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Benjamin Netanjahu.

Entsetzen nach Rechtsruck

Wahlsieg der AfD schockiert Holocaust-Überlebende: „Wir haben einen Feind in Deutschland“

Am Dienstag brachte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einem Telefonat mit Merkel seine Sorgen zum Ausdruck. Auch bei Holocaust-Überlebenden weckt der Rechtsruck schreckliche Erinnerungen.

Die Nachrichten über die Wahl im fernen Deutschland haben Berthe Badehi tief getroffen. "Ich bin sehr schockiert", sagt die 86-jährige Holocaust-Überlebende in Jerusalem. Alte Ängste seien in ihr wach geworden - etwa die Erinnerung, wie sie als Kind in Frankreich deutschen Besatzungssoldaten begegnete. In Israel sind viele Überlebende der Nazi-Diktatur entsetzt über den Einzug der rechten AfD in den Bundestag. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich besorgt über Antisemitismus in Deutschland.

In Israel schwankt die Reaktion auf den fulminanten Erfolg der Rechtsaußenpartei AfD bei der Bundestagswahl zwischen Besorgnis und diplomatischer Zurückhaltung. Besonders tief getroffen sind die Zeitzeugen des Holocausts. Was in Deutschland geschehe, sei "erschreckend", sagt Badehi, die die Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich im Versteck überlebt hatte. Der Rechtsextremismus dehne sich aus wie ein "Krebsgeschwür", fürchtet sie.

Auch Saul Oren, der die Konzentrationslager Auschwitz und Sachsenhausen überlebt hat, empfindet Angst. "Wir haben einen Feind in Deutschland", sagt Oren. Ihm sei bange: Offenbar sei in Europa kein Kraut gegen den Aufstieg rechter Gruppen gewachsen. Oren war 1968 nach Israel übergesiedelt.

Mit der AfD zieht erstmals seit Jahrzehnten eine Partei in den Bundestag ein, die in ihren Reihen Holocaustleugner und Verharmloser des Hitler-Regimes duldet.

Regierungschef Netanjahu telefonierte mit Merkel

Regierungschef Netanjahu rief nach Angaben seines Büros nach der Wahl bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, um seine Sorge über wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland zu äußern. Netanjahu forderte die neue Bundesregierung demnach auf, "die Kräfte in Deutschland zu stärken, welche die historische Verantwortung" für den Völkermord an den Juden im Zweiten Weltkrieg akzeptierten.

"Israel wendet sich gegen jeden Versuch, den Holocaust zu leugnen", hieß es in der Erklärung seines Büros weiter. Die AfD wurde in Netanjahus Erklärung nicht namentlich genannt. In dem Telefonat mit der Kanzlerin habe er den Antisemitismus von rechter, linker und islamistischer Seite angesprochen, hieß es.

Avi Primor, Israels ehemaliger Botschafter in Deutschland, wertete den Zulauf zur AfD in einem Beitrag für die Zeitung "Maariv" als Ausdruck der Enttäuschung über die etablierten Parteien. Dieses Phänomen sei kennzeichnend für die gesamte westliche Welt. Die Mehrheit derjenigen, die für die AfD stimmten, hegen Primor zufolge "zweifelsohne" keine neonazistischen Neigungen. In der Partei seien allerdings auch solche Ansichten vertreten.

JWC: „AfD ist schändliche reaktionäre Bewegung“

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (JWC), Ronald Lauder, nannte es auf seiner Internetseite "widerlich", dass die AfD nun ihr "abscheuliches Programm" im Bundestag verbreiten könne. Die Partei sei eine "schändliche reaktionäre Bewegung", die an "Deutschlands schlimmste Vergangenheit" erinnere und "verboten werden" sollte.

Der ehemalige israelische Verteidigungsminister und Chef der Arbeitspartei, Amir Peretz, nannte die Wahl einer "rassistischen und antisemitischen Partei" in den Bundestag einen "schwarzen Tag für die deutsche Demokratie".

Der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke hatte im Januar für Empörung gesorgt, als er eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" forderte und unter Anspielung auf das Berliner Holocaust-Mahnmal von einem "Denkmal der Schande" sprach. Ein halbes Jahr zuvor war der AfD-Abgeordnete Wolfgang Gedeon nach Antisemitismusvorwürfen aus der Stuttgarter Landtagsfraktion ausgetreten.

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