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Markus Söder bei einer Pressekonferenz am Montag.

Gipfeltreffen mit Söder

Wann kommt das 365-Euro-Ticket? Bahn-Gipfel will vieles anpacken

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Es gibt einiges, das beim öffentlichen Nahverkehr im gesamten Freistaat Bayern optimierbar ist. Am Montag fand in der bayerischen Staatskanzlei nun das lange angekündigte Spitzentreffen statt.

München - Eine gemeinsame Erklärung zur Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs ist das erste Ergebnis des ÖPNV-Gipfels, der am Montag in der Staatskanzlei stattfand. Der öffentliche Nahverkehr – Bahn, U-Bahn, Bus und Tram – müsse „in allen Landesteilen“ gestärkt werden, heißt es darin. Als erster Schritt soll ein 365-Euro-Jahresticket für Schüler und Auszubildende kommen, kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an. Es könne „vielleicht schon im Herbst, spätestens im kommenden Jahr“ eingeführt werden.

Allerdings: Obwohl in der Erklärung ausdrücklich erwähnt wird, Land und Großstädte müssten „ausgewogen“ behandelt werden, soll es das Ticket nur in den Verbünden geben, wie Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sagte. Welche das zunächst sein werden, sagte er nicht. Das Problem: Beileibe nicht ganz Bayern ist durch Verkehrsverbünde erschlossen, es gibt sie nur in Großstädten. Selbst weite Teile des ländlichen Oberbayerns – Miesbach, Rosenheim, Berchtesgaden, Garmisch-Partenkirchen – sind nicht Teil einer MVV-ähnlichen Struktur. Da könnte die Einführung des Jahrestickets schwierig werden, hieß es am Montag. Außerdem ist die Schülerbeförderung bis zur 10. Klasse ohnehin kostenfrei (freilich nur für den Schulweg). In vielen größeren Städten, etwa Nürnberg oder Deggendorf, gibt es freiwillige Zuschüsse, um den Geltungsbereich dieser Tickets zu erhöhen. 

Markus Söder, hier in der Münchner S-Bahn unterwegs, diskutiert am Montag über den öffentlichen Nahverkehr.

Ob dieser Wildwuchs vereinheitlicht werden kann, ist nun die spannende Frage. Arbeitsgruppen sollen das prüfen. Ein landesweites 365-Euro-Ticket hält der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vorerst aber für eine gewagte Idee: „Ganz trivial ist ein solcher Tarif sicher nicht.“ Priorität hat für den Münchner MVV vorerst andere: die Umsetzung der Tarifreform, die größte seit Jahrzehnten. Sie soll im Dezember kommen. Wie berichtet, wird es eine M-Zone geben, die ganz München umfasst, sowie sieben Außenzonen im Umland. Der Freistaat bezuschusst die Reform mit 35 Millionen Euro. Das ist ein Novum, weil sich das Land bisher nie an lokalen Verkehrsverbünden beteiligt hatte. 

Neben dem MVV in München erhalten auch die Verbünde in den anderen bayerischen Großstädten erstmals Landesmittel, etwa Nürnberg 13 Millionen und Augsburg vier Millionen Euro. Die Mittel dürften ebenfalls für kleinere Tarifreformen verwendet werden. Neben dem günstigen Jahresticket gibt es eine Vielzahl weiterer ÖPNV-Themen. Selbst um die unterschiedlichen Bahnsteighöhen will man sich kümmern. Bahnsteige für die S-Bahnen sind in der Regel 96 Zentimeter hoch, Regionalbahnen haben 76 Zentimeter. Mit dem Hinweis darauf weigert sich der Freistaat zum Beispiel, den geplanten Regionalzughalt Poccistraße im Münchner Süden S-Bahn-tauglich zu machen. 

Seilbahnen, Magnetschwebebahnen und autonome Busse

Daneben soll auf künftigen Treffen auch „die Entwicklung und Erprobung neuer Verkehrssysteme wie Seilbahnen, Magnetschwebebahnen und autonomer Busse“ diskutiert werden. Schwieriger ist der Ausbau der Schiene. Der Bund müsse mehr Geld in die Finanzierung des Nahverkehrs stecken. Da dies nicht Aufgabe des Freistaates, sondern des Bundes ist, kann Söder hier nichts beschließen. Auch das Bewertungssystem, also die Analyse von Kosten und Nutzen von Bahnstrecken, sei veraltet. Ohne neue Gleise werde es nicht gehen, sagte auch der Präsident des Landkreistages, Christian Bernreiter: „Die Strecke München–Plattling–Deggendorf ist heute fünf Minuten langsamer als bei der Eröffnung.“ Und die war im Jahr 1875.

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