+
Beim Wahlkampf mit Plakatkampagnen kann so einiges schief gehen.

Jagd nach Wählerstimmen

Wahlkampf: Wenn Plakatkampagnen daneben gehen

Berlin - Kurz vor der Bundestagswahl am Sonntag versuchen die Parteien noch einmal mit neuen Plakaten Wählerstimmen zu gewinnen. Doch die Strategien der Werbe-Profis gehen nicht immer auf. 

Bürgermeister-Wahlen gewinnt am Ende meistens der Schönste. Nicht unbedingt Kompetenz, Redegewandtheit oder Erfahrung entscheiden, welcher Kandidat am Ende vorne liegt, sondern vor allem die Attraktivität, wie eine Studie deutscher Politikwissenschaftler zeigt. Das Ergebnis lautet: Je schöner, desto größer die Siegchancen. Ob das auch für Kanzlerkandidaten gilt, haben die Forscher nicht untersucht. Trotzdem legen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr SPD-Herausforderer Peer Steinbrück im Wahlkampf besonders viel Wert auf ihre Außenwirkung.

Bundestagswahl 2013: Hintergründe und Informationen finden Sie hier!

Fast alle Wahlplakate seien digital nachbearbeitet, meint der Werbeexperte Thomas Wind vom Institut für Zielgruppenkommunikation. Vor allem die FDP habe Fotos ihrer Spitzenleute massiv verändert. „Brüderle, Niebel & Co. wirken absolut künstlich, beinahe wie Klone. Viele Betrachter dürften die digitale Telekom-Werbefigur "Robert T-Online" im Hinterkopf haben, wenn sie die Bilder sehen“, vermutet Wind. Das lasse auch die FDP-Politiker „ein bisschen wie Politik-Roboter, wie computergenerierte Kunstfiguren“ wirken.

Die Merkel-Raute demonstriert Demut und Macht

Wind und sein Kollege Michael Schipperges beraten normalerweise Unternehmen bei Werbekampagnen. Nun haben sie die Plakate zur Bundestagswahl am 22. September untersucht. Besonders das gigantische Merkel-Plakat am Berliner Hauptbahnhof hat es ihnen angetan. Man sieht darauf im Prinzip nichts außer den Händen der Kanzlerin, geformt zur typischen Merkel-Raute. Schipperges deutet das so: „Die mächtigste Frau der Welt in einer Demutshaltung wie eine Nonne oder eine Dienerin.“

Das sei natürlich paradox - und gerade deshalb eine subtile Machtdemonstration: Ich bin so stark, dass ich mir diese Untertreibung leisten kann, interpretiert Schipperges. „Das hat schon Friedrich der Große so gemacht, als er sagte: Ich bin der erste Diener meines Staates“, erklärt er. „In Wahrheit war er natürlich ein absolutistischer Herrscher.“ Wenn die beiden über Wahlplakate reden, klingt es manchmal ein wenig wie in einem kunsthistorischen Seminar.

Die Linke setzt nach ihrer Analyse auf Protestplakate, die Grünen seien genauer auf ihre Zielgruppe ausgerichtet. „Man stolpert und muss kurz nachdenken. Genau das gefällt der Grünen-Zielgruppe“, sagt Wind.

Die SPD macht Wahlkampf für die CDU

Die CDU-Kampagne kommt laut einer anderen Studie nicht nur bei Werbefachleuten gut an. Das Marktforschungsinstitut Rheingold hat Interviews mit 52 Probanden geführt, anschließend wurden die Resultate in einer weiteren Erhebung mit 1019 Befragten überprüft. Für die Sozialdemokraten ist das Ergebnis verheerend: „SPD macht Wahlkampf für die CDU“, lautet der Titel der Studie.

Die kuriosesten Wahlplakate aller Zeiten

Die kuriosesten Wahlplakate aller Zeiten

Vor allem die Anti-Merkel-Plakate bewirken demnach beim Wähler genau das Gegenteil. Die SPD zeigt die Bundeskanzlerin, wie sie in ihrer Handtasche wühlt oder im Bundestag kurz eingenickt ist. „Beste Regierung seit der Einheit ...?“, steht spöttisch darunter. Doch der Schuss geht den Rheingold-Experten zufolge nach hinten los: „Wenn die SPD (...) die Kanzlerin direkt persönlich angreift, läuft sie Gefahr, eine Art Mutter-Beschmutzung zu betreiben, die von vielen Wählern nicht verziehen wird“, schreiben die Marktforscher.

Schipperges zufolge hat sich die SPD-Kampagne allerdings im Laufe des Wahlkampfes verbessert: „Bei ihrem Abschlussplakat hat die SPD Fehler der vergangenen Steinbrück-Plakate ausgemerzt. Er steht jetzt nicht mehr allein und isoliert da, sondern umgeben von jubelnden Menschen, freundlich lächelnd im Mittelpunkt. Da haben sie im letzten Moment sehr viel richtig gemacht.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Verfassungsfeindliche NPD soll kein Geld vom Staat mehr bekommen
Berlin - Verboten hat das Bundesverfassungsgericht die NPD nicht. Aber die Richter haben ihr Verfassungsfeindlichkeit bescheinigt. Nun wollen Politiker der Partei den …
Verfassungsfeindliche NPD soll kein Geld vom Staat mehr bekommen
Gauck sieht Demokatie in Deutschland in Gefahr
Wie soll es aussehen, unser Land? Diese Frage hatte Bundespräsident Gauck vor fünf Jahren voller Zuversicht gestellt. Zum Ende seiner Amtszeit ist seine Sicht deutlich …
Gauck sieht Demokatie in Deutschland in Gefahr
Lebensmittelpreise steigen überdurchschnittlich
Berlin/Wiesbaden - Jahr für Jahr wird der Einkauf teurer, wenn auch das Plus wieder unter einem Prozent liegt. Vor der Grünen Woche betonen die Bauern: Sie brauchen …
Lebensmittelpreise steigen überdurchschnittlich
Gutachter: Zschäpe schuldfähig und möglicherweise gefährlich
München (dpa) - Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe ist nach Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen schuldfähig und kann unter bestimmten …
Gutachter: Zschäpe schuldfähig und möglicherweise gefährlich

Kommentare