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Der französische Geschäftsmann Roger Ponton erhebt schwere Vorwürfe gegen das Ehepaar Haderthauer. 

Ex-Geschäftspartner sagt aus

Vorwürfe gegen Ehepaar Haderthauer bekräftigt

In der sogenannten Modellauto-Affäre hat ein ehemaliger Geschäftspartner seine Vorwürfe gegen die frühere bayerische Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) und deren Ehemann erneuert.

Der französische Geschäftsmann Roger Ponton hielt den Eheleuten am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Landtags vor, ihn betrogen zu haben. Sie hätten die gemeinsame Firma „Sapor Modelltechnik“ ohne sein Wissen verkauft und ihn mit zu wenig Geld abgefunden. Deshalb habe er Anzeige erstattet.

Die Eheleute Christine und Hubert Haderthauer waren bis ins Jahr 2008 nacheinander Miteigentümer des Unternehmens, das teure Modellautos verkaufte, die von Straftätern in der Psychiatrie gebaut wurden. Seit vergangenem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft München II wegen Verdachts auf Betrug und Steuerhinterziehung. Geprüft wird, ob Einnahmen aus dem Modellauto-Verkauf nicht korrekt angegeben und versteuert wurden. Die CSU-Politikerin, die wegen der Affäre im September 2014 von ihrem Amt als Staatskanzleichefin zurücktreten musste, hat sämtliche Vorwürfe stets als falsch zurückgewiesen.

Ponton sagte, ihm sei immer gesagt worden, dass die Firma keine Gewinne mache. Im Gegenteil, er habe immer wieder Geld zuschießen müssen. Irgendwann aber sei dann der Kontakt abgerissen. Ponton widersprach dabei der Darstellung der Haderthauers, dass er - Ponton - damals abgetaucht sei. Er habe nie seinen Wohnsitz gewechselt.

Im Jahr 2011 erhielt Ponton vom Ehepaar Haderthauer dann eine Abfindung für seinen Anteil in Höhe von 20 000 Euro. Ponton sagte dazu am Donnerstag, er habe erst später erfahren, dass offenbar in Wirklichkeit mehr als 100 Modellautos verkauft worden seien. Er habe daher eine höhere Summe und sechs Modellautos als Abfindung verlangt. „Hätten Sie's angenommen, hätten sie keine Geschichte“, betonte er.

Ponton gab zudem an, dass er den verurteilten Dreifachmörder mehrmals außerhalb des Bezirkskrankenhauses getroffen habe. Einmal sei dieser sogar in seiner Jagdhütte im Elsass zu Gast gewesen - in Begleitung eines „Pflegers“ und eines „Polizisten“ in Zivil. „Das war für mich ein normaler Mensch“, sagte Ponton über den Modellauto-Konstrukteur.

Ponton widersprach zudem einer Darstellung Christine Haderthauers aus dem Sommer 2014, die Firma sei ein „von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art“ gewesen. „Es war rein gemacht, um Geld zu verdienen“, sagte Ponton. „Alles war nur für Gewinn.“

dpa

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