Die IT-Truppe der Bundeswehr soll nicht nur Hackerangriffe abwehren, sondern auch zurückschlagen dürfen. Foto: Oliver Berg
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Die IT-Truppe der Bundeswehr soll nicht nur Hackerangriffe abwehren, sondern auch zurückschlagen dürfen. 

Pixel statt Panzer

Cyber-Armee der Bundeswehr startet

Berlin/Bonn - Eine Armee zu Lande, zu Wasser, in der Luft - und nun auch im Internet. Die Bundeswehr hat ihre neue Cyber-Armee in den Dienst gestellt. Die IT-Soldaten sollen nicht nur Hackerangriffe abwehren.

Deutschland hat neben Heer, Marine und Luftwaffe eine völlig neue Teilstreitkraft: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die neue Cyber-Armee am Mittwoch mit einem feierlichen Appell in Bonn offiziell in den Dienst gestellt. Sie sprach von einem "historischen Tag für die Bundeswehr" und einem "Meilenstein deutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik".

Die IT-Truppe soll nach Ansicht der Ministerin im Schlachtfeld Internet nicht nur Hackerangriffe abwehren, sondern auch zurückschlagen dürfen. "Wenn die Netze der Bundeswehr angegriffen werden, dann dürfen wir uns auch wehren", sagte die CDU-Politikerin. "Sobald ein Angriff die Funktions- und Einsatzfähigkeit der Streitkräfte gefährdet, dürfen wir uns auch offensiv verteidigen."

Auslandseinsätze klar geregelt

In den Auslandseinsätzen sei die rechtliche Lage da klar. "Hier bestimmen die Bundestagsmandate die Möglichkeiten und auch Grenzen - das gilt selbstverständlich auch für den Cyberraum."

Dies betonte auch der SPD-Verteidigungsexperte Lars Klingbeil. Er begrüßte aber grundsätzlich die Aufstellung des neuen Kommandos als "einen ersten richtigen Schritt, um die Bundeswehr besser auszustatten und innovativ gegen Bedrohungen aus dem Cyber- und Informationsraum aufzustellen". Dies sei angesichts täglicher Cyberangriffe auf die Systeme der Bundeswehr auch dringend geboten. Allerdings werde es schwer sein, hochqualifizierte Fachkräfte für diese Aufgabe zu gewinnen.

"Die Bundeswehr greift mit dem heutigen Tag ganz offiziell in den weltweiten Cyber-Krieg ein", kritisierte der Linken-Politiker Alexander Neu. Es sei "utopisch zu glauben, dass das neue Cyber-Kommando der Bundeswehr rein defensiv arbeiten wird". Damit werde vielmehr "die Rüstungsspirale auf eine neue Ebene gehoben".

13.500 Cyber-Soldaten

Die Bundeswehr übt bereits seit vielen Jahren Cyber-Attacken in einer kleinen, geheim agierenden Einheit in Rheinbach bei Bonn. Diese Einheit soll jetzt aufgestockt werden. 

Das Kommando CIR hat zunächst rund 260 Mitglieder. Ab Sommer sollen rund 13.500 Soldaten und zivile Mitarbeiter der Cyber-Armee angehören. Die neue Einheit steht auf einer Ebene mit Heer, Marine und Luftwaffe. Die Bundeswehr bündelt dabei bereits vorhandene IT-Strukturen. Bis 2021 soll die Cyber-Truppe voll einsatzbereit sein. Generalleutnant Ludwig Leinhos wurde zum ersten Inspekteur der Cyber-Streitkraft ernannt. Er gilt als Experte für elektronische Kampfführung.

von der Leyen: "Cyber-Angriffe auf Staaten bittere Realität"

Von der Leyen wies darauf hin, dass allein in den ersten zwei Monaten des Jahres 280.000 Ereignisse gezählt wurden, die als Cyber-Attacken gegen die Bundeswehr gewertet werden könnten. Dabei gehe es "von der einfachen Spionage, Datenklau über Zerstören bis zum Manipulieren und Beeinflussen." Cyber-Angriffe auf Staaten und deren kritische Infrastrukturen seien längst keine Fiktion mehr. "Sie sind bittere Realität." Die Bundeswehr stelle sich mit der neuen IT-Truppe damit international im Spitzenfeld auf. Nur wenige Staaten wie die USA und Israel hätten ihre Kräfte vergleichbar gebündelt.

dpa

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