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Letzter Aufmarsch der Generale: Andrea Nahles, Alexander Dobrindt, Hermann Gröhe.

Wachwechsel der Parteimanager

Neue Generalsekretäre für CDU, CSU und SPD

München - Die Generale treten ab. Auf einen Schlag werden Alexander Dobrindt, Hermann Gröhe und Andrea Nahles Minister. Die drei Koalitionspartner suchen sich neue Generalsekretäre – und treffen eine überraschende Wahl.

Das Klima auf der Donau war eisig, und das lag nicht am Dezemberwetter. Für einen sanften Ausbau werde es keine Fördermittel geben, stellte Andreas Scheuer bei der Bereisung an Bord der „Donauprinzessin“ kühl fest. Sein Parteichef Horst Seehofer wollte genau diesen sanften Ausbau, auch wenn es gegen die bisherige CSU-Linie war, und keine Belehrungen von einem jungen Verkehrs-Staatssekretär.

Zwischen beiden schien eine lange Eiszeit anzubrechen. So gehe man mit der Bevölkerung nicht um, lästerte Seehofer. Scheuer solle „mal ein Praktikum in der Politik“ machen. Nun, genau ein Jahr später, ist die geeignete Praktikumsstelle gefunden: Seehofer zieht Scheuer aus der Regierung ab und ernennt ihn zum CSU-Generalsekretär. Er sei nicht nachtragend – „wir sind beide Mannsbilder“, sagt Seehofer gütig.

Die Berufung ist eine dicke Überraschung, sehr knapp entschieden im Rennen mit Stefan Müller. Dass das eisige Verhältnis zu Scheuer so schnell taut, war nicht zu erwarten. Noch dazu gilt Scheuer als sehr loyal zu seinem Noch-Minister Ramsauer, den Seehofer nicht ausstehen kann. Der Parteichef scheint an Scheuer aber anzuerkennen, dass er nach dem Donau-Zoff nicht nachlegte.

Der 39-Jährige, junger Familienvater aus Passau, polarisiert bei Parteifreunden. Er gilt als eines der Nachwuchstalente, kommunikativ und durchsetzungsstark – sein Direktmandat holte er per Kampfabstimmung gegen einen altgedienten Abgeordneten und Ex-Staatssekretär. Er ist gut vernetzt, zählt zum informellen „Zugspitzkreis“ sieben junger Abgeordneter, die 2007 auf der Zugspitze (zu) spät ein Solidaritäts-Transparent für Edmund Stoiber entrollten. In diesem Netzwerk sind auch die künftig regierenden Dobrindt, Dorothee Bär und Müller aktiv, dazu Landesgruppenvize Daniela Ludwig und Innenpolitiker Stephan Mayer. Siebter in der Runde war Karl-Theodor zu Guttenberg.

Mit dem verbindet Scheuer neben der Gelfrisur auch ein weniger rühmliches Kapitel der Biografie. Auch er hatte Ärger um seinen Doktortitel. Der sehr rasch erworbene Abschluss an der Karls-Universität Prag („Die politische Kommunikation der CSU“) geriet mehrfach in die Schlagzeilen – nicht als Plagiat, aber weil zunächst unklar war, ob der Titel in Deutschland geführt werden darf. Ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde 2011 eingestellt – ohne Beanstandung. Kritikern gilt Scheuer zudem als Musterfall des Berufspolitikers. „Hörsaal, Plenarsaal“, spottet einer der Vorgänger.

Der Bundestagsabgeordnete soll jetzt den Kommunal- und den Europawahlkampf organisieren. Von Dobrindt kann er viel Vorarbeit übernehmen, allerdings haben auch viele Mitarbeiter das Haus eilig verlassen. Seehofers knappe Stellenbeschreibung: „Direkten Anschluss an das Niveau von Dobrindt.“ Und an die Lautstärke: Auch der neue General darf trotz Koalitions-Konsens holzen.

Immerhin ist Scheuer nicht der einzige Neuling auf der ganz großen Bühne. Auch sein CDU-Kollege Peter Tauber (39) ist bisher wenig bekannt. Der hessische Bundestagsabgeordnete, als Oberleutnant der Reserve bisher im Verteidigungsausschuss aktiv, wurde am Abend nominiert – von Parteichefin Angela Merkel, die er fröhlich „Mutti“ nennt. Überhaupt neigt er zum Scherz. „Mir werden bei diesen Herausforderungen sicher keine grauen Haare mehr wachsen“, sagt der Glatzkopf. Für Merkel ist die Personalie ein Zugeständnis an die Jungen, die bei der Kabinettsbildung komplett leer ausgingen.

Die SPD hat sich auf eine Frau als Nahles-Nachfolgerin festgelegt – aber noch nicht konkret benannt. Parteichef Sigmar Gabriel scheiterte intern mit dem Ansinnen, den Parteilinken Ralf Stegner als General durchzusetzen (siehe unten).

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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