+
Die Angeklagte Beate Zschäpe zwischen ihren Anwälten Anja Sturm und Wolfgang Heer. Foto: Marc Müller/Archiv

Ende der Frist

Verteidiger fordern neues Gutachten über Beate Zschäpe

Heute lief im NSU-Prozess die letzte Frist für Beweisanträge aus. Verteidiger und Nebenkläger nutzten den Termin ausgiebig. Einmal mehr im Fokus: Die Persönlichkeit der Angeklagten.

München (dpa) - Drei Pflichtverteidiger der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe haben im NSU-Prozess ein neues psychiatrisches Gutachten über ihre Mandantin gefordert.

Nach der Fachkritik an der Expertise des vom Gericht bestellten Sachverständigen Henning Saß sei das Gericht von Amts wegen verpflichtet, Zschäpe erneut begutachten zu lassen, sagte Rechtsanwältin Anja Sturm. Heute lief die letzte Frist für Beweisanträge ab, die das Gericht allen Prozessparteien gestellt hatte.

Sturm und ihre beiden Kollegen Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl hatten den Bochumer Psychiater Pedro Faustmann mit einer sogenannten Methodenkritik an dem Saß-Gutachten beauftragt. Faustmann hatte Saß darin zahlreiche Ungereimtheiten und methodische Fehler vorgeworfen.  

Einen weiteren Beweisantrag stellte Zschäpes vierter Pflichtverteidiger Mathias Grasel. Er verlangte, eine Aussage von Zschäpes Mutter beim Bundeskriminalamt zu verlesen. Die Mutter hatte zuvor in einem Brief an das Gericht ihr Einverständnis dazu erteilt. Bis dahin war sie dazu nicht bereit gewesen. Im Prozess hatte sie sich Ende 2013 auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen und sowohl eine Befragung im Gericht als auch die Auswertung ihrer Aussage beim BKA abgelehnt. Das Gericht teilte den Prozessbeteiligten am Nachmittag mit, dass es Zschäpes Mutter für kommende Woche erneut als Zeugin geladen hat. Die Verfügung liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Die Verteidiger des mitangeklagten Ralf Wohlleben und mehrere Nebenkläger verlangten zudem Aufklärung angesichts jüngster Berichte über einen früheren Neonazi. Die ARD und der "Tagesspiegel" hatten berichtet, der frühere Deutschlandchef der im Jahr 2000 verbotenen rechtsextremen Organisation "Blood & Honour" sei Spitzel des Bundesamtes für Verfassungsschutz gewesen. Mitglieder dieser Gruppe hatten eingeräumt, das im Januar 1998 abgetauchte NSU-Trio versteckt zu haben.

Zschäpe hatte fast 14 Jahre mit den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos unentdeckt im Untergrund gelebt. Während dieser Zeit sollen Mundlos und Böhnhardt zehn Menschen ermordet haben, meist aus fremdenfeindlichen Motiven. Zschäpe ist als drittes Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" in allen Fällen wegen Mittäterschaft angeklagt.

Pressemitteilung zur Anklageerhebung im NSU-Prozess

Terminliste NSU-Prozess Januar bis September 2017

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kein Fortschritt für inhaftierte Deutsche in der Türkei
Mehrere Deutsche sind in der Türkei in Haft. Die Botschaft kümmert sich um sie. Doch ein grundsätzlicher Fortschritt ist nicht in Sicht.
Kein Fortschritt für inhaftierte Deutsche in der Türkei
Verdächtiger nach Anschlägen in Spanien auf freien Fuß
Nach den Anschlägen von voriger Woche stehen die Behörden in Spanien noch vor offenen Fragen. Das Verhör der vier lebend gefassten mutmaßlichen Terroristen sollte zur …
Verdächtiger nach Anschlägen in Spanien auf freien Fuß
Trump will Kampf in Afghanistan verschärfen
Seit fast 16 Jahren kämpfen US-Soldaten in Afghanistan. Die Erfolge sind umstritten. Donald Trump war einst ein scharfer Kritiker des Einsatzes. "Wir werden Terroristen …
Trump will Kampf in Afghanistan verschärfen
Terror-Verdächtiger gesteht: Anschlag sollte viel größer sein
Beide Hauptverdächtige der blutigen Attentate in Katalonien sind tot. Vier mutmaßliche Mitglieder der Terrorzelle mussten vor Gericht erscheinen. Alle Neuigkeiten finden …
Terror-Verdächtiger gesteht: Anschlag sollte viel größer sein

Kommentare