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Wollen sich in einem in einem niederbayerischen Schlosshotel treffen: Guttenberg (l) und Seehofer.

Ex-Minister fliegt aus den USA ein

Seine Rolle im Wahlkampf: Warum Seehofer Guttenberg trifft

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Neufahrn – In einem niederbayerischen Schlösschen planen Seehofer und Guttenberg ihr nächstes Treffen. Worum es dabei geht.

Update vom 28. Januar: Wie der „Spiegel“ berichtet soll Karl-Theodor zu Guttenberg als Zugpferd für die CSU im Bundestagswahlkampf eingesetzt werden. Der Ex-Verteidigungsminister habe zugesagt, für mehrere große Kundgebungen nach Bayern zu kommen. Das sei das Ergebnis eines Gesprächs mit CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer in München (siehe unten). Um ein Bundestagsmandat will sich Guttenberg dem Bericht zufolge aber nicht bewerben. Er wolle niemandem den Platz wegnehmen, sagte Guttenberg laut „Spiegel“ zu Scheuer.

Das schwarze Schlossgespenst will nochmal erscheinen. Wenn sich am 10. und 11. März erneut junge CSU-Abgeordnete in einem niederbayerischen Schlosshotel treffen, wird Karl-Theodor zu Guttenberg wieder einfliegen. Der Ex-Minister, Wohnort US-Ostküste, ist einer der Hauptreferenten für das Treffen des „Neufahrner Kreises“. Die Runde, ins Leben gerufen von Parteivize Manfred Weber, kam schon mehrfach zusammen, stets sorgte Guttenberg für etwas Medieninteresse. Diesmal dürfte es noch größer sein.

Scheuer traf Guttenberg Anfang der Woche

Zu dem Treffen hat nun nämlich Parteichef Horst Seehofer zugesagt, ist aus der CSU-Zentrale zu hören. Er will Guttenberg treffen. Dass dann sicher ein paar Kamerateams vor der Pforte stehen werden, kommt gerade recht. Diskretion ist nicht nötig, denn der Termin passt sehr gut in die Annäherungsstrategie, die die CSU-Spitze mit dem über eine Plagiatsaffäre gestürzten Ex-Minister betreibt. Neuerdings wird wohlwollend über Guttenberg gesprochen. Die Schlösschenrunde ist auch nicht die erste Begegnung mit ihm. Generalsekretär Andreas Scheuer lud ihn Anfang der Woche zu einem, nun ja, „Geheimtreffen“: In ein teures Lokal in Münchens Stadtmitte, gut einsehbarer Platz, und rein zufällig war der Fotograf einer Boulevardzeitung vor Ort.

Trotzdem geht es Seehofer nicht darum, Guttenberg wieder in den Bundestag zu schicken. Er will in den nächsten Wochen austesten, wie der adelige Oberfranke bei der Wählerschaft ankommt – wie sehr ihm die Basis die peinliche Affäre übel nimmt. Falls „KT“, wie ihn seine Parteifreunde rufen, mehr nutzt als schadet, soll er in den Wahlkampf eingebunden werden. Er soll aber keinesfalls ein Direktmandat und auch keinen Listenplatz bekommen.

Das CSU-Personalpuzzle für Berlin

Die Personalie gehört ins größere Personalpuzzle für Berlin. Falls die Union nach 2017 noch regiert, wäre Guttenberg ein externer Kandidat, sollte die CSU irgendein mit Außenpolitik verwandtes Ressort besetzen. Seehofer will nicht wie 2013 mit Mais- und Maut-Ministerien abgespeist werden, sondern versucht, nach zwei Schlüsselressorts zu greifen. Innen (für Joachim Herrmann) hat dabei die Priorität, heißt es in seinem Umfeld. Dass Herrmann für Berlin kandidiert, gilt als sehr wahrscheinlich, auch wenn das finale Gespräch wohl erst im März oder April folgt. Auch mit Bayerns Finanzminister Markus Söder will Seehofer dann nochmal reden, der für Innen, Finanzen oder Wirtschaft infrage käme, sich aber beharrlich wehrt. Seehofer will für jedes zentrale Ressort ein Angebot haben. Käme dann noch das Verkehrsressort hinzu (attraktiv wegen des Milliarden-Etats), wäre Scheuer dafür gesetzt; Amtsinhaber Alexander Dobrindt soll wohl Landesgruppenvorsitzender werden.

Das Treffen mit Guttenberg darf indes auch als kleiner Gruß an Söder gewertet werden, den mit „KT“ eine innige Abneigung verbindet. Wann immer Söder in Nachfolger-Umfragen zu mächtig wird, versucht Seehofer, mit Guttenberg Fantasien für andere Führungsleute in der CSU zu befeuern – bisher allerdings vergeblich. 

C. Deutschländer

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