts einer steigenden Lebenserwartung nicht tabu sein, sagte Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). An diesem Mittwoch startet eine Rentenkommission der Bundesregierung. Das Beratungsgremium soll bis 2020 Vorschläge für die langfristige Absicherung der Rente - für die Zeit nach 2025 - machen.

Das Absicherungsniveau der gesetzlichen Rente könne künftig höher gehalten werden und die Beiträge müssten nicht zu stark steigen, wenn die Menschen etwa bis 69 arbeiten, sagte Oliver Ehrentraut vom Institut Prognos, das die Entwicklung im Auftrag des GDV untersucht hatte.

GDV und Prognos stellten ein Internet-Angebot ("Rentenminister") vor, mit dem jeder die wahrscheinliche Entwicklung der gesetzlichen Rente bei bestimmten Vorgaben prüfen können soll. Stellschrauben dabei sind der Beitragssatz, das Rentenniveau, die Lebensarbeitszeit und der Steuerzuschuss. Ehrentraut sagte: "Längeres Arbeiten bringt Entlastung und hilft dem System." Unter anderem bereits der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte mit der Forderung, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln, Kritik einstecken müssen.

Ein Großteil der Deutschen erwartet, im Rentenalter mit wenig Geld auskommen zu müssen. Vier von fünf Beschäftigten gehen laut einer Umfrage im Auftrag des DGB davon aus, dass sie im Alter "gar nicht" oder nur "gerade so" zurechtkommen, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) berichtet. Besonders ausgeprägt sind die Sorgen demnach bei Frauen mittleren Alters, bei Beziehern geringer Einkommen, bei Beschäftigten in Teilzeitarbeit und bei Menschen mit unsicheren Beschäftigungsperspektiven.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte dem Blatt, die Umfrage offenbare ein großes Maß an Verunsicherung. Sie forderte, die Politik müsse jetzt dringend für mehr Sicherheit sorgen und für ein gutes Leistungsniveau auch auf lange Sicht. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, wertete die Umfrageergebnisse als alarmierendes Zeichen. Die gesetzliche Rente müsse gestärkt werden. Der Bund der Steuerzahler (BdST) verlangte, "einen tragfähigen Interessenausgleich zwischen Rentnern und Beitragszahlern zu finden".

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Vorschläge der Rentenkommission der Regierung noch in dieser Legislaturperiode gesetzlich umsetzen. In den kommenden Jahren geht die Generation der Babyboomer schrittweise in Rente, zugleich werden die Menschen immer älter. Es dürfte also deutlich weniger Beitragszahler, aber mehr Rentner und längere Rentenbezugszeiten geben.

Der Linke-Rentenexperte Matthias W. Birkwald forderte eine Umkehr in der Rentenpolitik. Die Riesterrente sei gescheitert. Die Rentenkommission solle Vorschläge für einen Ausbau der gesetzlichen Rente machen.

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