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Peter Gauweiler

CSU wählt Gauweiler in ihre Führung

Der Mann, der nicht geschmollt hat

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München – Manchmal ist es komisch bei der CSU. Als Peter Gauweiler 2011 auf den Parteitag kam, wurde er umsummt von Kamerateams, stapfte durch ein irres Blitzlichtgewitter – und wurde nichts.

 Parteitag 2013, Gauweiler lehnt einsam an einem Tisch im Saal, kaum ein Reporter da, aber jetzt werden sie ihn zum Parteivize wählen. „Politik“, sagt er sehr gelassen, „mäandert ja immer.“

Kampflos und ohne großen Wirbel wird Gauweiler heute das Amt bekommen, um das er 2011 vergeblich gekämpft hatte. Ein Anruf von Horst Seehofer am Mittwoch machte den Weg frei: Beate Merk trete doch nicht mehr als Parteivize an, ob er wolle? „Sie, was soll ich da lang rumtun“, sagt Gauweiler hinterher, und Seehofer lobt: „Der hat sich nicht in die Schmollecke zurückgezogen.“ Er werde der CSU „sicher helfen in München und bei der Europawahl“. Gauweiler (64) ist Münchner, wo am 16. März der Oberbürgermeister gewählt wird, und exponierter Eurorettungskurs-Skeptiker.

Dass Gauweiler bei den Parteitags-Wahlen heute ein gutes Ergebnis bekommt, gilt als sicher. Wo man auch fragt: Die Delegierten sind nicht auf Krawall gebürstet. All jene Parteigranden, die 2011 gegen ihn gearbeitet haben, können sich heute daran kaum mehr erinnern. Und seine Fans sind geblieben. „Komm her, Alter“, murmelt Wilfried Scharnagl, CSU-Urgestein, und drückt Gauweiler an seine Brust.

Die weiteren drei Vizes haben bisher auch keine Gegenkandidaten. Interessant wird allenfalls, wie gut Peter Ramsauer, Christian Schmidt und Barbara Stamm abschneiden werden, weil erstere auch um die Ämter in der Bundesregierung kämpfen müssen.

Kontroverser als Gauweiler werden deshalb an den Kaffeeständen und Wurstkesseln des Parteitags andere Posten diskutiert. Drei Bundesminister wolle er haben, hatte Seehofer unserer Zeitung gesagt. Einer soll Alexander Dobrindt sein, der bisherige Generalsekretär, dem man sein gewachsenes Ansehen in der CSU anmerkt: Als Dobrindt den Parteitag auf dem Münchner Messegelände eröffnet, lauscht die Basis – ohne das desinteressierte Gemurmel der Vorjahre. Seehofer sagt zudem erstmals, dass er das Agrarressort gerne für die CSU behalten würde. Für wen, Ramsauer vielleicht, lässt er offen.

Wohl innerhalb der nächsten Woche wird entschieden, wer neuer Generalsekretär wird. Seehofer hat sich da auf einen Berliner Abgeordneten festgelegt. In der Hauptstadt zu suchen, legten ihm intern mit sehr viel Nachdruck Dobrindt und Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt nahe, ist zu hören. Dass es kein Münchner wird, wie zunächst vermutet, nimmt Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer klaglos hin: „’S isch in Ordnung“, schwäbelt er.

Als heiße Kandidaten gelten die Franken Thomas Silberhorn (45, inhaltlich nahe an Gauweiler), Stefan Müller (38, hat Führungserfahrung) und die Rosenheimerin Daniela Ludwig (38, stand auch in schwierigen Zeiten zu Seehofer). Entscheiden wird es der Parteichef, der keinen Namen verrät. Noch-General Dobrindt freut sich zwar auf seinen Jobwechsel, merkt aber an: „Jetzt lasst die Leiche erst mal kalt werden.“

Christian Deutschländer

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