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Martin Schulz (re.) in der RTL-Sendung „An einem Tisch mit Martin Schulz“

Kanzlerkandidat spricht mit Bürgern

„Was auf die Mappe“: Schulz zeigt sich als Hardliner

In einer RTL-Sendung spricht Martin Schulz mit Bürgern - und will beim Thema kriminelle Zuwanderer klare Kante zeigen. Auch mit Horst Seehofer will er sich in Verbindung setzen.

Berlin - Was auch immer die Menschen brauchen, eine Aufenthaltsgenehmigung oder Theaterkarten: Martin Schulz kümmert sich darum, und zwar umgehend und persönlich. In der RTL-Sendung "An einem Tisch mit Martin Schulz" (Sonntag, 22.20 Uhr) umarmt der SPD-Kanzlerkandidat jeden Fragesteller und sein Problem. Er stellt detaillierte Rückfragen und nennt seinen Lösungsvorschlag. Der hat allerdings stets einen Haken - denn vorher müssten die Menschen Schulz zum Bundeskanzler wählen.

Sechs Wochen vor der Bundestagswahl am 24. September liegt die SPD in den Umfragen deutlich hinter der Union zurück. Doch der 61-jährige Spitzenkandidat gibt sich unbeirrt. RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel konfrontiert Schulz mit rund einem Dutzend Studiogästen, deren Probleme beispielhaft für die Herausforderungen in Deutschland stehen sollen.

„Die müssen endlich mal was auf die Mappe kriegen“

Gleich beim Auftaktthema innere Sicherheit will sie der SPD-Vorsitzende klar positionieren. "Ich bin der Meinung, die müssen endlich mal was auf die Mappe kriegen, damit die spüren, wer in Deutschland das Sagen hat", sagt er über kriminelle Zuwanderer, die den Wohnort der 73-jährigen Dagmar Willms unsicher machen.

Schulz kündigt mehr Polizeipräsenz und eine bessere Ausstattung der Justiz an. Es dürfe nicht sein, dass die "Kriminellen Ferrari fahren und die Polizei mit dem Fahrrad hinterher", sagt der Sohn eines Polizeibeamten.

Im Gespräch mit dem Brandenburger Andreas Responde, der auf offener Straße von kriminellen Jugendlichen schwer verletzt wurde, betont Schulz immer wieder: "Ich bin persönlich berührt." Anstatt wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 30 Milliarden Euro in die militärische Aufrüstung Deutschlands zu investieren, wolle er das Geld in die innere Sicherheit stecken, sagt Schulz.

Harte Abschiebung: Schulz will Seehofer kontaktieren

Zugleich beharrt Schulz darauf, vorerst keine Menschen nach Afghanistan abschieben zu wollen. Stattdessen will er mehr Flüchtlinge auf andere EU-Länder umverteilen - und droht mit der Streichung von EU-Mitteln, wenn diese Länder nicht mitspielen. "Dann sage ich denen: Passt mal auf, Solidarität ist ein Prinzip und keine Rosinenpickerei."

Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) muss sich wohl auf ein Gespräch mit Schulz gefasst machen. Kloeppel stellt den Afghanen Obaidullah Sultani vor. Mitschüler kämpfen gegen die Abschiebung des gut integrierten 18-Jährigen. "In Ihrem Fall bin ich gern bereit, mich mit dem bayerischen Ministerpräsidenten in Verbindung zu setzen", sagt Schulz.

In Hamburg dürfte ebenfalls bald ein Telefon klingeln: "Ich rede mal mit ein paar Leuten", sagt Schulz der Hanseatin Betty Neumann. Die 85-Jährige zog sieben Kinder auf und hat ein langes Arbeitsleben hinter sich. Heute lebt sie von 785 Euro und ist auf Lebensmittelspenden angewiesen. Schulz will ihr nun zumindest den Wunsch nach einem Theaterbesuch erfüllen.

Keine schnellen Lösungen möglich

Der Kanzlerkandidat gibt zu, dass er auf die Schnelle wenig ausrichten kann gegen Altersarmut. Auch bei weiteren Themen der Sendung wie dem Wohnungsmangel in den Städten oder dem Mangel an Altenpflegern räumt Schulz ein, keine schnelle Lösung parat zu haben. Es läuft vor allem darauf hinaus, dass eine SPD-geführte Regierung in diesen Bereichen mehr Geld ausgeben würde.

Die Fragesteller zeigen sich auf Nachfrage Kloeppels fast durchweg zufrieden mit Schulz' Antworten. Zugleich scheinen sie nicht wirklich daran zu glauben, dass der SPD-Chef tatsächlich ab Herbst Gelegenheit haben wird, seine Ideen umzusetzen.

Eine Möglichkeit wäre die Fortsetzung der großen Koalition mit der von Schulz geführten SPD als Juniorpartner. Doch Schulz schränkt ein: "Ich würde niemals etwas, das ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann, für einen Koalitionsvertrag opfern - und jeder, der mich wählt, muss das wissen."

AFP

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