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Syrien kommt nicht zur Ruhe: Die Zerstörung in Ost-Ghuta geht weiter

„Die Kämpfe gehen weiter“

Rascher Rückschlag: Waffenruhe in Ost-Ghuta nach wenigen Stunden gebrochen

Keine Atempause für die Einwohner von Ost-Ghuta: Kurz nach Beginn einer von Russland ausgerufenen Waffenruhe für die syrische Rebellenenklave machten neue Luftangriffe der Regierungstruppen am Dienstagvormittag die Absprache zunichte.

Ost-Ghuta - Nach Angaben syrischer Staatsmedien beschossen die Aufständischen ihrerseits einen "humanitären Korridor", um die Einwohner an der Flucht zu hindern. Mehrere Rebellengruppen erklärten ihre Bereitschaft, alle Kämpfer von Dschihadistengruppen aus Ost-Ghuta auszuweisen.

"Die Kämpfe gehen heute morgen weiter. Dies ist, was unsere Berichte aus Ost-Ghuta besagen", sagte der Sprecher des UN-Büros zur Koordinierung der humanitären Hilfe (OCHA) in Genf. Gespräche über Hilfslieferungen für die eingeschlossenen Zivilisten oder die Bergung von Verletzten seien verfrüht, solange die von Russland ausgerufene Feuerpause nicht eingehalten werde.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete bereits kurz nach Beginn der nur auf fünf Stunden angesetzten Feuerpause Artillerie- und Luftangriffe, darunter mit Fassbomben. Dabei seien zwei Zivilisten getötet worden, erklärte die oppositionsnahe Organisation in Großbritannien, die ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort bezieht. Für Medien sind die Angaben kaum zu überprüfen.

Rebellen: Zwangsumsiedlung ist Kriegsverbrechen

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Rebellen hätten einen neu eingerichteten "humanitären Korridor" bei Al-Rafidain beschossen, um Zivilisten an der Flucht zu hindern. Die Rebellengruppen in Ost-Ghuta hatten zuvor Vorschläge Russlands zur Evakuierung des Gebiets zurückgewiesen und Zwangsumsiedlung als Kriegsverbrechen bezeichnet.

Der russische General Viktor Pankow warf den Rebellen vor, das Feuer auf den "humanitären Korridor" eröffnet zu haben, so dass kein Zivilist habe fliehen können. Die am Montag von Russland verkündete "humanitäre Pause" sieht vor, dass täglich von 9.00 bis 14.00 Uhr die Waffen schweigen. Zugleich sollen mehrere "humanitäre Korridore" den Einwohnern die Flucht erlauben.

Einwohner von Ost-Ghuta kritisierten die russische Waffenruhe. "Die Feuerpause ist eine Farce. Jeden Tag bombardiert und tötet uns Russland", sagte Samer al-Bujadi in Duma. Er habe kein Vertrauen in die syrische Regierung. Wenn er mit seiner Familie Ost-Ghuta verlasse, werde ihn die Regierung in die Armee zwingen, damit er gegen andere Syrer kämpfe, sagte er.

UN-Resolution nach zähen Verhandlungen gebilligt

Die tägliche Feuerpause bleibt deutlich hinter der Forderung des UN-Sicherheitsrats nach einer landesweiten 30-tägigen Waffenruhe zurück, der auch Russland am Samstag zugestimmt hatte. Die entsprechende UN-Resolution war nach langen Verhandlungen gebilligt worden, doch entscheidende Fragen wie der genaue Beginn der Feuerpause blieben unklar.

Auf Druck Russlands wurde zudem eine Passage in die UN-Resolution aufgenommen, wonach die Feuerpause nicht für Dschihadistengruppen wie der Islamische Staat, Al-Kaida und verbündete Gruppen gilt. Moskau und Damaskus nutzten dies, um die fortdauernden Angriffe auf die islamistischen Rebellen zu rechtfertigen, die den Großteil von Ost-Ghuta kontrollieren.

Die Rebellengruppen Dschaisch al-Islam, Fajlak al-Rahman und Ahrar al-Scham erklärten nun in einem Brief an die UNO ihre Bereitschaft, alle Kämpfer von Al-Kaida, ihrem syrischen Ableger Al-Nusra-Front und dem von ihm dominierten Dschihadistenbündnis Hajat Tahrir al-Scham aus Ost-Ghuta "auszuweisen", sobald die 30-tägige Waffenruhe umgesetzt sei.

Beobachtungsstelle: Mehr als 550 Zivilisten getötet

Die Regierungstruppen bombardieren Ost-Ghuta seit Wochen; allein vergangene Woche wurden dabei laut der Beobachtungsstelle mehr als 550 Zivilisten getötet, darunter knapp hundert Kinder. Machthaber Baschar al-Assad scheint entschlossen, die Rebellenenklave an den Toren der Hauptstadt zurückzuerobern und bereitet derzeit eine Bodenoffensive vor.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warten tausend Verletzte und Kranke darauf, aus Ost-Ghuta geholt zu werden. Bei dem Bombardement wurden mehrere Krankenhäuser zerstört. Wegen der jahrelangen Belagerung der Region fehlt es an Medikamenten, Lebensmittel sind knapp und teuer, zwölf Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt.

afp

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