Flucht nach Europa als Game

Video: Das steckt hinter dem Flüchtlings-Super-Mario

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München - Ein makabres Video kursiert derzeit im Netz. Im Stil von Super Mario muss der Hauptcharakter die schwierige Flucht nach Europa meistern, vorbei an Schleusern und über das Mittelmeer. Wer ist dafür verantwortlich?

Mario, der lustige Klempner mit dem Schnurrbart, weckt zunächst fröhliche Kindheitsassoziationen. Versteckte Tunnel finden und so viele Münzen sammeln wie möglich. "Game over"? Kein Problem, es gibt immer einen neuen Versuch. Nun ist eine makabre Version des beliebten "Jump and Run"-Spiels Super Mario Bros. aufgetaucht.

Statt Mario spielt ein Flüchtling die Hauptrolle, der statt einem Pilz oder einer Blume einen Koffer in die Hand bekommt. Aus Goombas werden Schleuser, die dem Flüchtling das letzte Hemd abknöpfen. Sind diese erst einmal überwunden, muss er noch den Sprung auf das rettende Floß schaffen. Nicht immer gelingt das auf Anhieb, und der Charakter versinkt im Meer. Am Ziel winkt die europäische Flagge und der Eintritt in ein Flüchtlingscamp. 

Geschmacklos? Oder ein ungewöhnlicher Ansatz, um das Leid der Flüchtlinge ins Gedächtnis zu rufen? Da gibt es unterschiedliche Ansichten. Doch wer die Hintergründe kennt, könnte vielleicht seine Meinung ändern.

Was steckt hinter dem makabren Videospiel, das auf YouTube bereits mehr als 85.000 mal angeklickt wurde? Das Video im Super-Mario-Bros.-Stil ist nicht etwa Ergebnis rechter Hetze - im Gegenteil. Ein 29-jähriger Syrer, der derzeit in Istanbul lebt, wollte in dieser Form auf die Flüchtlingssituation aufmerksam zu machen.

Der traurige Anlass: "Vor fünf Monaten ist mein bester Freund auf dem Weg von Izmir nach Griechenland im Mittelmeer ertrunken. Der Motor des Bootes ist explodiert. Das war der Moment, in dem mir die Idee für das Video kam", erzählt der 29-Jährige, der nur unter dem Pseudonym Samir Al-Mufti genannt werden möchte, gegenüber der britischen Nachrichtensender BBC.

Er selbst sei 2011 von Homs in die Türkei geflohen, nachdem seine zwei Brüder während des Bürgerkrieges getötet wurden. Vor Ausbruch des Konfliktes studierte Samir Al-Mufti französische Literatur an der Universität von Homs. Auch seine Teilnahme an Protesten gegen Machthaber Assad machte ihn zur Zielscheibe, der einzige Ausweg sei die Flucht gewesen, berichtet der 29-Jährige.

vf

Rubriklistenbild: © Screenshot

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