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„Merkel muss weg“, der Grundimpuls der AfD-Anhänger, hier bei einem Auftritt der Kanzlerin in Sachsen-Anhalt.

Eine Analyse

Vor der Bundestagswahl: Die Wut im Osten

Pegida, der Mob von Heidenau, AfD-Rechtsaußen Björn Höcke: Der Osten steht für viele, gerade im Westen, nicht nur geografisch rechts. Jetzt, vor der Bundestagswahl, schaut die Republikdeshalb besonders auf die Wähler in den neuen Bundesländern.

München – Schon viermal haben die Wähler in Ostdeutschland den Ausgang einer Bundestagswahl geformt. Diesmal auch? Auf die Wut in den neuen Bundesländern fällt der Blick besonders oft. Auch weil dort die AfD in Landtagswahlen bisher ihre stärksten Ergebnisse einfuhr. Was treibt die Menschen im Osten an, die für das ganze Land so entscheidend sein können?

In den Bundestagswahlen seit 2002 haben die Stimmen für die Linke im Osten Schwarz-Gelb verhindert, sie ist dort deutlich stärker als im Westen. Diesmal könnten es wieder die vielen Stimmen für die Linke sein – und die für die AfD. Das hält der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse aus Chemnitz für wahrscheinlich. Das Problem aus Sicht der Wähler, die für Dunkelrot oder Blau stimmen: Dass Angela Merkel wieder als Kanzlerin aus dieser Wahl hervorgehen wird, gilt als sicher. Egal, wo das Kreuz landet, an der Spitze der Koalition stünde erneut die CDU-Chefin. Der Osten könnte, wieder mal, Schwarz-Gelb unmöglich machen, sagt Jesse unserer Zeitung. Aber eine Mehrheit stehe hinter dem Ergebnis trotzdem nicht.

Viele im Osten teilten den Eindruck, die etablierten Parteien seien gerade in der Flüchtlingspolitik alle eins. „Manche sprechen auch von den Blockparteien, in Erinnerung an die vergangene Zeit.“, sagt Jesse. Das sei weit übertrieben – aber eben die Wahrnehmung. „Der Vorwurf, der Osten werde nicht gehört, ist insofern verständlich, als die Linke und die AfD im Bund ja keine Rolle spielen werden“, sagt der Politikwissenschaftler, der seit Jahrzehnten als führender Extremismusforscher gilt. „Man erreicht also nicht das, was man will. Diese insgesamt knapp 40 Prozent der Stimmen werden nicht Teil der Koalition sein.“ Dass die Linke mit der AfD im Osten um die Position als zweitstärkste Partei kämpft, zeigt, dass die Menschen im Osten nicht schlechthin rechts sind. Dennoch, die AfD ist dort nicht nur stärker als im Westen, sondern auch radikaler.

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Ihr Erfolg hat Gründe, die den neuen Bundesländern eigen sind. „Was selbst in westdeutschen Mittelstädten Alltag ist, ist hier neu: dass man Ausländer in der Fußgängerzone, im Stadtbild sieht“, sagt Ulrich Wolf, Reporter der Sächsischen Zeitung und im Land viel unterwegs. „Das ist der Veränderungen jetzt vielleicht einfach zu viel.“ Der 52-Jährige verbrachte die ersten 25 Jahre seines Lebens im Westen, bevor er 1989 nach Sachsen kam. Im Wendejahr. „Hätte es so eine radikale Veränderung, privat wie beruflich, im Westen gegeben, wäre dort kein Stein auf dem anderen geblieben.“ Nach der Wende erlebten die Menschen einen radikalen Umbau der Wirtschaft, fast alle Entscheidungspositionen hätten Westdeutsche bekommen. Lebensleistungen zählten nicht mehr, zurück blieben gebrochene Erwerbsbiografien. Und Wut.

Um die Menschen mit genau diesen Geschichten bemüht sich Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Natürlich ist ihr Amt auf Zuwanderer ausgerichtet. Sie aber will erst die Ostdeutschen integrieren. Im Jetzt. Sie fordert Respekt für die Brüche, redet mit den Gebrochenen. Weil sie den gesellschaftlichen Frieden in Gefahr sieht.

„Ganz viele, die früher CDU gewählt haben, kämpfen jetzt leidenschaftlich für die AfD“, sagt Reporter Wolf. Vor allem in Sachsen sei mit ihr eine neue identitätsstiftende Partei entstanden. Gerade auf dem Land, wo der Nachwuchs für die Feuerwehr fehlt und das Geld im Alter, wirbt die AfD massiv um Wähler. Als einzige, sagt Wolf. Ihre Angebote scheinen einfacher als die langwierige Kompromisssuche in der Demokratie.

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