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Martin Prem.

Kommentar von Martin Prem

VW-Skandal: Die Politik muss sich ihrer Mitverantwortung stellen

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München - Die manipulierte Abgasreinigung bei VW ist ein Skandal. Doch dieser darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den vergangenen Jahren zunehmend Autos unter weltfremden Bedingungen im Labor geprüft und für sauberer erklärt wurden, als sie waren.

Manchmal ist für die Beurteilung von Sachverhalten auch Distanz sinnvoll – etwa bei der neuen Autoabgas-Diskussion. Ältere sollten durch eine längere Straßenunterführung gehen und sich um zwei Jahrzehnte zurückerinnern. Damals ging das nicht ohne schweren Hustenanfall ab. Jedes Taxi stieß mehr Ruß aus, als heute ganze Lkw-Flotten. Empfindliche Naturen mussten nur kurz am Auspuff eines Benziners schnuppern, um selig in Ohnmacht zu fallen.

Keine Frage: Die manipulierte Abgasreinigung bei VW ist ein Skandal. Doch das darf nicht über Verbesserungen der Luft in vielen Städten hinwegtäuschen. Selbst die betroffenen VW-Motoren sind weit sauberer als ihre Vorgänger. Drastische Maßnahmen zu Lasten der Nutzer – bis hin zu Stilllegungen – sind daher unverhältnismäßig.

Einiges ist erst in den letzten Jahren aus dem Ruder gelaufen. Zunehmend wurden Autos unter weltfremden Bedingungen im Labor geprüft und für sauberer erklärt, als sie es waren. Der Schritt von dieser augenzwinkernd geduldeten Manipulation bis hin zur aktiven Täuschung ist nicht groß. Die Politik hat eine Mitverantwortung – und sollte sich ihr stellen. Durch Regelungen, die in Zukunft nicht nur Wünsche der Industrie in den Mittelpunkt stellen, sondern – endlich wieder – die Auswirkungen auf die Menschen.

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