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Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ eckt regelmäßig an

„KirchenVolkskonferenz“ in Würzburg

Wandelt sich die katholische Kirche?

Würzburg - Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ eckte bisher mit ihren Forderungen nach grundsätzlichen Änderungen an. Nun gibt es am Wochenende ein erstes Treffen bei der „KirchenVolkskonferenz“. 

Forderungen an die Bischöfe, Aktionen vor dem Dom: Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ will grundsätzliche Änderungen in der katholischen Kirche und eckt dabei regelmäßig an. Am Wochenende trifft sie sich zur

Ein Papst, der die Ortskirchen stärken und eine gewisse Öffnung will, Strömungen, die für oder gegen ihn arbeiten: Es sind spannende Zeiten für die katholische Kirche. Bischöfe und Gläubige stehen vor teils völlig veränderten Rahmenbedingungen. Wer gegenüber Rom immer kritisch war, stellt plötzlich positive Veränderungen fest, andere ziehen die Legitimität des Kirchenoberhaupts in Frage. Ein Ringen um die Zukunft der Kirche, in dem sich Reformgruppen wie „Wir sind Kirche“ im Aufwind sehen.

„Bis vor zwei Jahren totgeschwiegen worden“

„Bis vor zwei Jahren sind wir im Prinzip totgeschwiegen worden“, sagt Sprecher Magnus Lux. Inzwischen habe es erste Gespräche mit dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz gegeben. Von diesem Freitag (10. März) an kommt die Initiative in Würzburg zusammen, zu Bundesversammlung und „KirchenVolksKonfernz“.

„Die Gemeinden sind die Träger von Kirche“, sagt Lux. In Zeiten von Priestermangel und sinkenden Gläubigenzahlen hält er es für geboten, die Katholiken an Entscheidungen zu beteiligen und ihnen Leitungsaufgaben in den Pfarreien zu übertragen.

Das Mitspracherecht für alle Katholiken ist eines der fünf zentralen Ziele von „Wir sind Kirche“. Zu denen gehören neben der Zeile „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ auch eine positive Bewertung der Sexualität und die Abschaffung des Pflichtzölibats. Zudem setzt sie sich für die volle Gleichberechtigung von Frauen ein - und damit auch für die Zulassung zur Priesterweihe.

„70 bis 80 Prozent der Gläubigen teilen Linie der Bischöfe nicht“

Mit den Vorgaben der katholischen Kirche ist das heute kaum zu vereinbaren. Manche konservative Theologen sprechen der Gruppe deshalb das Katholischsein ab, doch unter den Reformern sind auch Theologen, Ordensleute und Priester. Lux hat unter anderem beim späteren Papst Benedikt XVI. studiert. Er schätzt auf Basis von Umfragen, dass 70 bis 80 Prozent der deutschen Gläubigen die Linie ihrer Bischöfe nicht teilen. Wenn „Wir sind Kirche“ nur einen Teil davon vertrete, seien das Millionen. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Entstanden ist die Gruppe aus einem Kirchenvolks-Begehren in Österreich, in dem sich Gläubige für eine Erneuerung einsetzten. 1995 war das. Seitdem hat sich aus Sicht der Reformer im Denken der Gläubigen viel getan. „Die lassen sich mit Fug und Recht nicht mehr sagen: So geht's nicht“, sagt Lux.

Und so machen er und seine Mitstreiter weiter auf ihre Anliegen aufmerksam. Zur Diakonenweihe etwa sollten Gläubige und Kleriker im vergangenen Herbst mit einem lilafarbenen Kleidungsstück zum Münchner Dom kommen - als Zeichen für die Zulassung von Frauen zur Weihe.

Auch wegen solcher Aktionen kam es zwischen „Wir sind Kirche“ und kirchlichen Institutionen immer wieder zu Konflikten. So verlor ein Religionslehrer aus Regensburg 2006 wegen seines Engagements die kirchliche Lehrerlaubnis.

„Aufbruchssignal, das vom Papst selbst ausgeht“

Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, wohl auch, weil sich neben der römischen Führung auch die Initiative verändert hat. Agieren statt reagieren sei heute das Ziel, erzählt Lux. Man wolle die Gemeinden in ihrer Verantwortung stärken und unterstützen. Und ein Lob an die Bischöfe ist auch mal drin, etwa bei der Flüchtlingspolitik. „Wir machen nicht Opposition der Opposition wegen.“

Auf die Frage, was sie von der Gruppe halte, gibt sich die Bischofskonferenz zurückhaltend. Man habe „engste Verbindungen zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), in dem die ganze Vielfalt des deutschen Katholizismus abgebildet ist“, sagt Pressesprecher Matthias Kopp.

In der offiziellen Vertretung der deutschen Gläubigen ist „Wir sind Kirche“ zwar kein Mitglied, es gibt aber einen regelmäßigen Austausch. „Wir sind in vielerlei Belangen im Gespräch“, sagt ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius. Die Positionen sind in vielen Bereichen identisch, von der Frohbotschaft bis zur Diakoninnenweihe. „Wir sind fest davon überzeugt, dass der Weg der Kirche in die Zukunft nur über eine stärkere Beteiligung der Laien führt“, sagt Bolzenius. Er sieht ein „Aufbruchssignal“, das vom Papst selbst ausgehe. Und das - da sind sich ZdK und „Wir sind Kirche“ einig - sei auch dringend nötig gewesen.

dpa

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