Kündigung des Kooperationsvertrags mit Ismaik: So hat 1860 hat entschieden

Kündigung des Kooperationsvertrags mit Ismaik: So hat 1860 hat entschieden
+
Boateng-Fans im Stadion spotten über die AfD-Attacken auf den Nationalspieler.

Eine Betrachtung der Wahlkampfstrategie

Eklat mit Effekt: Wie die AfD ganz gezielt provoziert

  • schließen

AfD-Politiker erregen mit extremen Aussagen und Provokationen immer wieder Aufmerksamkeit. Danach relativieren oder dementieren sie schnell. Tatsächlich gehören die Tabubrüche aber zur Wahlkampfstrategie.

München/Berlin – Es ist mal wieder passiert. Der aktuelle AfD-Eklat kommt aus dem saarländischen Landesvorstand, Beisitzerin Jeanette Ihme ist auf Facebook die Hand ausgerutscht. „Am besten alle samt Inhalt versenken“, schrieb sie über Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer. „Ich habe keinen Bock auf diese kriminellen Schlepperbanden und genauso wenig auf ihre Kundschaft, die sich hier aufführt wie die Primaten.“

Reaktionen immer nach demselben Muster

Die Reaktion folgte am Mittwoch wenige Stunden nach Veröffentlichung, und zwar nach demselben Muster, das sich nach provokanten Äußerungen von AfD-Politikern immer wieder beobachten lässt: Während die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Volksverhetzung oder Beleidigung prüft, entfernte Facebook den Beitrag. Und Kollegen der AfD-Beisitzerin äußerten sich vorsichtig-empört. So etwas sei natürlich nicht in Ordnung, man werde das intern besprechen. Klingt reumütig. Tatsächlich haben bewusste Grenzüberschreitungen bei der AfD System. Sie sollen auch als Mittel dienen, im Gespräch zu bleiben. Das ist wichtig, gerade jetzt, kurz vor der Bundestagswahl.

Lesen Sie auch: Bundestagswahl 2017: AfD stagniert in aktueller Umfrage bei 8 Prozent

Im Internet kursiert dazu das vertrauliche Strategiepapier „Dem Volk die Staatsgewalt zurückgeben“, das seit der Annahme durch den Bundesvorstand im Dezember gilt. „Die AfD lebt von ihrem Ruf als Tabubrecherin und Protestpartei“, heißt es darin. Das bedeute, „ganz bewusst und ganz gezielt immer wieder politisch inkorrekt sein, zu klaren Worten greifen und auch vor sorgfältig geplanten Provokationen nicht zurückzustrecken“. Dort steht aber auch: „Hetze hat bei der AfD keinen Platz.“ Einige Mitglieder vergessen diesen Teil offenbar immer wieder – oder es gelingt ihnen nicht, sich an die Vereinbarung zu halten. Und zwar selbst denen, die auf Bundesebene zum Spitzenpersonal der Partei gehören.

Großer Aufschrei, dann wird schnell relativiert

Thüringens Landeschef Björn Höcke etwa nannte das Holocaust-Denkmal „ein Denkmal der Schande“, das mediale Echo war enorm, das folgende Parteiausschlussverfahren blieb aber bislang ohne große Folgen. Seinen Rassenvergleich zwischen Afrikanern und Europäern – wieder großer Aufschrei – relativierte er schnell. Genauso Spitzenkandidat Alexander Gauland, der Nationalspieler Jérôme Boateng nicht als Nachbarn haben wollte und seine Aussage danach erst bestritt, um sie anschließend glattzubügeln. Oder Beatrix von Storch, die die Grenze notfalls mit Waffengebrauch schützen wollte und nach dem medialen Echo zurückruderte. Sie habe „Mist gebaut“, sagte die AfD-Vizechefin, sie hätte das nie geschrieben, wäre sie nicht auf ihrer Computermaus „abgerutscht“. Die Nachricht hatte sich da schon lang entfaltet.

Aufmerksamkeitstrategie der Partei

Provozieren, relativieren, dementieren – das ist exemplarisch für die Aufmerksamkeitsstrategie der Partei. Spitzenpolitiker wie Höcke, Gauland und von Storch weisen den Vorwurf zurück, sie würden manchmal absichtlich überziehen. Offiziell gibt sich die gesamte Partei nach dem Motto „Das wird man wohl sagen dürfen“ zwar kritisch, sieht sich aber nicht in der rechten Ecke. Justiziable Entgleisungen, die rasend schnell bei der Zielgruppe ankommen, wurden als missliebige Einzelfälle dargestellt.

Lesen Sie auch: Studie erklärt, warum Rechtspopulisten gewählt werden

Wichtigstes Kommunikationskanal für die AfD sind soziale Medien. Die Inhalte werden oft hunderte Male geteilt – je kritischer, desto besser. Für die brisantesten Äußerungen sorgt aber nicht die Partei, sondern ihre Fans, die Facebook-Einträge in der „Community“ veröffentlichen können, einer Art Filterblase. Von pauschaler Asylkritik bis hin zu rechten Versen ist dort viel zu finden. Auch AfD-Funktionärin Jeanette Ihme hat dort ein fragwürdiges, rechtes Gedicht veröffentlicht. Elf Monate ist das jetzt her. Der Widerspruch bis gestern? Keiner.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wirbel um Schriftzug in sächsischem Anti-Terror-Fahrzeug
Dresden (dpa) - Ein Schriftzug auf den Sitzen im neuen gepanzerten Anti-Terror-Fahrzeug der sächsischen Polizei sorgt für Wirbel. Eingestickt ist dort …
Wirbel um Schriftzug in sächsischem Anti-Terror-Fahrzeug
Deutsche Journalistin Mesale Tolu kommt aus türkischem Gefängnis frei - doch es gibt zwei Auflagen
Mehr als sieben Monate saß Mesale Tolu im türkischen Gefängnis. Nun wird die deutsche Journalistin aus der Untersuchungshaft entlassen. Ausreisen darf sie jedoch nicht.
Deutsche Journalistin Mesale Tolu kommt aus türkischem Gefängnis frei - doch es gibt zwei Auflagen
Nach G20-Ausschreitungen: Polizei startet riesige Foto- und Videofahndung
Nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg will die Polizei die mutmaßlichen Gewalttäter mit einer Öffentlichkeitsfahndung ausfindig machen. Über 100 Fotos …
Nach G20-Ausschreitungen: Polizei startet riesige Foto- und Videofahndung
Kurz als Kanzler in Österreich vereidigt
In Österreich ist Sebastian Kurz am Montag als neuer Bundeskanzler vereidigt worden. Der 31-Jährige führt die neue Regierung aus seiner konservativen ÖVP und der …
Kurz als Kanzler in Österreich vereidigt

Kommentare