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Viktor Orbán: Alle Infos zum Ministerpräsidenten Ungarns - Karriere, Partei, Privates

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Ungarns Ministerpräsident Victor Orban will bei der Parlamentswahl am 3. April im Amt bestätigt werden.
Ungarns Ministerpräsident Victor Orban will bei der Parlamentswahl am 3. April im Amt bestätigt werden. © IMAGO/Szilard Vörös/EST&OST

Das ungarische Staatsoberhaupt kam erstmals während seines Studiums mit der Politik in Kontakt. Wissenswertes über den Weg Viktor Orbáns vom Studenten bis hin zum Ministerpräsidenten.

Wien – Der am 31. Mai 1963 in Székesfehérvár geborene Viktor Mihály Orbán wuchs mit zwei jüngeren Brüdern zuerst im Haus der Großeltern, danach in einem Haus in den Dörfern Alcsútdoboz und Felcsút in der Nähe von Budapest auf. In seiner offiziellen Biografie sind Geschichten wie diese nachzulesen: Zusammen mit seinem kleinen Bruder sammelte er die abgebrochenen Maiskolben armer Bauern auf. Seine Eltern waren ursprünglich Arbeiter und bildeten sich zum Agraringenieur bzw. zur Lehrerin und Logopädin weiter. Wenige Jahre später ist Viktor Orbán Jurist, Gründer des Bundes Junger Demokraten Fidesz, nach dem Ende des Kommunismus Vorsitzender der Partei „Fidesz – Ungarischer Bürgerbund“, von 1998 bis 2002 und seit 2010 Ministerpräsident Ungarns. Heute ist Viktor Orbán aufgrund rechtskonservativer, oft auch homophober Äußerungen sowie seines autoritären Regierungsstils einer der umstrittensten Politiker der Europäischen Union.

Viktor Orbán – seine Ausbildung

1981/82 leistete Viktor Orbán seinen Wehrdienst. Nachdem er 1981 am Teleki-Blanka-Gymnasium in Székesfehérvár das Abitur abgelegt hatte, absolvierte er, nachdem er ein Stipendium erhalten hatte, zwischen 1982 und 1987 an der Loránd-Eötvös-Universität ein Jurastudium in Budapest. 1983 gehörte er zu den Mitbegründern eines nach dem Politologen István Bibó benannten Studienzentrums, das sich zum Hort einer neuen, bürgerlich-liberalen Opposition zum kommunistischen Regime entwickelte. Weitere wichtige Abschnitte in seinem Leben:

Viktor Orbán – seine Karriere in der Bundespolitik

Im Sommer 1989 nahm er als Vertreter von Fidesz an den Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition am sogenannten „Dreieckigen Tisch“ teil, der den geordneten Übergang zur Demokratie aushandelte. Orbán ergriff dort vor allem zu verfassungsrechtlichen Fragen das Wort. Im September ging er nach England, um dort am Pembroke College als Stipendiat der Soros-Stiftung die Geschichte der englischen Liberalen zu studieren, brach sein Stipendium jedoch im Januar 1990 ab und kehrte nach Ungarn zurück, um dort an den ersten freien Parlamentswahlen teilzunehmen. Orbán wurde für Fidesz ins Parlament gewählt und war dort drei Jahre lang Fraktionsvorsitzender. 1993 wurde Orbán Parteichef von Fidesz. Im Januar 1994 verkündete er das Parteiprogramm, das sowohl zum Ungarischen Demokratischen Forum (Magyar Demokrata Forum) als auch zur Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP) auf Distanz ging. Das bedeutete: Um mehr Wähler anzusprechen, verlegte Orbán seine Partei in die Mitte-Rechts-Partei, indem er Allianzen mit Gruppen der Rechts-Mitte bildete. Bei den Wahlen von 1998 gewannen Fidesz und seine Verbündeten die meisten Parlamentssitze. Während des Wahlkampfes ging er eine Koalition mit dem Bund Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége) und zwei kleineren liberalen Parteien ein und errang mit einem Mandat des Komitats Fejér erneut ein Parlamentsmandat.

Viktor Orbán – der Ministerpräsident

1995 änderte der Bund Junger Demokraten (Fidesz) seinen Namen in „Fidesz – Ungarische Bürgerpartei“ (Fidesz – Magyar Polgári Párt). Die Partei gab sich jetzt ein national-liberales Profil, mit dem sie 1998 die Parlamentswahlen gewann. Viktor Orbán wurde Ministerpräsident Ungarns. Als Fidesz 2000 den Beschluss fasste, die Ämter des Partei- und des Regierungschefs voneinander zu trennen, verzichtete Orbán auf den Parteivorsitz und war fortan nur noch einfaches Vorstandsmitglied. Bis 2002 blieb er Ministerpräsident, als seine Partei die Parlamentswahlen gegen die oppositionellen Sozialisten verlor. Neuer Regierungschef wurde bis 2004 Péter Medgyessy. Auf dem Parteitag 2003 wurden Name und Statut der Partei abermals geändert. Seitdem heißt die Partei „Fidesz – Ungarischer Bürgerbund“ (Fidesz – Magyar Polgári Szövetség). Orbán wurde erneut Parteivorsitzender, seit Oktober 2005 ist er auch Vizepräsident der Europäischen Volkspartei. In den Parlamentswahlen 2010 errang Fidesz einen klaren Sieg und Orbán wurde zum zweiten Mal ungarischer Ministerpräsident. Am 10. Mai 2014 wurde er wiedergewählt.

Viktor Orbán – seine Auftritte, seine Ansichten

Insbesondere seine zweite Amtszeit brachte ihm wegen seiner rechtskonservativen Äußerungen, seines autoritären Regierungsstils und der Einschränkung von Menschen- und Bürgerrechten in Ungarn international massive Kritik ein. In den Jahren 2010 und 2011 nutzte Orbán die Übermacht seiner Partei im Parlament, um eine Reihe gesetzgeberischer Maßnahmen durchzusetzen, die am 1. Januar 2012 zur Verabschiedung einer neuen Verfassung mit konservativen moralischen und religiösen Themen führten. Die neue Verfassung löste im In- und Ausland Proteste aus, darunter einen Bericht des Europarates , in dem Justizreformen in Frage gestellt wurden, die die Unabhängigkeit ungarischer Gerichte einschränkten. Vor allem als Reaktion auf ausländische Kritik hat die Regierung von Orbán ein vorgeschlagenes Mediengesetz zurückgefahren, das Fidesz eine bedeutende direkte Kontrolle über die Presse verschafft hätte. Auch gegen die Zivilgesellschaft ging die Regierung vor, indem sie Überraschungsinspektionen bei Nichtregierungsorganisationen (NRO) durchführte. Orbán erklärte, er betrachte NROs, die aus dem Ausland finanziert wurden, als Agenten ausländischer Mächte, deren Aktivitäten genau überwacht werden müssen. Weitere umstrittene Punkte in der Orbán-Biografie:

Viktor Orbán – seine Familie

1986 heiratete Viktor Orbán die Juriistin Anikó Lévai, mit der er heute fünf Kinder hat. Seine Gattin bessert immer wieder das Image ihres Mannes auf, indem sie Kochbücher schreibt und sich mit Flüchtlingskindern ablichten lässt. Die älteste Tochter Ráhel sorgt immer wieder für Schlagzeilen, weil sich ihr Unternehmer-Gatte von Orbán Aufträge zuschieben lässt. Öffentliche Ausschreibungen werden dabei gerne umgangen oder ignoriert. Der einzige Sohn Gáspár ist ein ehemaliger, bekannter Fußballer in Ungarn.

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