Johannes Singhammer ist seit 2013 Vizepräsident des Bundestages

Unmut über Siko-Auftritt

Singhammer rügt von der Leyen: Zu viel Englisch

München – Der Siko-Auftritt der neuen Verteidigungsministerin in München hat ein ungewöhnliches Nachspiel. Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) kritisiert die Rede von Ursula von der Leyen deutlich – nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Sprache.

Die CDU-Politikerin redete auf der Sicherheitskonferenz über die deutsche Verteidigungspolitik komplett auf Englisch.

„Ich würde dringend dazu raten, so etwas auf Deutsch zu machen“, sagte Singhammer unserer Zeitung. „Die wichtigste internationale Konferenz, die wir in Deutschland haben, sollte auch ein Aushängeschild für die deutsche Sprache sein.“ Man werde sich schwer tun, etwa bei der EU-Kommission in Brüssel für die deutsche Sprache zu werben, „wenn wir sie selbst nicht sprechen. Es ist ein Problem der deutschen Elite, dass sie ihre Englischkenntnisse so gern zur Schau stellt.“ Deutsch sei „viel zu schön und zu präzise“, um zur Freizeitsprache zu verkümmern.

Nach Angaben der Konferenzveranstalter ist es den Rednern freigestellt, welche Sprache sie wählen – Simultandolmetscher stehen bereit. Offizielle Konferenzsprachen seien Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch. Bundespräsident Joachim Gauck hatte auf Deutsch gesprochen, ebenso Innenminister Thomas de Maizière bei seiner Standpauke für die Abhör-Aktivitäten der USA.

Singhammer streitet seit Jahren für die Bedeutung der deutschen Sprache auf internationalen Bühnen. Sein größtes Ärgernis in dieser Frage ist die Europäische Union. „Wir sind auf dem Weg hin zu einer unilingualen Gemeinschaft, aber wir bräuchten ein Europa der Vielfalt“, kritisiert der Münchner CSU-Politiker. Er will unter anderem fraktionsübergreifend einen härteren Kurs des Bundestags anregen, wenn über EU-Entscheidungen mitzustimmen ist, zentrale Vorlagen aber nur auf Englisch vorliegen.

Singhammer verlangt zudem mehr Einsatz der neuen Bundesregierung für deutsche Top-Diplomaten im gemeinsamen Europäischen Auswärtigen Dienst. Nach seinen Daten besetzt Deutschland nur zehn von 131 Botschafterposten – hinter Spanien (15), Frankreich (15) und Italien (14) und auf dem Niveau von Belgien. „Mindestens das Doppelte wäre angemessen.“ Deutschland stelle ja auch 16 Prozent der EU-Bevölkerung. Das Auswärtige Amt in Berlin „trat hier nicht sehr durchsetzungsstark auf“, und die EU-Kommission löse ihre Ankündigungen nicht ein. „Das ist eine offene Flanke.“ Singhammer will seinen Ärger darüber auch im Europawahlkampf artikulieren.

Die Kommissions-Vizepräsidentin Catherine Ashton hatte Singhammer im April versichert, bei den Beamten im diplomatischen Dienst insgesamt liege Deutschland zumindest auf Platz 3.

cd

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