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Lorenz von Stackelberg.

Merkur-Kommentar

Wahl in Österreich: Weckruf an Europa statt Entwarnung

München - Die Österreicher machen's bei der Wahl ihres Bundespräsidenten spannend. Sollte Norbert Hofer gewinnen, wäre sein gutes Abschneiden ein Weckruf an Europa, findet unser Autor Lorenz von Stackelberg.

Update vom 12. September 2016: Österreich wählt noch einmal - doch nicht, wie zunächst angegeben, am 2. Oktober. Der Termin für die Neuwahlen in Österreich hat sich verschoben.

Update vom 1. Juli 2016: Der Krimi der Präsidentenwahl in Österreich ist noch nicht beendet, sondern geht in eine neue Runde. Der Verfassungsgerichtshof verlangt nach Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung eine Neuauflage - es ist ein Erfolg für die rechte FPÖ.

In jedem Fall gilt aber: Ein Sieg des Grünen auf den allerletzten Metern wäre kein Grund, die „Errettung“ vor der rechtskonservativen Gefahr zu beklatschen – an den Problemen, die der Konstellation zugrundeliegen, hätte sich ja nichts geändert. Sollte es aber der Kandidat der FPÖ in die Wiener Hofburg schaffen, allen Versuchen der Wähler-Disziplinierung durch Künstler, Intellektuelle und Prominente zum Trotz, wäre es ein Kardinalfehler, den höchsten Repräsentanten zu schmähen, anzuklagen oder unter Druck zu setzen. Schließlich schreiben wir nicht mehr 2000, jenes Jahr, in dem die Europäer der kleinen Alpenrepublik und ihrem Jörg Haider mit diplomatischer Isolation drohten. Hofers dürrer Unterscheidung zwischen der „Haute Volée, die ihn ablehne, und den „Leut“, die bei ihm seien, ist nichts hinzuzufügen.

Rest-Europa sollte jedenfalls nicht allzusehr darauf bauen, dass der unaufhaltsame Aufstieg der FPÖ nur dem Überdruss über den großkoalitionären Dauer-Filz von SPÖ und ÖVP geschuldet ist. Für den Frust vieler Österreicher ist die europäische Flüchtlingskrise mindestens genauso ursächlich – seelenverwandte Regierungen in Ungarn, Polen oder der Schweiz destillieren daraus erfolgreich ihren Treibstoff. Und man muss kein Prophet sein um vorauszusagen, dass die Ankunft der Rechtspopulisten im Polit-Establishment nicht nur dem nationalen Lager Flügel verleihen würde, sondern Islamkritikern und EU-Skeptikern europaweit Auftrieb gibt.

Ob Hofer jetzt Bundespräsident wird oder nicht: Allein schon sein frappierend gutes Abschneiden ist ein gellender Weckruf an Europa und nicht zuletzt die Deutschen. Wer die Mühlen von FPÖ, AfD & Co trockenlegen will, der muss sich, da beißt die Maus keinen Faden ab, in glaubhafter Weise mit den Problemen befassen, die ihnen die Wähler zutreiben. Andernfalls könnte sich der österreichische Präsidentschaftswahlkampf noch als Vorbote eines grenzüberschreitenden Klimawechsels erweisen.

Verfolgen Sie die Ergebnisse der Wahl in Österreich in unserem News-Blog.

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