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„Der Rubel rollt“: Wagenknecht macht 792.961 Euro mit Nebenjobs – Baerbock hinkt hinterher

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Von: Jens Kiffmeier

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Ist mit Nebentätigkeiten eine Spitzenverdienerin: Sahra Wagenknecht (Die Linke).
Ist mit Nebentätigkeiten eine Spitzenverdienerin: Sahra Wagenknecht (Die Linke). © Monika Skolimowska/Paul Glaser/dpa/Montage

Fast 800.000 Euro für Buch und Reden: Sahra Wagenknecht hat lukrative Nebeneinkünfte. Damit übertrumpft die Linke sogar Außenministerin Baerbock.

Berlin – Ein Buch und viele Vorträge in der Schweiz: Sahra Wagenknecht (Die Linke) war in den vergangenen Monaten nicht nur eine viel beschäftigte, sondern auch eine gut bezahlte Politikerin. So hat die Bundestagsabgeordnete mit einer Reihe von Nebentätigkeiten fast 800.000 Euro einkassiert – zusätzlich zu ihrer Abgeordnetentätigkeit. Damit könnte die Parteirebellin im Bundestag zur Spitzenverdienerin aufsteigen, weit vor Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). In der Linkspartei reagiert man verärgert. Denn auch bei der CDU oder der AfD schaffen es offenbar wenig Abgeordnete auf ein derartiges Salär.

Sahra Wagenknecht: Buch vom Campus-Verlag beschert ihr lukrative Nebeneinnahmen

Die Einnahmen aus den Nebentätigkeiten werden derzeit in den Abgeordnetenprofilen vom Deutschen Bundestag aktualisiert. Wie der Spiegel unter Berufung auf diese Daten berichtete, soll Sahra Wagenknecht zwischen 2021 und 2023 insgesamt 792.961 Euro zusätzliche Einkünfte deklariert haben. Der Löwenanteil stammt dabei aus der Veröffentlichung ihres Buches „Die Selbstgerechten“, das vor zwei Jahren im Campus-Verlag erschienen ist und das der Linkspolitikerin offenbar 720.868,99 Euro einbrachte. Der Rest der Gelder stammt aus Vorträgen, die vorrangig in der Schweiz gehalten wurden. Demnach müssen Bankhäuser und Unternehmen bis zu 10.000 Euro für eine Rede Wagenknechts berappen.

In der Linkspartei zeigten sich einige Politiker verschnupft. „Die Dauerattacken von Sahra Wagenknecht gegen die eigene Partei sorgen dafür, dass der Rubel rollt und der Job als Abgeordnete auch finanziell nur noch Nebensache ist“, kritisierte der frühere Bundestagsabgeordnete Niema Movassat (Die Linke) auf Twitter und fügte hinzu: „Fast wie ein Grundeinkommen fürs Nichtstun.“ Ähnlich äußerten sich auch viele andere Nutzer auf der Plattform.

Nebentätigkeit, neue Partei und Petition: Wagenknecht stellt Linke vor Zerreißprobe

Der Ärger kommt nicht von ungefähr. Seit Wochen und Monaten reizt Wagenknecht die eigenen Reihen. Nachdem sie im Bundestag wiederholt prorussische Reden gehalten und sich damit gegen den Kurs der eigenen Fraktion gestellt hatte, liebäugelt sie mittlerweile mit der Gründung einer neuen, eigenen Partei – was die Linke vor eine harte Zerreißprobe stellt. Dass Wagenknecht zuletzt im Bundestag häufig durch Abwesenheit und Krankmeldungen glänzte und stattdessen auf Demonstrationen mit Petitionen und Manifesten von sich reden machte, sorgte ebenfalls für Aufregung.

Parteigründung: Wagenknecht wegen Nebentätigkeit nicht auf Mandat der Linke angewiesen

Der Riss zwischen Wagenknecht und der Linken scheint mittlerweile unüberbrückbar. In der vergangenen Woche kündigte sie an, nicht mehr für die Partei kandidieren zu wollen. Dass sie trotz Parteineugründung nicht mehr auf ihre alten Kader angewiesen ist, zeigen nun ihre Nebeneinkünfte. Zwar sind noch nicht die Daten aller Abgeordneten veröffentlicht, doch bislang übertrumpft Wagenknecht ihre Kolleginnen und Kollegen. Laut dem Medienbericht schafft es der CSU-Abgeordnete und Allgäuer Unternehmer Alexander Engelhard immerhin auf mehr als 400.000 Euro aus forstwirtschaftlichen Einnahmen.

Dürfen Abgeordnete Nebenjobs haben?

Abgeordnete dürfen einer Nebentätigkeit nachgehen. Im Mittelpunkt muss aber die Mandatsaufgabe stehen. Alle anderen Einnahmen müssen laut Abgeordnetengesetz ab einer bestimmten Höhe dem Bundestagspräsidium gemeldet und auf dem Abgeordnetenprofil veröffentlicht werden. Zuletzt war die Grenze zur Anzeigepflicht von Nebeneinkünften auf 1000 Euro im Monat oder 3000 Euro im Jahr gesunken. Zuvor lag die Jahresgrenze bei 10.000 Euro.

Doch Wagenknecht selbst wiegelte bereits ab. Man rechne für die kommende Zeit wieder mit deutlich geringeren Einnahmen, teilte das Abgeordnetenbüro dem Spiegel mit. Die hohen Zusatzeinkünfte seien den außerordentlich hohen Buchverkäufen geschuldet, hieß es.

Wagenknecht übertrumpft Baerbock: Buch der Außenministerin bringt nur einen Bruchteil ein

Wie ungewöhnlich die Einnahmen sind, zeigt ein Vergleich des Magazins. Demnach gaben auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock ihre Verdienste als Buchautoren an. Doch während der Sozialdemokrat 10.700 Euro für sein 2022 erschienenes Buch „Bevor es zu spät ist“ erwirtschaftete, deklarierte die Grünen-Politikerin 15.000 bis 30.000 Euro aus dem Verkauf von „Jetzt“ an. Das Buch war in ihrem Wahlkampf erschienen und war wegen Plagiaten heftig in die Kritik geraten. (jkf

 

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