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Gibt nicht auf: Markus Sackmann

Nach Krebs-Drama

Sackmann kämpft sich zurück ins politische Leben

München/Roding - Eine fürchterliche Krebsdiagnose veränderte 2012 das Leben von Staatssekretär Markus Sackmann. Doch der Politiker gibt nicht auf - und macht nun kleine Schritte zurück ins politische Leben.

Es ist ein Sommertag, als Markus Sackmann im Landtag stolpert. Ihm wird schwindelig, mitten zwischen all den Politik-Kollegen. Ein Schwächeanfall vielleicht, der Stress, die Klima-Anlage. Helfer eilen herbei, lockern die Krawatte. Der Sozial-Staatssekretär rappelt sich auf, doch er ahnt noch nicht, dass in diesem Moment sein bisheriges Leben zusammenbricht. Einige Arzttermine später steht eine furchtbare Diagnose: Drei Tumore im Kopf, teils faustgroß.

Seit jenem 11. Juli im Parlament kämpft der 52-Jährige um sein Leben. Bei dieser schweren Krebsdiagnose, zwei der Tumore waren inoperabel, ist das ein sehr ungleicher Kampf. An diesem Wochenende aber feiert Sackmann in kleinen Schritten einen Erfolg, eine ganz vorsichtige Rückkehr auf die politische Bühne. Ministerpräsident Horst Seehofer besuchte am Freitag den Landkreis Cham, Sackmann war bei den Terminen dabei. Er wagt noch nicht, für den Parteitag am Samstag in München fest zuzusagen, aber die Richtung ist klar: Er will zurück in die Normalität.

Die Narbe von der dreieinhalbstündigen Operation ist auf den ersten Blick nicht mehr zu sehen, die Haare wachsen nach. 30 Bestrahlungen hat er überstanden, fünf Zyklen Chemotherapie. „Ich möchte kämpfen. Das habe ich meinen Kindern versprochen“, sagte Sackmann in einem Interview. Benedikt ist 12, Victoria 13.

Staatssekretär, das heißt in Bayern: Eine Art Stellvertreter des Ministers, ein vollwertiges Kabinettsmitglied mit Mitarbeiterstab, Dienstlimousine, überbordendem Kalender und vollem politischen Einblick, aber eher in der zweiten Reihe der Regierung. Hier und da ein Spatenstich, ab und zu eine Pressemeldung, doch überregional kaum Prominenz. Sackmann allerdings ist inzwischen vielen Bayern ein Begriff. Eine riesige Welle an Briefen, Anrufen, SMS erreichte ihn daheim in Roding.

Sein Chef Horst Seehofer machte in bewegenden Worten klar, dass Sackmanns Stuhl am Ministerratstisch, seit einem Dreivierteljahr verwaist, in diesem Kabinett freigehalten werde. „Ich wünsche mir sehr, dass er seinen leeren Platz neben mir auf der Regierungsbank bald wieder einnimmt“, sagt auch seine Ministerin Christine Haderthauer. „Er fehlt mir sehr – natürlich mit seinem fachlichen Rat, aber vor allem als Mensch.“

Sogar die Oberpfälzer CSU, nicht immer ein Hort der Harmonie, sammelt sich geschlossen hinter dem Staatssekretär. Bisher haben seine Ärzte kein grünes Licht gegeben für einen Wahlkampf im Herbst – eine erneute Landtagskandidatur ist unsicher. Auch Sackmanns Frau Kristin weiß, wie wichtig Politik für ihn ist, warnt aber vor einer Überbelastung. Notfalls bis zum letzten möglichen Tag, bis zum Rand der allerdehnbarsten Frist, verschiebt die regionale CSU ihre Nominierungen für sein Direktmandat und die Bezirksliste, um Sackmann möglichst viel Zeit zu geben. Das, so sagte er jüngst über die Solidarität auch seiner Parteifreunde, „hält einen aufrecht“.

Christian Deutschländer

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