Wahlkampf mit Promi-Zuckerguss

- Berlin - Punk-Lady Nina Hagen lobt den grünen Außenminister Joschka Fischer, Film-Beau Sky Dumont die FDP. Künstler um den Maler Jörg Immendorff schalten Zeitungsanzeigen für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Und Heino bekennt, CDU-Kandidatin Angela Merkel zu wählen.

Im Wahlkampf legen sich derzeit Prominente für ihre Lieblings-Partei ins Zeug.  "Promis sind Dekoration, der Zuckerguss auf dem Wahlkampfkuchen", sagt Wahlkampf-Experte und Ex-"Bild am Sonntag"-Chefredakteur Michael Spreng.

"Die Namen werden gezielt gesammelt und organisiert."

Zwar hat die Unterstützung der Künstler, Stars und Sternchen nicht das Ausmaß wie für Willy Brandt im Jahr 1972 angenommen, als Scharen Intellektueller und Prominenter "Willy-Wählen!"-Anstecker trugen. Doch können die Parteizentralen mit einigen Dutzend bekannter Namen aus Wirtschaft, Kultur und Sport aufwarten.

Die offizielle Liste der Unterstützer um Günter Grass, Iris Berben, oder Techno-DJ Paul van Dyk sei länger denn je, sagt Achim Post, in der SPD-Wahlkampfzentrale zuständig für die Promis. Einen Aufruf von Filmemachern um Wim Wenders, Hark Bohm und HollywoodKameramann Michael Ballhaus unterschrieben zudem mehr als hundert Unterstützer von Maria Schrader bis Uwe Ochsenknecht. Und vor dem Auftritt des Kanzlers auf den Marktplätzen der Republik heizt Schlager-Star Roland Kaiser dem Publikum ein.

Während prominenter Flankenschutz im Wahlkampf der SPD Tradition hat, schmückt sich auch die Union zunehmend gerne mit bekannten Namen. So bot sich Heino unlängst als Volksliedbeauftragter an, der muskelbepackte Filmstar Ralf Moeller posierte mit der Kandidatin. Aktionskünstler HA Schult malte sie mit dem Schriftzug "Angie". Und Promi-Friseur Udo Walz wurde sogar Partei-Mitglied.

Auch Regisseur Volker Schlöndorff berichtete kürzlich in der ARD von seiner Freundschaft mit Merkel. Hätte er die Rolle eines Kanzlers zu besetzen, fiele sie ihm, wie er sagt, "als allerletzte ein". Aber gerade das gefalle ihm so gut. Schlöndorffs Eintreten für die CDU ist keine Selbstverständlichkeit. Insbesondere unter Künstlern sei es nach wie vor schicker, sich zur SPD zu bekennen, weiß Profi Spreng, der 2002 den Kanzlerkandidaten-Wahlkampf für CSU-Chef Edmund Stoiber organisierte. Diesmal kümmere sich die Union jedoch mehr um Promis.

Über die Wirkung streiten die Experten. "Prominente bewegen keine einzige Wählerstimme", glaubt Spreng. Post erwidert: "Auf jeden Fall schlägt sich das in Stimmen nieder."

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