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Angela Merkel mit Christian Wulff. Der Ex-Bundespräsident trat nach einer Flut von Vorwürfen zurück.

Kommt ein weiterer Fehlgriff?

Rücktritte und Skandale: Das waren Merkels Pleite-Präsidenten

Berlin - Angela Merkel sucht händeringend nach einem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. In der Vergangenheit hatte sie kein gutes Händchen bei ihrer Wahl. Drei Beispiele.

Allmählich drängt die Zeit: Noch immer sucht CDU-Chefin Angela Merkel nach einem Kandidaten für das höchste Amt im Staat. Am Freitag wird erneut beraten. Bundespräsident ist nicht gerade die Paradedisziplin der Kanzlerin: Zwar hat sie in ihrer Amtszeit schon ziemlich viele Präsidenten gekürt, doch pannenfrei gelang das nie.

Horst Köhler

Merkels erste Präsidentenkür war zunächst ein Coup. Gemeinsam mit dem damaligen FDP-Chef Guido Westerwelle nominierte sie - damals noch in der Opposition - bei einem nächtlichen Treffen im März 2004 den Chef des Internationalen Währungsfonds. Zugleich sandten Union und FDP damit das politische Signal für eine schwarz-gelbe Koalition aus. Wirklichkeit wurde diese aber erst Jahre später.

Köhler wurde 2009 für eine zweite Amtszeit gewählt - trat dann aber nach rund einem Jahr völlig überraschend zurück. Er fühlte sich zu Unrecht und zu hart für seine Aussagen zu Bundeswehr-Einsätzen kritisiert und vermisste entschiedene Verteidigung durch CDU, CSU und FDP. Merkel zeigte sich überrascht und enttäuscht von der Entscheidung "ihres" Präsidenten: Sie bedauere den Rücktritt "auf das Allerhärteste", sagte sie damals.

Christian Wulff

Für die Suche nach einem Nachfolger für Köhler brauchte Merkel 2010 dann nur vier Tage. Unfallfrei gelang auch das nicht: CDU-Ministerin Ursula von der Leyen wähnte sich zwischenzeitlich schon auf dem Weg ins Schloss Bellevue - ehe Merkel dann Christian Wulff präsentierte.

Dessen Wahl in der Bundesversammlung geriet dann zu einer neunstündigen Zitterpartie und einer Blamage für Schwarz-Gelb. Trotz eindringlicher Appelle auch von Merkel persönlich konnte Wulff die Wahlleute von Union und FDP erst im dritten und letzten Durchgang hinter sich vereinen.

Und auch Wulff gab sein Amt vorzeitig auf. Er trat 2012 nach wochenlangem Kampf gegen eine Flut von Vorwürfen um mögliche Vorteilsnahme und Bestechlichkeit zurück. Vor Gericht wurde er später freigesprochen.

Joachim Gauck

Nach den Misserfolgen war Gauck nach Meinung vieler Politiker in Berlin ein Glücksfall im Schloss Bellevue. Merkels Kandidat war er allerdings eigentlich nicht. Nachdem sie 2010 Wulff als Unionskandidaten gegen Gauck ins Rennen geschickt hatte, sperrte sie sich auch 2012 gegen den früheren Pfarrer. Erst nachdem der Koalitionspartner FDP umschwenkte - wovon die Kanzlerin angeblich erst aus den Medien erfuhr - schloss sich Merkel ebenfalls der Kandidatur Gaucks an.

Die Partei „Die Linke“ hat unterdessen einen eigenen Kandidaten für die Bundespräsidenten-Wahl angekündigt, nachdem SPD-Chef Sigmar Gabriel den aktuellen Außenminister Frabk-Walter Steinmeier dafür ins Gespräch gebracht hatte. Der neue Bundespräsident wird am 12. Februar 2017 von der Bundesversammlung gewählt.

dpa

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