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Beide waren Favoriten auf die Stichwahl und erreichten sie auch: Emmanuel Macron (l.) und Marine Le Pen.

Kurzportraits

Die Kandidaten bei der Wahl in Frankreich - zwei sind in der Stichwahl

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Paris - Wer wird der Nachfolger von François Hollande als Präsident von Frankreich? Vor dem ersten Wahlgang hatten fünf Kandidaten die Chance, in den Élysée-Palast einzuziehen - doch nur zwei schafften es in die Stichwahl. Die findet am Sonntag statt.

Update vom 18. Juni 2017: Holt Präsident Emmanuel Macron heute in der Stichwahl die absolute Mehrheit? Wir berichten in einem Live-Ticker zu den Wahlen 2017 in Frankreich.

Update vom 11. Juni 2017: Erhält Präsident Emmanuel Macron in den Parlamentschaftswahlen eine Mehrheit in der französischen Nationalversammlung? Alle Informationen finden Sie im Live-Ticker zur Wahl 2017 in Frankreich.

Die französischen Bürger mussten sich zwischen insgesamt elf Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl entscheiden. Wer löst Präsident Francois Hollande ab? Von den elf Bewerbern schienen nur fünf akzeptable Chancen zu haben, zwei von ihnen schafften es nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 23. April dann in die Stichwahl. Und die wird am kommenden Sonntag, 7. Mai, stattfinden.

Klar war schon vor dem ersten Wahlgang, dass die Franzosen am 23. April  noch kein neues Staatsoberhaupt haben werden. Denn es war unwahrscheinlich, dass einer der elf Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen konnte. Und so kam es dann auch: Zwei Kandidaten wurden auserkoren, am 7. Mai 2017 in die Stichwahl zu gehen. Es waren Emmanuel Macron (23,9 Prozent) und Marine Le Pen (21,4 Prozent).

Doch wofür stehen beziehungsweise standen die Kandidaten eigentlich? Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor, die vor dem ersten Wahlgang die aussichtsreichsten Chancen hatten. Wie die erste Runde der Frankreich-Wahl 2017 abgelaufen ist, können Sie in unserem Live-Ticker nachlesen

Emmanuel Macron

Etwas unerwartet hat der ehemalige Wirtschaftsminister und Investmentbanker Emmanuel Macron momentan mitunter die besten Chancen auf das Präsidentenamt. Einige nennen ihn den „französischen Kennedy“. Macron tritt als Parteiloser an und will die Parteilandschaft seines Landes umpflügen. Der 39-Jährige könnte als jüngster französischer Präsident in den Elysée-Palast einziehen. Er steht vor allem für Wähler der politischen Mitte und er verspricht, den Arbeitsmarkt, die Arbeitslosenversicherung und das Rentensystem zu reformieren. Macron ist offen für Europa und steht deshalb auch für eine enge Partnerschaft mit Deutschland. „Ich habe Europa im Herzen“, lautet einer seiner Wahlsprüche. In Berlin wird seine Kandidatur deshalb mit Wohlwollen gesehen.

Macron ist seit 2007 mit der mehr als 20 Jahre älteren Brigitte Trogneux verheiratet, die früher seine Lehrerin im nordfranzösischen Amiens war. Très chic: Das Paar hat keine Scheu, sich schick angezogen in People-Magazinen zu präsentieren. Der hochbegabte und ehrgeizige Macron war bis 2012 gut bezahlter Investmentbanker bei Rothschild & Cie. Da das Misstrauen gegen die Finanzbranche im Land ganz tief sitzt, muss er sich immer wieder rechtfertigen.

Trotzdem: Im Vergleich zu seinen Kontrahenten steht er politisch solide da. Auch deshalb hat der frühere Jesuitenschüler aussichtsreiche Chancen. Er schaffte es in die Stichwahl.

Emmanuel Macron.

Marine Le Pen

Im Wahlkampf dreht sich viel um die Rechtspopulistin von der Front National (FN): Marine Le Pen vertritt als einzige Kandidatin radikale Positionen im Hinblick auf Europa und Ausländer. Die 48-jährige Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen will Frankreich aus der EU führen, die Einwanderung drastisch beschränken und einen weitgehenden Wirtschaftsprotektionismus durchsetzen. Sie studierte Jura und arbeitete als Rechtsanwältin. Im Jahr 1998 übernahm sie die Justizabteilung der FN. 

Le Pen hat drei Kinder, ihre beiden Ehen gingen auseinander. Derzeit ist sie mit dem FN-Europaabgeordneten Louis Aliot liiert. Bei den TV-Debatten war sie meist diejenige, die für Skandale sorgte. Aber: Le Pen hat ihrer FN ein gemäßigteres Auftreten verordnet und den offenen Rassismus zurückgedrängt. Dabei ließ sie sogar ihren Vater aus der Partei ausschließen. Trotzdem ist sie sich sicher: „Die Stunde der großen Konfrontation zwischen Globalisierern und Patrioten ist gekommen.“ 

Doch auch Le Pen hat den Wahlkampf bislang nicht ohne Schaden davon getragen. Sie ist Abgeordnete im EU-Parlament und ihr wird vorgeworfen, dass sie EU-Mittel verwendet hätte, wegen denen auch die französische Justiz ermittelt. Auch Marine Le Pen schaffte es in die Stichwahl.

Marine Le Pen.

So endete die erste Runde der Frankreich-Wahl

Emmanuel Macron

23,9 Prozent

Marine Le Pen

21,4 Prozent

Francoise Fillon

19,9 Prozent

Jean-Luc Mélenchon

19,6 Prozent

Sonstige zusammen

15,2 Prozent

Das sind die aktuellen Umfragen vor der Stichwahl am 7. Mai 2017

Macron oder Le Pen - wer wird bei der Stichwahl am 7. Mai 2017 als Sieger hervorgehen und damit das Erbe von Francois Hollande antreten? Laut aktueller Prognose auf bundestagswahl-2017.com hat Emmanuel Macron die Nase vorn. Ihm werden aktuell 59 Prozent der Stimmen zugesprochen. Marine Le Pen kommt nur auf 41 Prozent.

Kandidat

Prozent

Umfrage/Prognose vom

Emmanuel Macron

59 %

2. Mai 2017

Marine Le Pen

41 %

2. Mai 2017

Frankreich-Wahl: Diese Kandidaten schieden im ersten Wahlgang aus: François Fillon

Der Kandidat der konservativen Republikaner musste sich im Wahlkampf heftigen Gegenwinds erwehren. Und eines muss man ihm lassen: Er hat Stehvermögen. François Fillon war als Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten seit Mitte März mit einem Ermittlungsverfahren der französischen Justiz konfrontiert. In der Affäre um die Beschäftigung seiner Frau Penelope im Parlament prüfen Ermittler den Verdacht, dass Staatsgelder hinterzogen wurden. Kein anderer Präsidentschaftskandidat der vergangenen Jahrzehnte hatte mit derart massiven Vorwürfen zu kämpfen.

Zwar wies Fillon die Anschuldigungen zurück, doch seine Kandidatur litt erheblich unter „Penelopegate“. Denn das war noch nicht alles. Es kamen einige Medien-Enthüllungen über sein Privatleben ans Licht. Unter anderem nahm er in seiner Zeit als Premierminister eine teure Uhr als Geschenk an. Trotz allem werden dem Notarssohn aus der westfranzösischen Provinz im ersten Wahlgang immer noch rund 20 Prozent der Stimmen zugetraut. 

Kurz zusammengefasst lautete sein politische Programm so: Der 63-Jährige setzte auf liberale Wirtschaftsreformen, wollte die 35-Stunden-Woche abschaffen, 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen und die Staatsausgaben um 100 Milliarden Euro senken. Innenpolitisch fuhr der Konservative einen harten Kurs, außenpolitisch wollte er die Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin verbessern. 

Fillon spielte gerne seine Erfahrung aus: Er war fünf Jahre lang Regierungschef unter Präsident Nicolas Sarkozy (2007-2012). Bei den konservativen Republikanern stach der Vater von fünf Kindern im vergangenen Jahr völlig überraschend seinen früheren Chef Sarkozy und den beliebten Alain Juppé aus. Von Sarkozy setzte er sich mit einem „No nonsense“-Stil ab, von Juppé mit seinem radikalen Wirtschaftsprogramm. Für ihn war nach der ersten Abstimmung Schluss - er holte nur 19,9 Prozent der Stimmen.

François Fillon.

Jean-Luc Mélenchon

Für die Linken in Frankreich stellte sich der 65-jährige Jean-Luc Mélenchon zur Wahl auf. Der einstige Sozialist kritisierte unablässig die Politik von Staatschef Hollande als zu unternehmerfreundlich. Er schlägt unter anderem ein 100 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm vor, um das schwache Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Ein weiteres Ziel von ihm: die EU-Verträge neu verhandeln. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik.

Mélenchon ist der Lautsprecher der französischen Politik. „Wenn ihr diese drei wählt, werdet ihr Blut spucken“, warnte er mit Blick auf seine drei härtesten Konkurrenten (Fillon, Le Pen, Macron) bei der Präsidentenwahl. Mit Schlagfertigkeit und radikal linken Positionen war Mélenchon im Schlussspurt des Wahlkampfs in den Kreis der Favoriten aufgerückt. Der Franzose wurde 1951 im marokkanischen Tanger geboren, damals eine internationale Zone, und kam mit elf Jahren nach Frankreich. Er studierte Philosophie und arbeitete als Lehrer, bevor er in die Politik ging. 

Mélenchon ist geschieden und hat eine Tochter. Er trat in den 1970er-Jahren der Sozialistischen Partei bei, gründete dazu aber eine linke Konkurrenz. 2012 erreichte der Europaabgeordnete bei der Präsidentenwahl 11 Prozent. Diesmal profitierte er auch von der Schwäche des sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon. Doch für die Stichwahl hat es für ihn mit 19,6 Prozent der Stimmen nicht gereicht.

Jean-Luc Mélenchon.

Benoît Hamon

Mit einem ausgesprochen linken Wahlprogramm gewann der Hollande-Kritiker Benoît Hamon im Januar überraschend die Vorwahl der regierenden Sozialisten. Der 49-jährige Partei-Linke warb unter anderem für ein bedingungsloses Grundeinkommen, wollte den Mindestlohn und Sozialleistungen anheben, neue Unternehmenssteuern einführen und den Umweltschutz stärken. Durch die Wahl von Hamon zum Präsidentschaftskandidaten rückten die angeschlagenen Sozialisten weiter nach links und spalteten die Partei. 

Der in Saint-Renan, an der Küste der Bretagne, geborene Benoît Hamon bringt bereits Erfahrung in nationaler und europäischer Politik mit. Von 2004 bis 2009 war der 49-Jährige Mitglied des 6. Europäischen Parlaments, in dem er zusätzlich Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sowie Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung war. Diese Erfahrung konnte er auf nationaler Ebene ausspielen. Im Kabinett unter Premierminister Jean-Marc Ayrault war der gebürtige Bretone Beigeordneter Minister für soziale Ökonomie und Solidarität im Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Außenhandel, außerdem war er Minister für Bildung, Hochschulen und Forschung. Durch die Kritik Hamons und seines Kollegen Arnaud Montebourg an Präsident Hollands wirtschaftspolitischem Kurs wurde das Kabinett Valls I aufgelöst und durch die zweite Regierung unter Valls ersetzt, bei der Hamon aus dem Ministeramt schied. 

Bei den Präsidentschaftswahlen galt der Sozialist als krasser Aussenseiter. Es wurde nicht erwartet, dass er mit den anderen Kandidaten, und erst recht nicht mit den beiden Favoriten Macron und Le Pen mithalten kann. Ein Einzug des studierten Geschichtswissenschaftlers in die Stichwahl am 7. Mai galt als ausgeschlossen - und genau so kam es dann auch.

Benoit Hamon.

Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017: Das waren die aktuellen Umfragewerte vor der ersten Wahl

Die Umfrage vom 19. April sagte vor dem ersten Wahlgang weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Der unabhängige Macron lag mit 23 Prozent nur hauchdünn vor der rechtspopulistischen Marine Le Pen, die 22 Prozent der Stimmen erhielt. Der Konservative François Fillon konnte sich trotz des Skandals um die hinterzogenen Staatsgelder und die Beschäftigung seiner Frau immer noch bei starken 20 Prozent halten. Der Linke Jean-Luc Mélenchon kam laut Umfrage auf 19 Prozent. Der Sozialist Benoît Hammon kam als schwächster der fünf Favoriten auf 8 Prozent. Die restlichen Prozentwerte verteilten sich auf die übrigen sechs Anwärter.

Die aktuellen Umfragewerte finden Sie unter diesem Link.

Kandidat

Prognose

Emmanuel Macron

23 Prozent

Marine Le Pen

22 Prozent

François Fillon

20 Prozent

Jean-Luc Mélenchon

19 Prozent

Benoît Hamon

8 Prozent

Sonstige 

8 Prozent

Alles, was Sie zur Wahl in Frankreich wissen müssen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

sap/tor

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