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Das gibt es nur im hohen Norden

Kein Witz! Wahllokal bei Ikea

Oslo - Die Norweger sind ein unaufdringliches Volk. Das zeigt sich auch im Wahlkampf: Keine Mega-Poster an Kreuzungen, keine Porträts an Laternenpfählen, keine Werbespots im TV - und ein Wahllokal bei Ikea.

Während die Wähler in Deutschland einem Wald von Wahlkampfplakaten ausgesetzt sind, bleiben sie in Norwegen von aufdringlicher Werbung verschont. Keine Poster, keine lauten Bühnenshows, keine Wahlwerbespots der Parteien im Fernsehen. Lediglich an der Karl Johans Gate, der Haupteinkaufsstraße im Zentrum von Oslo, stehen einige kleine Buden und Wohnwagen. Die Parteien, die in Zukunft das Land regieren wollen, präsentieren sich hier auf maximal zehn Quadratmeter großen Ständen.

„In Norwegen wird es nicht so gern gesehen, wenn jemand für sich selbst Werbung macht“, sagt der Wahlforscher Johannes Bergh vom Institut für Gesellschaftsforschung in Oslo. Deshalb sei der Wahlkampf hier sehr viel unaufdringlicher als in anderen Ländern.

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Außerdem wählen die Norweger am 8. und 9. September ihre Abgeordneten für das Parlament, das Storting, nicht direkt. Wer reinkommt, bestimmt der Platz auf der Liste. Viele Norweger wissen nicht einmal, wer aus ihrem Wahlkreis im Parlament sitzt.

Wer beim Wähler punkten will, der muss im Fernsehen überzeugend rüberkommen. Seit einem Monat strahlt der öffentlich-rechtliche Sender NRK jeden Abend eine Debatte aus, bei der entweder alle Parteivorsitzenden oder - je nach Thema - der zuständige Minister mit Vertretern der Opposition diskutiert.

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Jens Stoltenberg, der Chef der Arbeiterpartei und seit acht Jahren Ministerpräsident, steht in diesem Wahlkampf allein beim NRK zehnmal seiner Gegenkandidatin von der konservativen Høyre, Erna Solberg, live gegenüber.

Hinzu kommen die Diskussionsrunden im Radio und beim Nachrichtensender TV2. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich die beiden Spitzenkandidaten nicht „duellieren“ müssen. Dagegen lässt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem Wahlkampf gerade einmal auf ein TV-Duell mit ihrem Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) ein.

Werbespots im Fernsehen sind in Norwegen nicht erlaubt. „Da wären die großen Parteien gegenüber den kleinen im Vorteil, weil die mehr Geld haben“, erklärt die Wahlkampfmanagerin der Arbeiterpartei, Signe Brudeset.

Also müssen sich die Kandidaten etwas anderes einfallen lassen, um in die Schlagzeilen zu kommen. Siv Jensen von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei nahm an einem Kochduell im Fernsehen teil - und gewann sogar. Erna Solberg von den Konservativen zwängte sich trotz ihres sichtbaren Übergewichts in einen Rettungsanzug und ließ sich von einem Helikopter aus dem Wasser ziehen.

Den Bock schoss aber Ministerpräsident Jens Stoltenberg ab. Er setzte sich ans Steuer eines Taxis und chauffierte ahnungslose Kunden durch Oslo. Wer ihn erkannte, wurde in ein politisches Gespräch verwickelt. Er habe wissen wollen, was die Menschen denken würden, begründete Stoltenberg die Aktion. Das Taxi sei ein Ort, an dem die Leute wirklich ihre Meinung sagten. Als Youtube-Video weckte die Aktion weltweit Aufmerksamkeit. Eine Zusammenschnitt der Taxifahrten läuft jetzt als Werbespot in den Kinos.

Die norwegischen Politiker sind volksnah und greifbar. Sie werben von Angesicht zu Angesicht um ihre Wähler. Die Arbeiterpartei, die befürchten muss, nicht wieder in die Regierung gewählt zu werden, will eine Million Norweger persönlich ansprechen. Das sind knapp ein Drittel aller Wähler. Deshalb gehen seit vier Wochen 13 000 Freiwillige von Tür zu Tür, verteilen Rosen und bieten sich für Diskussion an. „Für mich ist es sehr wichtig, einen Beitrag zu dieser Wahl zu leisten, damit wir alle eine gute Zukunft haben“, sagt einer dieser Freiwilligen, Roger W. Hollund.

Auch das Wählen selbst wird den Norwegern so einfach wie möglich gemacht. Seit dem 12. August sind im ganzen Land Wahllokale eingerichtet worden, in denen man schon jetzt mit einer sogenannten Wahlkarte bei Vorlage des Ausweises seine Stimme abgeben kann.

In der Innenstadt von Oslo stehen Stände in der Form eines Kaffeebechers, an denen man wählen kann. In Bergen gibt es sogar ein Wahllokal bei Ikea. „Wir müssen da sein, wo die Wähler sind“, sagte Harald Schjelderup von der Wahlleitung in Bergen dem NRK. Und die meisten Menschen seien nun einmal in den Einkaufszentren. Bislang haben rund eine halbe Million Norweger die Gelegenheit genutzt, früher zu wählen. Weitere drei Millionen müssen die Parteien bis zum Wochenende mobilisieren.

dpa

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