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Josef Schmid (m) , Jahrgang 1956, lehrt in Tübingen.

"Auf der Ersatzbank machen sie Ärger"

Warum sich Ribéry und Söder ähneln

München - Sind Tore gut für Politiker auf der Tribüne? Ist gute Politik ein Rezept für mehr Erfolg der Mannschaften in der Region? Der Tübinger Politik-Professor Josef Schmid hat die Wechselwirkung von Fußball und Politik untersucht. Ein Interview am Meister-Wochenende.

Bayern ist Meister! Ist das einem Tübinger Politologen jetzt total wurscht?

Nö. Aber ich bin eher Anhänger von Schalke – ein Schulfreund ist dort Co-Trainer.

Sie haben den Zusammenhang von Fußball und Politik erforscht. Kann eine Deutsche Meisterschaft Wahlen beeinflussen?

In kleinem Umfang. Eine Fußball-Meisterschaft beeinflusst das Wohlbefinden der Wähler, tendenziell zugunsten der Regierungspartei. Der sportliche Erfolg überdeckt außerdem Probleme: Auf Seite 1 der Montagsausgabe der Zeitungen steht dann: „Bayern ist Meister“. Artikel wie „Portugal in der Krise“ stehen weiter hinten.

Die CSU plant einen sehr bayerntümelnden Wahlkampf: Patriotismus, Berge, Werte – passt die Meisterschaft da nicht wunderbar ins orchestrierte „Mir san mir“?

Das passt. Die Botschaft heißt dann: Wir sind vorn.

"Bayern war schon immer eher der bürgerliche Verein"

Werden sich nun noch mehr Politiker auf der Tribüne und in der Kabine im Glanz des Erfolges sonnen?

Politiker suchen die Nähe zum Erfolg. Aber es muss authentisch sein – nicht dem Verein hinterherlaufen, der gerade erfolgreich ist. Da haben die Fans ein gutes Gedächtnis. Bei Edmund Stoiber war das unproblematisch. Ein Markus Söder müsste eher aufpassen, ob es für ihn als Franken nicht von Nachteil wäre, sich zum Münchner Verein zu bekennen. Die Kanzlerin wiederum zeigt ihre Begeisterung für Fußball sehr zurückhaltend.

Kann man pauschal sagen: Der FCB ist der Club der politisch Schwarzen, der Arbeiterverein 1860 eher der von Rot-Grün?

Das ist natürlich ein bisschen Folklore. Bayern war schon immer eher der bürgerliche Verein, auch dort werden Sie aber genügend Sozialdemokraten finden. Die Sozialstruktur nähert sich ja immer stärker an. Bei den klassischen Arbeitervereinen im Ruhrgebiet finden Sie inzwischen alle Parteienfarben.

"Je reicher ein Land, desto leichter wird es Weltmeister"

Sie haben aus soziokulturellen und politischen Daten Modelle entwickelt, welche Fußballmannschaften erfolgreich sein werden. Da war auch Spaß dabei, oder?

Ja klar! Wir haben es damit bis in die Tagesthemen geschafft. Aber im Ernst: Es steckt richtig Arbeit dahinter, wir haben Unmengen von Daten ausgewertet. Ein Ergebnis ist, stark vereinfacht: Je reicher, besser gebildet und katholischer ein Land ist, desto leichter wird es Weltmeister. Außerdem ähneln sich der politische Stil und die Spielweise auf dem Platz.

Zum Beispiel?

Der schnelle Netzer-Fußball passt zur sozialliberalen Politik der 70er. Die Ära Helmut Kohl spiegelt sich im eher trägen Fußball unter Berti Vogts wider. Aktuell spielt die Nationalmannschaft eher zurückhaltend, abwartend, wie Angela Merkels Politik.

Und der FC Bayern?

Der FC Bayern spielt enorm konstant und druckvoll, wie es auch ein Stück weit der Politikstil im Land ist – nicht immer mit der filigransten Technik, aber mit Druck und mit Beständigkeit. Wobei es da bei Seehofer vielleicht noch etwas an Beständigkeit fehlt. Aber es passen auch die internen Querelen. Ein Söder und ein Ribery – wenn die das Gefühl haben, sie werden Richtung Ersatzbank gedrängt, dann machen sie Ärger.

Interview: Christian Deutschländer

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