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Verzweifelte Hilferufe aus Mariupol

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Über dem Stahlwerk in Mariupol sind Rauchschwaden zu erkennen.
Das Stahlwerk ist in Mariupol der letzte Rückzugsort ukrainischer Soldaten und Zivilisten. © IMAGO / Cover-Images

Die in einem Stahlwerk eingeschlossenen Truppen des Asow-Regiments fühlen sich im Stich gelassen und haben schnelle Hilfe von der Regierung in Kiew gefordert.

Mariupol - In einem dramatischen Appell aus dem von russischen Truppen eingeschlossenen Stahlwerk in Mariupol hat das ukrainische Asow-Regiment die Regierung in Kiew zur Hilfe aufgefordert. «Ich rufe die militärisch-politische Führung auf, entscheidende Schritte zu unternehmen, um die Blockade zu durchbrechen oder alle zu evakuieren, die auf ihr Vaterland hoffen und daran glauben», sagte Vizekommandeur Swjatoslaw Palamar in einer am Donnerstag veröffentlichten Videobotschaft. Palamar sagte, die Kämpfer fragten sich zunehmend, warum Kiew Versprechen nicht halte. «Wer kann das beantworten: Warum stehen wir alleine gegen Artillerie, Schiffe und Flugzeuge?»

In den Bunkeranlagen des Werks sollen sich außer zahlreichen Kämpfern noch etwa 1000 Zivilisten aufhalten. Kremlchef Wladimir Putin hatte angeordnet, das Gelände abzuriegeln. Russland wirft dem von Nationalisten dominierten Asow-Regiment Kriegsverbrechen vor. Beweise legte Moskau bisher nicht vor. Der Rest der stark zerstörten südostukrainischen Hafenstadt Mariupol ist nach Angaben aus Moskau nach wochenlangen Kämpfen unter russischer Kontrolle.

Asow-Vizekommandeur Palamar berichtete von neuen heftigen Attacken. Er behauptete, Russland habe «eine kolossale Menge an Phosphorbomben» abgeworfen. Diese Brandbomben entzünden sich durch Kontakt mit Sauerstoff und richten verheerende Schäden an. Ihr Einsatz ist verboten.

Nach Asow-Schätzungen hat Russland alleine in Mariupol seit Beginn des Angriffskriegs am 24. Februar Militärgerät im Wert von 162 Millionen US-Dollar verloren. Munition und der Einsatz von Kampfflugzeugen hätten weitere 288 Millionen Dollar gekostet, sagte Palamar. Mit diesem Geld hätte Russland Schulen und Kliniken bauen und Rentnern ein angenehmes Leben ermöglichen können. Doch habe der Kreml entschieden, es für die Zerstörung von Mariupol auszugeben, sagte Palamar. Wie die Summen berechnet wurden, erklärte er nicht.

Russland: Ukrainischen Beschuss auf Cherson abgewehrt

Russland hat in der besetzten südukrainischen Region Cherson eigenen Angaben zufolge mehrere Raketenangriffe abgewehrt. In der Nacht zum Donnerstag seien unter anderem zwei ukrainische Raketen des Typs Totschka-U von Russlands Luftabwehr abgeschossen worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow. Auch ein Dutzend Geschosse aus Raketenwerfern seien vernichtet worden. Die ukrainische Seite bestätigte diese Darstellung zunächst nicht. Ukrainische Medien hatten in der Nacht lediglich von mehreren Explosionen berichtet.

Russland hat das Gebiet Cherson bereits seit Wochen fast vollständig besetzt. In der gleichnamigen Stadt Cherson kommt es immer wieder zu Protesten gegen die Besatzungstruppen.
Aus dem russischen Verteidigungsministerium hieß es, es seien auch ukrainische Raketenangriffe auf Isjum im ostukrainischen Gebiet Charkiw abgewehrt worden. Auch dafür gab es aus Kiew zunächst keine Bestätigung. (dpa)

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