+
Syrische Flüchtlinge kommen in Hannover an. Fast alle Flüchtlinge, die nach Lettland umgesiedelt wurden, sind wieder nach Deutschland zurückgereist. In Lettland ist es für Flüchtlinge fast unmöglich, einen Job und eine Wohnung zu finden. Foto: Holger Hollemann/Symbolbild

Von Lettland anerkannte Flüchtlinge zieht es nach Deutschland

Lettland scheint für Flüchtlinge wenig attraktiv zu sein. Kaum als Schutzsuchende anerkannt packen sie ihre Sachen und ziehen nach Deutschland weiter. Die Regierung in Riga räumt Integrationsprobleme ein.

Riga (dpa) - In Lettland anerkannte Flüchtlinge haben sich auf eigene Faust auf den Weg nach Deutschland gemacht. Im Zuge der EU-weiten Flüchtlingsumsiedlung hat der Baltenstaat bislang 69 der zugesagten 531 Migranten aufgenommen. 

Zwar erhielten bislang 23 von ihnen einen Flüchtlings- oder alternativen Schutzstatus, aber 21 verließen bereits das Land und reisten nach Deutschland weiter. Dies berichtete das lettische Fernsehen am Montagabend. Grund dafür sei, dass es für Flüchtlinge in Lettland nahezu unmöglich sei, eine Arbeit oder Wohnung zu finden.

Den lettischen Behörden liegen der Agentur BNS zufolge keine Informationen über die Weiterreise der Flüchtlinge vor. Rechtlich besteht nach Angaben der Migrationsbehörde auch keine Möglichkeit, sie aufzuhalten - nach Anerkennung gelte die Reisefreiheit innerhalb Europas. Trotz ihres unbekannten Aufenthaltsstatus erhielten die Flüchtlinge aber weiterhin monatlich 139 Euro vom lettischen Staat. 

Die zuständige Staatssekretärin des Innenministeriums räumte Probleme bei der Integration ein. Die Kürzung der sozialen Leistungen für Flüchtlinge im vergangenen Jahr sei ein Fehler gewesen, sagte sie am Dienstag im Fernsehen. Dies könnte einer der Gründe sein, weshalb die Migranten nach Westeuropa weiterzögen. Auch mangelnde Sprachkenntnisse bildeten ein Integrationshindernis.

Ministerpräsident Maris Kucinskis kündigte an, dass sich die Mitte-Rechts-Regierung in Riga in Kürze mit der Angelegenheit befassen werde. "Wir werden kein totalitärer Staat sein, der eine Mauer errichtet und alle aufhalten kann", sagte er. In einem ersten Schritt lockerte das Kabinett in seiner Sitzung am Dienstag die Bestimmungen für die Arbeitsaufnahme von Asylbewerbern.  

Im benachbarten Estland ist nach Angaben einer Sprecherin des Sozialministeriums keine Abwanderung von Flüchtlingen erkennbar. Bisher habe keiner der 47 umgesiedelten Migranten das Land verlassen, sagte sie der Agentur BNS. Gegen die Aufnahme von Migranten gibt es in Lettland und Estland teils starke Vorbehalte.

Medienbericht, Lettisch

Mitschnitt der Sendung, Lettisch

Mitschnitt Interview Staatssekretärin, Lettisch

Regierungsmitteilung, Lettisch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

US-Seuchenbehörde muss verbotene Wörter wie "Fötus" meiden
Begriffe wie "Fötus" und Formulierungen wie "auf wissenschaftlicher Grundlage" darf die US-Seuchenbehörde CDC nicht mehr verwenden - zumindest nicht im Zusammenhang mit …
US-Seuchenbehörde muss verbotene Wörter wie "Fötus" meiden
Erster SPD-Landesverband stimmt gegen Sondierungsgespräche
SPD und Union ringen um eine neue Bundesregierung. GroKo ja oder nein? Ist „KoKo“ vom Tisch? Immerhin hat sich die SPD nun geeinigt, Sondierungen aufzunehmen. Alle News …
Erster SPD-Landesverband stimmt gegen Sondierungsgespräche
Europas Rechtspopulisten fordern in Prag Ende der EU
Die Rechtsaußen-Fraktion ENF im Europaparlament hält einen großen Kongress in Prag ab. Der Tagungsort dürfte kein Zufall, sondern ein Signal sein: In Tschechien rechnen …
Europas Rechtspopulisten fordern in Prag Ende der EU
Seehofer als CSU-Vorsitzender bestätigt - Söder zum Spitzenkandidaten gekürt
Horst Seehofer ist als Parteivorsitzender wiedergewählt worden, Markus Söder geht als Spitzenkandidat der Union ins Rennen: alles zum CSU-Parteitag im News-Ticker zum …
Seehofer als CSU-Vorsitzender bestätigt - Söder zum Spitzenkandidaten gekürt

Kommentare