Ein Stimmzettel zur Bundestagswahl 2017 liegt in Berlin in einem Wahllokal
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Stimmzettel der Bundestagswahl 2017

Wähler wählen mit zwei Stimmen

Erststimme und Zweitstimme: So funktioniert es in Bund und Ländern

Bei Wahlen zählen die Erststimme und die Zweitstimme.

  • Mit der Erststimme wählt der Wähler eine Person, die in das Parlament einziehen soll
  • Mit der Zweitstimme gibt der Wähler seine Stimme für eine Partei ab
  • Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene gibt es Überhangmandate und Ausgleichsmandate

Deutschland – Bei den Bundestagswahlen wählen die deutschen Bürger alle vier Jahre den neuen Bundestag in Berlin. Jeder Wähler hat dabei zwei Stimmen, die das Wahlrecht als „Erststimme“ und als „Zweitstimme“ bezeichnet. Bei den Begrifflichkeiten handelt es sich allerdings weder um eine Reihenfolge der Wichtigkeit noch um eine andere logische Abfolge. Der wesentliche Unterschied liegt lediglich in der Funktion der zwei Stimmen, und die ist leicht erklärt: Mit der Erststimme wählt der Wähler eine Person direkt in den Bundestag. Mit der Zweitstimme wählt er eine Partei, die er im Bundestag vertreten sehen möchte. Je nach prozentualem Anteil ergibt sich eine Anzahl an Mandaten, die jeder Partei zustehen. Diese Mandate heißen auch Proporzmandate.

Außerhalb der Bundestagswahlen ist die Verwendung von Erst- und Zweitstimmen auch bei einigen Landtagswahlen in Deutschland üblich. In ihren Funktionen bei den jeweiligen Wahlen bleiben sie weitestgehend unverändert.

Bei Wahlen in Deutschland haben die Erststimme und die Zweitstimme unterschiedliche Funktionen

Die Hauptfunktion der Erststimme ist die Personalisierung der Wahlen. Mit der Erststimme kann der Wähler einen Kandidaten aus seinem Wahlkreis wählen, der sich um ein Direktmandat für den Bundestag bewirbt. Dieser Kandidat wird mit einer relativen Mehrheit gewählt. Das bedeutet, dass derjenige, der die meisten Stimmen innerhalb eines Wahlkreises erhält, das Mandat bekommt. Bei einem Gleichstand zieht der Landeswahlleiter ein Los, das über den Sieger des Wahlkreises entscheidet.

In einigen Bundesländern heißt die Erststimme bei Landtagswahlen offiziell auch Wahlkreisstimme. Zu diesen Bundesländern gehören

  • Hamburg
  • Hessen
  • Rheinland-Pfalz
  • Thüringen

In Sachsen heißt sie hingegen Direktstimme.

Bei Wahlen in Deutschland erfolgt die Stimmabgabe für eine Partei durch die Zweitstimme

Für die Verteilung der Sitze im Parlament ist die Zweitstimme bedeutender als die Erststimme. Mit der Zweitstimme gibt der Wähler seine Stimme für eine Partei ab. Parteien, die mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen erhalten haben, dürfen in den Bundestag beziehungsweise den Landtag einziehen. Wie viele Sitze ihnen zustehen, lässt sich anhand des prozentualen Anteiles der Stimmen ermitteln, die die Partei bei den Wahlen erhalten hat. Die Kandidaten, die für den Einzug in den Bundestag in Frage kommen, stehen auf der sogenannten Landesliste der Parteien.

Die Wahlen entscheiden über die Verteilung der Sitze im Bundestag

Zunächst erhalten die siegreichen Direktkandidaten einer Partei ihre Mandate in einem Bundesland. Eine mögliche negative Differenz zwischen Direktmandaten und Proporzmandaten wird durch die Landesliste ausgeglichen. Der Reihe nach erhalten die Kandidaten der Landesliste einen Sitz im Bundestag, bis die verbleibenden Proporzmandate vergeben sind.

Wenn eine Partei bei den Wahlen jedoch mehr Direktmandate als Proporzmandate erhält, dann steigt die Anzahl der Bundestagssitze dieser Partei um die Anzahl der zusätzlich erfolgreichen Kandidaten. Diese Sitze werden „Überhangmandate“ genannt. Nach diesem Verfahren vergrößert sich der Bundestag um die Anzahl der dazugewonnenen Sitze. Legt ein Bundestagsabgeordneter, der seinen Sitz durch ein Überhangmandat gewonnen hat, sein Mandat nieder, bleibt sein Sitz unbesetzt. Er kann also nicht mit einem Listenkandidaten derselben Partei belegt werden.

Damit die dazugewonnenen Überhangmandate gegenüber den anderen Parteien keinen Vorteil darstellen, wurden nach den Wahlen im Jahr 2013 die sogenannten Ausgleichsmandate eingeführt. Ausgleichsmandate werden solange an die anderen Parteien vergeben, bis das prozentuale Verhältnis, das sich aus den Stimmen des Volkes ergibt, wiederhergestellt ist.

Bei Wahlen auf Länderebene ist die Sitzzuteilung unterschiedlich geregelt

Die Sitzzuteilung in den Landtagen erfolgt nach unterschiedlichen Verfahren. Wenn eine Partei nach den Wahlen mehr Direktmandate als Proporzmandate erlangt, erhält sie in einigen Bundesländern ebenfalls Überhangmandate. Die Verteilung der Ausgleichsmandate auf Länderebene unterscheidet sich jedoch von Bundesland zu Bundesland. Nicht immer werden die gleiche Anzahl an Ausgleichsmandaten vergeben, und in einigen Bundesländern ist die Verteilung der Ausgleichsmandate sogar gedeckelt, sodass es dennoch zu einer Verzerrung des ursprünglichen Wahlverhältnisses kommen kann.

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