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Donald Trump gegen Hillary Clinton: Die US-Vorwahlen beginnen.

Wahlauftakt in Iowa

Vorwahlen in den USA beginnen: Hillary Clinton gegen "Mister X"

Washington - Mit den Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa fällt der Startschuss zu den US-Präsidentschaftswahlen. Während bei den Demokraten ein Sieg Hillary Clintons festzustehen scheint, steht Donald Trump auf dem Prüfstand.

Frank Luntz, ein Republikaner, gilt als graue Eminenz der Meinungsforscher in den USA. Sozusagen der amerikanische „Mr. Allensbach“. Auch er ist im US-Bundesstaat Iowa vor Ort, wo die Präsidentschafts-Kandidaten der beiden großen Parteien, ihre Beraterscharen und Journalisten aus aller Welt wie die Heuschrecken eingefallen sind. Hier im Mittleren Westen, in einer von Ackerbau und Viehzucht dominierten Region, fällt heute der Startschuss zum Vorwahlmarathon, bei dem die Spreu vom Weizen getrennt werden soll. Und Luntz, der alte Demoskopen-Fuchs, hat längst das einst Undenkbare in den Bereich des Möglichen aufgenommen: „Einen Sieg Donald Trumps beim Nominierungsrennen kann ich nicht mehr ausschließen.“

Ted Cruz, der wohl ernstzunehmendste konservative Konkurrent Trumps für die Vorwahlen in Iowa und dann neun Tage später in New Hampshire, hatte den möglichen Super-GAU für die „Grand Old Party“ letzten Mittwoch so beschrieben: „Wenn Donald Trump die ersten drei Vorwahlen gewinnt, dürfte er nicht mehr zu stoppen sein.“ Das beschreibt wie kein anderer Satz die Kernfrage der Wahlsaison 2016: Wer stoppt einen Mann, der zu Beginn seiner Kampagne noch wie die TV-Spätabendparodie eines Kandidaten wirkte, aber es irgendwie schaffte, sich als Favorit der Republikaner zu etablieren?

Trump will Muslime im Land bespitzeln

Der Bewerber, der nach den Terrorattacken von Paris und San Bernardino ankündigte, gegenüber Muslimen „das Undenkbare“ zu tun, hat sich selbst als einst undenkbares Phänomen manifestiert: Als personifiziertes Versprechen, der einzige ausreichend starke Mann zu sein, der Amerika wieder zu einer Größe führt, die von den verängstigten und verärgerten Bürgern der konservativen weißen Mittelschicht so lautstark gefordert wird.

Donald Trump hat vor, Muslime im Land zu registrieren und zu bespitzeln. Er will Terrorverdächtige foltern, die Familien von Extremisten bombardieren, eine Mauer zu Mexiko bauen und so nebenbei noch elf Millionen illegal in den USA wohnende Menschen im Eiltempo deportieren. Diese Thesen verbindet er mit seinem gar nicht mehr so geheimen Erfolgs-Rezept: Wie auch immer geartete Schlagzeilen produzieren – und damit alle anderen Kandidaten überdröhnen. Dazu zählte natürlich auch, sich mit dem TV-Sender Fox News anzulegen und aus der letzten Debatte vor Iowa am Donnerstag mit großem Tamtam auszusteigen, weil er sich von einer Moderatorin – die seine abfälligen Aussagen über Frauen thematisiert hatte – bei einer früheren Fragerunde unfair behandelt fühlte. Auch „bad news“ ist für Trump „good news“.

Was bei aller „Trumpomania“ gerne vergessen wird, sind Fakten, die dem Milliardär spätestens am 8. November – dem alles entscheidenden Wahltag – begegnen werden, sollte er tatsächlich die Nominierung schaffen. In den USA ist es zu bedeutenden demografischen Verschiebungen gekommen. Im Jahr 2000 stellten Lateinamerikaner, Schwarze und Asiaten 20 Prozent der Wähler. In diesem Jahr werden es mehr als 30 Prozent sein. Experten gehen davon aus, dass ein Präsidentschaftskandidat der Republikaner nicht nur 60 Prozent der Weißen-Stimmen zum Erfolg brauchen wird, sondern auch noch 30 Prozent der Minderheiten-Stimmen. Ein einfaches Unterfangen? Mitt Romney, der gegenüber Donald Trump wie ein wohlerzogener Chorknabe mit gemäßigten Ansichten wirkt, schaffte im Rennen gegen Barack Obama nur 17 Prozent Zustimmung bei den Minderheiten. Das ließe Donald Trump im Duell mit Hillary Clinton rechnerisch gesehen chancenlos.

Trumps Popularität ist den Konservativen ein Dorn im Auge

Das wissen natürlich auch die Altväter der „Grand Old Party“, und deshalb war ihnen ja auch von Beginn an die Popularität Donald Trumps ein so großer Dorn im Auge. Doch alle konventionellen Mittel der Argumentation haben versagt gegen einen unkonventionellen Neu-Politiker, der von sich so voreingenommen ist, dass er sagt: „Ich könnte selbst auf der Fifth Avenue jemanden erschießen, und meine Fans würden mich weiter lieben.“ Dass das Partei-Establishment nun beginnt, sich um Trump zu scharen, zählt zu den Überraschungen des noch langen Wahl-Weges, bei dem auch schon klar wurde, dass Geld nicht alles ist. Die längsten Gesichter gibt es wohl im Hause Bush, wo der Bewerber Jeb es seinem Bruder George W. und seinem Vater George Herbert Walker nicht nachtun dürfte. Obwohl er bereits fast 90 Millionen US-Dollar in seine Kampagnenwerbung investierte, dümpelt er weiter im einstelligen Umfragenbereich. Zu schwer wiegt offenbar die Familien-Marke, zu sehr scheint ihn das kriegsmüde Land in Sippenhaft für die Feldzüge seines Bruders zu nehmen.

Was haben es doch dagegen die US-Demokraten leicht. Da tritt der großväterliche Sozialist Bernie Sanders gegen die großmütterliche Hillary Clinton an – und behandelt sie trotz großer Angriffsflächen bisher mit Samthandschuhen. So weigert sich Sanders standhaft, den durchaus vertiefenswerten E-Mail-Skandal der Ex-Außenministerin zum Thema zu machen und lobt sogar die eher mageren Errungenschaften der früheren Chefdiplomatin Obamas. Schielt er, der tief im Innern wissen muss, dass er landesweit nicht gegen die clevere Clinton-Maschinerie bestehen kann, mit seinem Schon-Wahlkampf auf einen Kabinettsposten bei der früheren First Lady? In Iowa könnte er wie in New Hampshire jetzt einen Achtungserfolg landen – doch mehr ist kaum drin für einen Politiker, der Amerikas leidender Mittelklasse Steuererhöhungen bescheren will.

Damit scheinen die Weichen gestellt für das Duell Hillary Clinton gegen Mr. X bei den Republikanern. Joe Biden, Obamas Vize, sprach am Donnerstag sogar von einem „Gottesgeschenk“ mit Blick auf das Feld der Konservativen. Biden ist Profi genug zu wissen: Die Chancen stehen gut, dass die Demokraten wieder den Präsidenten stellen. Vor allem, wenn Mr. X Donald Trump heißen wird.

Friedemann Diederichs

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