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Bei der Schießerei im belgischen Lüttich sind nach neuesten Angaben am Dienstag vier Menschen getötet worden.

Großeinsatz in Lüttich

Vier Tote in Belgien: Täter hatte es auf Polizisten abgesehen - Motiv jetzt klar

Ein bewaffneter Mann hat am Dienstag im belgischen Lüttich zwei Polizisten und einen Mann erschossen. Nun gibt es erste Erkenntnisse zu dem Motiv des Täters.

Brüssel - Nach der tödlichen Attacke auf Polizisten in Lüttich verdichten sich die Hinweise auf ein islamistisches Tatmotiv. Der Name des Täters habe wegen seiner Kontakte zu Islamisten auf einer Überwachungsliste der Polizei gestanden, verlautete aus Ermittlerkreisen. Es werde vermutet, dass er sich im Gefängnis radikalisiert habe.

Die dramatischen Ereignisse begannen um 10.30 Uhr, wie Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mitteilten. Der Angreifer hatte im Zentrum von Lüttich zwei Polizistinnen mit einem Messer angegriffen. Er entwendete ihre Dienstwaffen und erschoss sie sowie einen jungen Mann. Danach nahm er eine Geisel, bevor er von Spezialeinheiten getötet wurde. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des "Verdachts auf eine terroristische Straftat" ein.

Der mutmaßliche Terrorist von Lüttich hatte es nach Angaben von Ermittlern darauf abgesehen, dem belgischen Staat zu schaden. Der Mann habe keinen Amoklauf begehen wollen, „sondern Polizisten treffen wollen, also die Institution, den belgischen Staat“, sagte der Chef der Lütticher Polizei, Christian Beaupère, am Dienstagabend. Vier Beamte seien bei dem Angriff verletzt worden. Einer von ihnen habe eine Verletzung der Oberschenkelarterie erlitten, er schwebe aber nicht mehr in Lebensgefahr.

Passant im Auto erschossen

Anschließend soll der Täter einen 22-jährigen Mann in einem Auto erschossen haben, bevor er in eine nahe Schule rannte und dort eine Mitarbeiterin als Geisel nahm. Dort griff den Angaben nach eine Spezialeinheit ein und erschoss den Verdächtigen. Dieser habe zuvor noch das Feuer eröffnet. Mehrere weitere Polizisten seien verletzt worden, erklärten die Ermittler weiter.

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Die Schüler des Lütticher Gymnasiums Léonie de Waha seien in Sicherheit, betonte der Bürgermeister von Lüttich, Willy Demeyer. Das Gebäude wurde nach seinen Angaben geräumt und die Kinder und Jugendlichen in mehrere andere Schulen gebracht. Das Gymnasium soll am Mittwoch geschlossen bleiben. Schülern und Personal stehe psychologische Hilfe zur Verfügung, hieß es weiter.

Belgien war in der Vergangenheit das Ziel mehrerer terroristischer Attacken. Bei der schwersten davon töteten islamistische Extremisten in Brüssel am 22. März 2016 in der Metro sowie am Flughafen 32 Menschen. Die Terrorwarnstufe wurde erst vor einiger Zeit auf die zweitniedrigste von vier Stufen herabgesetzt. Daran soll sich vorerst nichts ändern, wie das zuständige Krisenzentrum mitteilte.

Belgiens Premierminister Michel: „Feiger und blinder Gewalt“

Der belgische König Philippe und Ministerpräsident Charles Michel machten sich unmittelbar nach der Tat auf nach Lüttich. Die königliche Familie drückte den Angehörigen des tödlichen Angriffs ihr Mitgefühl aus. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser schrecklichen Tat“, schrieb sie auf Twitter.

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Premierminister Michel sprach von „feiger und blinder Gewalt“: „All unsere Unterstützung für die Opfer und ihre Angehörigen.“ In Lüttich wurde im Rathaus ein Kondolenzbuch ausgelegt, für Mittwoch ist eine Schweigeminute geplant.

Die Behörden wollten ausdrücklich noch nichts über Täter und Motiv sagen, auch noch nicht über die Opfer. Die Nachrichtenagentur Belga meldete jedoch unter Berufung auf mehrere Quellen, dass der mutmaßliche Täter ein Freigänger sei, der mit Genehmigung eine Haftanstalt verlassen habe.

dpa/AFP

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