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„Horrorszenarien geistern durch die Gegend“ - Bundeswehr bereitet polarisierende Übung über Süddeutschland vor

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Von: Patrick Mayer

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Ein Soldat des Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr richtet bei einer Übung seine Ausrüstung her. (Symbolfoto)
Ein Soldat des Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr richtet bei einer Übung seine Ausrüstung her. (Symbolfoto) © IMAGO / Björn Trotzki

Mitten im Russland-Ukraine-Krieg plant die Bundeswehr ein umstrittenes KSK-Gelände in Baden-Württemberg. Merkur.de erfährt von einer ersten Militäraktion vor Ort.

München/Balingen - Wie Merkur.de erfahren hat, plant die Bundeswehr am 27. April eine polarisierende Militärübung in Süddeutschland. Dabei soll über dem ländlichen Zollernalbkreis in Baden-Württemberg eine Übung von Elite-Soldaten der Kommando Spezialkräfte (KSK) nachgestellt werden. Zu diesem Zweck soll ein riesiger Airbus A400M der Luftwaffe das vorgesehene Absprunggelände mehrmals anfliegen.

Bundeswehr: Polarisierende KSK-Pläne der Stuttgarter Landesregierung sorgen für Riesen-Unmut

Eine geplante Start- und Landebahn für Fallschirmspringer sorgt dort seit Wochen für großes Aufsehen und Unmut. Konkret: Auf der Staatsdomäne „Waldhof“ in Geislingen bei Balingen soll auf Betreiben der Landesregierung ein Übungsgelände für KSK-Fallschirmspringer und für Spezialkräfte der US-Armee entstehen. In der Bevölkerung regt sich erheblicher Widerstand dagegen, gleich mehrere Bürgerinitiativen wurden gegründet.

Der Landrat des Zollernalbkreises, Günther-Martin Pauli (CDU), hat das Verhalten der schwarz-grünen Regierung in Stuttgart jetzt scharf kritisiert und darauf gedrängt, offene Fragen zu dem geplanten Militärgelände zügig zu beantworten. „Als Mitte Februar die Pläne für das KSK-Absprunggelände publik wurden, hätte die Landesregierung viel schneller direkte Gespräche mit den betroffenen Landwirten und Familien suchen müssen. Sie hätte besser nicht erst abgewartet, dass das Thema durch eine Bürgerinitiative hochkocht“, sagt Pauli im Interview mit Merkur.de.

Im Video: Kompakt - Die News zum Russland-Ukraine-Krieg

Für den CDU-Politiker ist unter anderem unverständlich, warum die Landesregierung von Winfried Kretschmann (Die Grünen) nicht den benachbarten Truppenübungsplatz Heuberg in Betracht zieht. „Ich bin nicht der Regierungssprecher und kann das nicht für das Land beantworten. Diese Frage ist noch nicht befriedigend beantwortet. Wir haben nur gehört, dass dort scharf geschossen wird und es deshalb zu gefährlich sei. Hier hätte ich gerne mehr Klarheit“, meint der frühere Landtagsabgeordnete: „Gibt es dort wirklich kein Gelände, wo die Fallschirmspringer besser aufgehoben wären? Diese Frage haben wir schon vor zwei Monaten an die Landesregierung weitergereicht. Und diese Frage muss jetzt beantwortet werden.“

Rolle der Bundeswehr im Russland-Ukraine-Krieg: KSK-Pläne stoßen in Baden-Württemberg auf Widerstand

Bei der Staatsdomäne „Waldhof“ handelt es sich um Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Die Landesregierung kann laut Jurist Pauli mit Bezug auf Paragraf 37 des Baugesetzbuches frei darüber entscheiden, weil dieser „der Landesverteidigung eine Priorität erlaubt. Was die Kommunikation betrifft, ist das Land aber ganz schwach unterwegs. Deshalb versuchen wir, Ratschläge zu erteilen, wie die Landesregierung mit den direkt betroffenen Bürgern besser kommunizieren würde“, sagt er Merkur.de und erzählt: „Leider hat das Staatsministerium die Ratschläge nur unzureichend aufgegriffen. Das bedauere ich zutiefst. Von der Landesregierung wäre mehr Fingerspitzengefühl zu erwarten.“

Ein Airbus A400 M der Luftwaffe: Unter anderem mit diesen Maschinen der Bundeswehr werden die KSK-Fallschirmspringer transportiert.
Ein Airbus A400 M der Luftwaffe: Unter anderem mit diesen Maschinen der Bundeswehr werden die KSK-Fallschirmspringer transportiert. © IMAGO / Reiner Zensen

Viele Bürger würden sich zum Beispiel wegen erwartetem Fluglärm durch den Transport der Fallschirmspringer Sorgen machen, heißt es aus dem Landratsamt in Balingen. Auch wenn es in Zeiten des Russland-Ukraine-Krieges ein großes Verständnis für die Aufgaben der Bundeswehr gebe. Die KSK setzen für ihre Übungen in der Regel schwere Transall-Flugzeuge und Airbus A 400M-Maschinen ein. „Die Maschinen der Bundeswehr werden über das Gelände fliegen, sodass sich jeder Bürger ein Bild davon machen kann. Im Moment geistern Horrorszenarien durch die Gegend. Diese müssen wir sachlich angehen“, erklärt Pauli.

Wurde ein Militärgelände über den Köpfen der Bürger hinweg entschieden? Jetzt gerät die Landesregierung aus Grünen und CDU von kommunaler Ebene erheblicher unter Druck. (pm)

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