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Ukraine-Krieg: Russland-Experte sieht kein Szenario, in dem Putin aufgibt – Doch es gibt eine Lösung

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Von: Patrick Freiwah

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Russland-Präsident Wladimir Putin in Moskau an seinem Schreibtisch
Russland-Präsident Wladimir Putin in Moskau an seinem Schreibtisch. © IMAGO/Mikhail Klimentyev

Für den Weltfrieden wäre ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs wünschenswert. Ein Russland-Experte erklärt, wie die Waffen aus seiner Sicht zum Schweigen gebracht werden.

Moskau/Washington - Im Ukraine-Krieg werden fortlaufend neue Meldungen veröffentlicht, viele davon stammen aus vermeintlich gut informierten US-Kreisen. Wenn es um eine sachliche Einschätzung der brenzligen Situation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine geht, dürfte jedoch der amerikanische Politologe Paul Christensen zu den fundiertesten Stimmen gehören: Der Mann ist ausgewiesener Russland-Experte.

In einem Interview mit Focus Online schildert Christensen, dass er nicht an ein absehbares Ende der Invasion (News-Ticker) glaubt: „Ein Szenario, in dem (Wladimir) Putin aufgibt, sehe ich momentan nicht. Seine Städtebombardierungen sprechen dafür, dass der Krieg noch lange andauern wird.“ Für ihn deute nichts darauf hin, dass sich der russische Präsident ergeben würde.

Ukraine-Krieg: Ende des Konflikts nur mit Nato-Rückzug und Zugeständnissen?

Jedoch sieht der US-Amerikaner eine Lösung, die den Ukraine-Konflikt jäh beenden und Frieden schaffen könnte: Es handelt sich dabei in Teilen um jenes Szenario, das Russland und Putin vorschwebt - bei dem bislang jedoch keine Einigung erfolgte: die Zusicherung, dass russische Sicherheitsinteressen nicht weiter in Form einer Nato-Osterweiterung bedroht werden: „Außer der Versicherung des Westens, dass die Ukraine niemals der Nato beitritt sowie bedeutenden Zugeständnissen in den Ost-Provinzen sehe ich kaum etwas, das Putin besänftigen oder zu einem Deal bewegen könnte“, erklärt der Russland-Experte.

Das russische Volk sei ihm zufolge gespalten - und die Opposition für die Regierung würde tagtäglich schwinden, denn: „Man darf nicht vergessen, dass genau die Menschen, die bereits aus Russland weggezogen sind, sicher noch mit am ehesten zu Demonstrationen bereit gewesen wären.“ Christensen, der aus der US-Ostküsten-Stadt Boston kommt und mehrere Bücher über die russische Gesellschaft verfasste, berichtet von russischen Freunden, die jedoch anderer Meinung seien: „Selbst unter Akademikern gibt es viele, die dem Westen die Schuld geben.“

Christensen benennt zudem Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Levada, wonach zwar die wenigsten Bürger den russischen Einmarsch in der Ukraine befürworten. Jedoch seien für über 50 Prozent der Menschen die USA und die EU für die Krise verantwortlich - und gerade mal für drei Prozent Präsident Wladimir Putin.

Ukraine-Krieg: Experte glaubt, „deutsche pazifistische Haltung ist Vergangenheit“

Wie Christensen ausführt, habe sich die Weltanschauung von Wladimir Putin in den vergangenen Jahren seit 2010 zunehmend radikalisiert. „Er ist extrem nationalistisch und regelrecht davon besessen, traditionelle Werte vor modernem, liberalem Gedankengut wie etwa im Westen üblichen Schwulenrechten zu schützen“, bewertet der Politexperte.

Der Russland-Insider äußert sich auch zum Bild einer zurückhaltenden Bundesrepublik Deutschland, wenn es um globale Krisenherde wie den Ukraine-Krieg geht. Er vertritt gegenüber Focus Online die These: „Schon jetzt ist klar, dass die deutsche pazifistische Haltung der Vergangenheit angehört. Damit ist nun Schluss.“

Ukraine-Krieg mit Russland: Politologe äußert sich zu Gefahr eines Atomkriegs

Schließlich äußert Christensen seine Einschätzung zur Gefahr eines drohenden Atomkriegs: Der US-Amerikaner glaubt nicht, dass ein Wladimir Putin trotz Panikmodus eine derart drastische Reaktion zeigen werde. „Es ist nicht alleine sein Krieg. Wie auch in anderen Ländern unterstehen die russischen Nuklearkräfte einer separaten, komplexen Machtstruktur mit spezifischen, detaillierten Abläufen“, erläutert der Politologe. Er hat Zweifel, dass die russischen „Elitestrukturen bereit wären, mit ihm unterzugehen.“

Denn eines dürfte feststehen: Ein Krieg mit nuklearen Waffen hat das Potenzial, die gesamte Zivilisation auszulöschen. Derweil äußert sich Altkanzler Gerhard Schröder zum Kriegsgeschehen in der Ukraine - und sieht die Ursache des Konfliktes in einem politischen Versagen. Damit meint er konkret das Verhältnis zwischen Russland und den USA. (PF)

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