+
Wie es in der Plagiatsaffäre von der Leyen weitergeht, hängt womöglich auch von ihrem Umgang mit der Krise ab. Foto: Maja Hitij

Von der Leyens Krisenverhalten "relativ gut"

Die Verteidigungsministerin steht unter Verdacht wegen einer 25 Jahre alten Doktorarbeit. Ob Von der Leyen geschummelt hat, wird derzeit in Hannover geprüft. Medienwissenschaftler Trebbe meint: Bisher geht sie mit der Plagiatskrise besser um als zuvor gestrauchelte Kollegen.

Berlin (dpa) - In der Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat deren Krisenmanagement nach Expertenansicht bisher funktioniert - mit kleinen Einschränkungen.

"Eigentlich ist ihr Vorgehen relativ gut im Vergleich zu dem ihrer Vorgänger, also Guttenberg und Schavan", sagte der Berliner Medienwissenschaftler Professor Joachim Trebbe der Deutschen Presse-Agentur. "Sie hat von vornherein, als diese Vorwürfe aufkamen auf der Webseite VroniPlag, ihre Arbeit nochmal zur Prüfung vorgelegt. Und sie hat das relativ offen kommuniziert."

Jedoch sei auch diese Ministerin "nicht ganz frei von dem Verfolgungswahn, der die Betroffenen irgendwann trifft", sagte Trebbe, der am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität (FU) arbeitet. "Sie glauben, dass sie nicht wie alle anderen Promovenden geprüft werden, sondern dass sie strengeren Maßstäben ausgesetzt sind, weil sie öffentliche oder politische Personen sind. Und dass gewisse Kreise ein Interesse haben könnten, sie durch diese Affäre aus dem Amt zu drängen."

Die Plagiatsjäger werfen von der Leyen schwere Regelverstöße in ihrer 1990 erschienenen medizinischen Doktorarbeit vor. Bisher seien auf 27 von 62 Textseiten Plagiatfundstellen dokumentiert. Die Medizinische Hochschule Hannover überprüft auf Wunsch der Ministerin derzeit die Arbeit. Von der Leyen wehrte sich und sagte: "Es ist nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen." Ihr Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) musste 2011 sein Ministeramt niederlegen, als ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel aberkannt hatte. 2013 trat Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) nach dem Entzug ihres Titels durch die Universität Düsseldorf zurück.

Im Gegensatz zu ihren einstigen Ministerkollegen habe von der Leyen bisher nicht behauptet, an den Vorwürfen sei nichts dran, sagte Trebbe. "Da es schon mindestens zwei Fälle gegeben hat im konservativen Lager, wo es schlecht ausging, wo Minister ihre Titel zurückgeben und zurücktreten mussten, ist das wenigstens mal eine andere Strategie." Wenn ein Beschuldigter hingegen zunächst jedes Fehlverhalten abstreite, komme hinterher auch noch der Lügen-Vorwurf hinzu. Trebbe vermutet, dass von der Leyen demnächst zu ihrer Entlastung auf den empirischen Teil ihrer Doktorarbeit verweisen wird. "Sie hat ja bestimmte Daten gemessen und diese Daten auch analysiert."

Ob die Ministerin schon durch den Verdacht beschädigt ist, lässt sich nach Trebbes Worten noch nicht sagen. Die Frage könne am Ende lauten: "Wann verliert man seine Glaubwürdigkeit?" Denn eine Verteidigungsministerin sei auch Chefin der Bundeswehr-Universitäten. Trebbe: "Das heißt, sie muss Professoren treffen und die Verwaltung organisieren. Da verliert Frau von der Leyen auch ein Stück Glaubwürdigkeit, wenn sie ihren Doktortitel verliert."

Positionspapier "Anforderungen an die Qualitätssicherung der Promotion" des Wissenschaftsrates von 2011

Empfehlungen zur "Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" der Deutschen Forschungsgemeinschaft von 1998

Empfehlung "Gute wissenschaftliche Praxis an deutschen Hochschulen" der Hochschulrektorenkonferenz von 2013

Webseite Schavanplag

Webseite Vroniplag

Webseite Guttenplag

Analyse der Arbeit Ursula von der Leyens bei Vroniplag

Spiegel-Bericht

FU-Webseite zu Prof. Trebbe

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Irans Parlamentarier erzwingen nach Protesten Gefängnisbesichtigung
Lange hat die iranische Reformfraktion nach den regimekritischen Protesten um eine Gefängnisbesichtigung gekämpft. Nun darf eine Gruppe von ihnen die inhaftierten …
Irans Parlamentarier erzwingen nach Protesten Gefängnisbesichtigung
Groko im News-Ticker: „Wann's bei uns quietscht, das entscheiden wir“
Es ist schon jetzt die längste Regierungsbildung in der Geschichte der Bundesrepublik. Nun gibt es Licht am Ende des Tunnels: Die SPD fällt einen staatstragenden …
Groko im News-Ticker: „Wann's bei uns quietscht, das entscheiden wir“
Berlin und Paris dringen nach Start von türkischer Offensive auf Ende der Kämpfe
Deutschland und Frankreich haben nach dem Beginn der türkischen Militäroffensive in der nordsyrischen Kurdenregion Afrin auf ein Ende der Kämpfe gedrungen.
Berlin und Paris dringen nach Start von türkischer Offensive auf Ende der Kämpfe
Deutsche IS-Anhängerin im Irak zum Tode verurteilt
In Syrien und im Irak haben sich auch viele Ausländer der Terrormiliz IS angeschlossen - als Kämpfer oder Unterstützer. Darunter waren auch Deutsche, Männer wie Frauen. …
Deutsche IS-Anhängerin im Irak zum Tode verurteilt

Kommentare