Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee auf einer Militärparade in Peking
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Peking gibt viel Geld aus für die Modernisierung seines Militärs: Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee auf einer Militärparade in Peking

Chinas Militär

Volksbefreiungsarmee: Die einstige Revolutionstruppe rüstet auf - mit viel High-Tech

Das chinesische Militär untersteht formal der Partei - wird aber zur Landesverteidigung eingesetzt. Die Volksbefreiungsarmee ging 1949 aus den Bürgerkriegskämpfern der Kommunisten hervor.

Die Volksbefreiungsarmee ist die Armee der Volksrepublik China und die zahlenmäßig größte Armee der Welt. Die Armee wurde schon 1927 als militärischer Arm der 1921 gegründeten Kommunistischen Partei Chinas gegründet und untersteht bis heute formal der Partei. Den Namen Volksbefreiungsarmee aber offiziell erst seit dem 1. Oktober 1949: Der Tag der Staatsgründung wird im Jargon der Partei auch „Befreiung“ genannt.

Seit den 60er Jahren rüstet China auf - dabei geht es Peking weniger um Masse als um Qualität und Technologie. Chinas Ziel ist es, in Zukunft nicht nur die größte, sondern auch die modernste Armee der Welt zu stellen. China investiert dazu stark in die Abwehr von Cyberangriffen und entwickelt innovative Technologien für den Krieg in einer digitalisierten Welt. Die Rüstungsausgaben steigen jedes Jahr stark an - 2021 um 6,8 Prozent. Das Militärbudget beträgt aber aktuell nur ein Sechstel des Budgets der USA.

Durch eine starke Armee will die Volksrepublik ihr Territorium verteidigen sowie das Szenario einer möglichen Eroberung Taiwans realistisch erscheinen lassen. Ziel ist es dabei, die so genannten Kerninteressen Chinas verteidigen zu können - dazu gehört neben dem Schutz der Grenzen auch die Sicherstellung, dass Tibet weiter zu China gehört und die militärische Untermauerung von Chinas Ansprüchen im Südchinesischen Meer. Dort baut China seit Jahren trotz überlappender Ansprüche auch anderer Anrainerstaaten seine Militärpräsenz stetig aus, unter anderem durch Militärbasen auf künstlich aufgeschütteten Inseln auf hoher See. Das führt insbesondere mit den USA zu erhöhter Spannung. Es geht um Rohstoffe, Schifffahrtsrouten und geostrategische Vorteile.

Dazu investiert China insbesondere in die Marine - etwa in den Bau von Flugzeugträgern Außerdem strebt Peking an, in Zukunft sämtliche Waffensysteme selbst zu entwickeln - und weder fertige Waffen, noch Know-how aus anderen Staaten zu importieren. So will sich China beispielsweise von einer seit Jahrzehnten bestehenden Abhängigkeit von Russland lösen, das China Waffensysteme und Kampfjets liefert.

Volksbefreiungsarmee: Die Ausrüstung des chinesischen Militärs

Zur VBA gehören derzeit 2,2 Millionen Soldaten. Im Falle eines Krieges könnte China weitere 6 Millionen Wehrpflichtige einziehen. Das Militärbudget liegt 2021 nach einer Erhöhung von 6,8 Prozent bei 1.35 Billionen Yuan - umgerechnet 178 Milliarden Euro.

China verfügt über eine der am besten ausgestatteten Luftwaffen und die größte Luftabwehr. Bei den Militärausgaben, der Anzahl der Atomraketen und der Anzahl der Flugzeugträger liegt China hingegen weit hinter den USA.

China beteuert stets, Atomwaffen nur zur Verteidigung und nicht zum Angriff einsetzen zu wollen. Der Staat will sich nach offiziellen Angaben nicht am atomaren Wettrüsten beteiligen. Andere Bereiche der Volksbefreiungsarmee baut China dagegen massiv aus. Dies ist auch ein wichtiger Bestandteil des 14. Fünfjahresplans, in dem China die Entwicklung der Jahre 2021-2025 plant. China will in diesem Zeitraum vor allem die Marine und die maritimen Luftstreitkräfte verstärken. Weitere Ziele sind nach den Worten von Ministerpräsident Li Keqiang eine Beschleunigung der integrierten Entwicklung von Mechanisierung und und intelligenten Technologien, sowie eine Stärkung von Training und Kampfbereitschaft.

Volksbefreiungsarmee: Dienstgerade

Oberstes Gremium der Streitkräfte ist die Zentrale Militärkommission, die eng an die Kommunistische Partei angeschlossen ist und ihren Sitz im VBA-Gebäude in Peking hat. Ihr Vorsitzender ist der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping. Offiziell wählt das chinesische Parlament, der Nationale Volkskongress, den Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission. De facto aber hat stets der amtierende Generalsekretär der KP diesen Posten inne.

Die Dienstgrade im chinesischen Militär ähneln denen anderer Armeen und entsprechen im Wesentlichen den Dienstgraden des deutschen Militärs. Niedrigster Rang ist der Kadett, der in China „Xue Yuan“ heißt. Trägt ein Soldat in seiner Bezeichnung den Zusatz „Hai Jun“, weist dies auf die Zugehörigkeit zur Marine hin. Ein Soldat mit dem Dienstgrad „Hai Jun Xue Yuan“ ist also ein Kadett der Marine.

Volksbefreiungsarmee: Chinas Panzer

Zur Armee der Volksrepublik zählen heute über 6.300 Panzer. China begann bereits um 1900 damit, Panzer zu importieren. Die Entwicklung eigener Panzer begann nach Gründung der Volksrepublik China, als der junge Staat Unterstützung von der Sowjetunion erhielt, um die Volksbefreiungsarmee aufzubauen. Die ersten chinesischen Panzer basierten auf dem Sowjet-Panzer T-54A. In den 60er Jahren brachte China mit den Panzern 80, 85 und 88 eigene Entwicklungen auf den Markt. Die dritte Generation chinesischer Panzer begann mit der Entwicklung von Modell 90, das China vor allem nach Pakistan exportierte.

Aktuell setzt China neben den klassischen Kampfpanzern auch auf sogenannte Unterstützungspanzer, wie den QN-506. Diese Art von Panzer ist auf Kriege in urbanen Gegenden spezialisiert und kann in engen Straßen besser manövrieren. China bezeichnet das Modell QN-506 als den „neuen König des Krieges“. Der Panzer führt verschiedene Waffensysteme mit sich, die in klassischen Kampfpanzern nicht eingesetzt werden, wie zum Beispiel Raketen zur Abwehr von Hubschraubern und eine bewaffnete Drohne.

Volksbefreiungsarmee: Krieg im Netz

Die Digitalisierung verändert auch die Art, wie Staaten Krieg führen. China setzt in der Aufrüstung der Volksbefreiungsarmee auf innovative Technologien und die neuen Möglichkeiten einer digitalisierten und vernetzten Welt. Dabei sieht China vor allem seine eigenen Systeme in Gefahr. Alle Netzwerke sind eine potentielle Schwachstelle und könnten von ausländischen Streitkräften oder Terroristen angegriffen werden. Besonders sensibel sind zum Beispiel Kraftwerke, Forschungseinrichtungen oder der öffentliche Personenverkehr. Deswegen baut China komplexe Sicherheitssysteme, um solche Netzwerke vor Angriffen zu schützen.

Um die eigene Armee im Angriffsfall zu stärken, setzt China künstliche Intelligenz ein, die taktische Entscheidungen erleichtern kann. Mit der Technologie werden auch mögliche Bedrohungen berechnet, um vorauszusagen, welche Konflikte in den nächsten Jahren eine Gefahr darstellen. Auch zur Spionage setzt China immer stärker auf die Digitalisierung. Die USA sind dabei immer wieder das Ziel, aber auch Kanada, Australien und Indien meldeten schon chinesische Cyberangriffe.

Volksbefreiungsarmee: Die chinesische Marine

Die chinesische Marine ist die größte der Welt und umfasst über 200.000 Soldaten und 350 Kriegsschiffe und U-Boote. Neben der Digitalisierung ist die Aufrüstung der Marine Chinas wichtigstes militärisches Ziel. China will so seine Gebiete im südchinesischen Meer verteidigen. Im Küstengebiet in der Nähe zu Taiwan entstehen beispielsweise neue Militärbasen und Stützpunkte auf Inselketten.

Auch die Bekämpfung der Piraterie ist eine wichtige Aufgabe der chinesischen Marine. Dazu kooperiert China mit der NATO und den Vereinigten Staaten und zeigt Aktivitäten in australischen Gewässern. Auch in anderen Bereichen arbeitet China daran, die Marine für mehr internationale Hochseeeinsätze auszurüsten.

Volksbefreiungsarmee: Flugzeugträger in China

Aktuell besitzt China zwei aktive Flugzeugträger, die Liaoning und die Shandong. China importierte den Flugzeugträger Liaoning in halbfertigem Zustand aus der Ukraine und baute es selbst fertig. Heute nutzt die Marine das Schiff vor allem zu Übungszwecken und zur Erprobung von Kriegsmanövern. Das Schiff Shandong ist der erste Flugzeugträger, den China eigenständig entwickelte. Er ist seit dem 26. April 2017 Teil der chinesischen Armee. Das Deck des Flugzeugträgers fasst bis zu 32 Kampfflugzeuge und 12 Hubschrauber. Über die genaue Art der Einsätze der Shandong gibt China wenig preis. Bekannt ist nur, dass die Armee mit der Shandong Manöver im südchinesischen Meer probt.

Neben den beiden aktiven Flugzeugträgern baut China aktuell mindestens drei weitere Schiffe, die mit dem CATOBAR-System arbeiten. Dabei nutzen die Flugzeuge ein auf dem Flugzeugträger installiertes Katapult zum Abheben, statt einer herkömmlichen Startbahn wie die beiden anderen Träger. Das spart Fläche auf dem Schiff. Beobachtungen von Militärsatelliten legen nahe, dass zwei der Schiffe Atomreaktoren als Antriebssystem nutzen. Wann die Schiffe vom Stapel laufen, gibt die Regierung nicht bekannt.

Volksbefreiungsarmee: Die chinesische Luftwaffe

Zur chinesischen Luftwaffe gehören über 250.000 Soldaten und 1.624 Kampfflugzeuge. Besonders wichtig ist der Bomber vom Modell Xian H-6K, der Militärbeobachtern zu Folge Atombomben abwerfen kann. Zur Luftwaffe gehören auch die chinesischen Fallschirmjäger, über deren Übungen der deutschsprachige Kanal des China Internet Information Center auch auf Twitter berichtet:

Heute setzt China in der Luftwaffe vermehrt auf Drohnen und entwickelt diese Technologie in eigenen Forschungseinrichtungen weiter. Hier gibt die chinesische Regierung ebenfalls nur wenig preis. Klar ist jedoch, dass die Volksbefreiungsarmee Aufklärungsdrohnen und andere bewaffnete Drohnen produziert und einsetzt. Aktuell arbeitet die Armee außerdem an der Weiterentwicklung einer Transportdrohne.

Ein weiterer wichtiger Baustein der chinesischen Luftwaffe ist die Luftabwehr. Hier nimmt China die globale Führungsposition ein. China besitzt 96 Flugabwehrsysteme aus Russland und setzt 32 eigenständig entwickelte Luftabwehrraketen ein. Ein Netzwerk aus Radarsystemen und Satelliten steuert die Luftabwehr über dem gesamten Festland und über dem Südchinesischen Meer. Die Volksbefreiungsarmee schützt sensible Einrichtungen wie Militärbasen, Schlüsselindustrien und Forschungszentren durch eigene Flugabwehrstellungen.

Volksbefreiungsarmee: Chinas militärische Schlagkraft

Wie steht die chinesische Armee im internationalen Vergleich da? Wie stark eine Armee ist, misst der Global Firepower Index. Die militärische Schlagkraft eines Landes ergibt sich demnach aus zahlreichen Faktoren. Anzahl, Art und Qualität der Waffen sind Faktoren, ebenso wie die Verfügbarkeit von Munition und Nachschub. Hinzu kommen als Kriterien die Qualität der militärischen Führung sowie Anzahl und Erfahrung der Soldaten.

Zahlenmäßig hat die Volksbefreiungsarmee alle anderen Armeen überholt. Ob sie sich auch in den Punkten Führung und Ausbildung der Streitkräfte bewähren kann, ist noch unklar. Die bessere Vorbereitung der Soldaten auf verschiedene Szenarien ist deshalb aktuell ein wichtiger Bestandteil der militärischen Planung.

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