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Staatschefin Dilma Rousseff muss in die Stichwahl.

Rousseff ohne absolute Mehrheit

Wahl in Brasilien geht in die zweite Runde

Rio de Janeiro - Brasilien steht vor harten Wahlkampfwochen. Die Präsidentschaftsfrage wird erst in einer Stichwahl entschieden. Das Rennen ist offen, auch wenn Amtsinhaberin Rousseff klare Favoritin ist.

Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff hat zwar die erste Runde der Präsidentschaftswahl gewonnen, muss aber in die Stichwahl. Dort trifft sie in drei Wochen auf ihren Gegenkandidaten von der sozialdemokratischen Mitte-Rechts-Partei PSDB, Aécio Neves, der überraschend stark aus der Wahl hervorging. Er konnte sogar die bisher favorisierte Herausforderin Rousseffs, Ex-Umweltministerin Marina Silva, überholen, die den Sprung in die Stichwahl nach 2010 zum zweiten Mal verpasste. Brasilien steht nun am 26. Oktober vor einer Richtungsentscheidung.

Nach Auszählung von 99,99 Prozent der Stimmen sicherte sich Rousseff am Sonntag mit 41,6 Prozent klar den ersten Platz. Der eigentliche Gewinner des Wahlsonntags war aber Neves. Der frühere Gouverneur und Senator kam auf überraschend starke 33,6 Prozent und übertraf damit deutlich seine bisherigen Umfragewerte. Silva erreichte 21,3 Prozent der Stimmen. Die 66-jährige Rousseff regiert die siebtgrößte Volkswirtschaft seit 1. Januar 2011 und strebt ein zweiten Mandat bis 2018 an. Dann wäre ihre mitte-links stehende Arbeiterpartei PT 16 Jahre an der Macht.

Rousseff, die 2010 als erste Frau ins Präsidentenamt gewählt wurde, sprach nach der Wahl von einem klaren Sieg in der ersten Runde und bedankte sich bei den Wählern. „Ich fühle mich, als hätte ich eine Botschaft erhalten, eine sehr einfache: Sie sagt, dass ich weitermachen und diesen Kampf fortsetzen soll mit jedem dieser Wähler, um Brasilien zu verändern.“ Die PT stellt seit 2003 den Präsidenten. Sie regiert mit einem breiten Bündnis unterschiedlichster Partner, wodurch sich zum Teil auch die hohe Zahl der 39 Ministerien erklärt.

Ex-Gouverneur Neves wirft der PT eine dirigistische Politik vor, die zu einer undurchsichtigen Verflechtung von Staat und Wirtschaft geführt und Korruption begünstigt habe. Durch den Interventionismus der PT-Regierung seien Investoren abgeschreckt worden. Neves will Privatisierungen forcieren, zugleich aber die von der PT stark ausgebauten Sozialprogramme für die ärmere Bevölkerung beibehalten und weiter entwickeln. Er forderte auch mit Blick auf die Wähler der unterlegenen Silva, dass nun die Kräfte gebündelt werden müssten: „Wir sind erst auf der Hälfte des Weges.“

Das Land war 2013 von Massendemonstrationen erschüttert worden. Hunderttausende Menschen waren aus Protest gegen Korruption, Misswirtschaft und schlechte Bedingungen im Gesundheits-, Bildungs- und Transportwesen auf die Straße gegangen. Es war erwartet worden, dass vor allem Marina Silva von dieser Proteststimmung im Land hätte profitieren können. Doch war sie vom Rousseff-Lager im Wahlkampf massiv attackiert worden. So musste sie sich gegen Vorwürfe wehren, sie wolle die Familiensozialhilfe „Bolsa Família“ abschaffen.

Das nächste vierjährige Regierungsmandat wird schwierig. Brasilien steht vor der Mammutaufgabe, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Das Land ist technisch in der Rezession, dümpelt wirtschaftlich vor sich hin und kämpft gegen eine relativ hohe Inflation, die durch staatlich regulierte Preise etwa beim Benzin gedeckelt wird. 2016 steht das Land nach der Fußball-WM in diesem Jahr erneut im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Dann werden in Rio die ersten Olympischen Spiele in Südamerika ausgetragen.

dpa

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