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Markus Söder über Michael Backhaus: „Ich schätze seinen Rat sehr, er ist bestens vernetzt und ein brillanter Analytiker.“

Was hinter dem Wechsel steckt

Söders Chefberater verlässt das Finanzministerium

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Der frühere „Bild“-Vize Michael Backhaus soll darauf gesetzt haben, mit Markus Söder in die Staatskanzlei einzuziehen. Nun aber kehrt Söders Chefberater dem Finanzministerium den Rücken.

München – Wer in diesen Tagen auf Markus Söder trifft, erlebt ihn für seine Verhältnisse in fast buddhaesker Laune: keine Stichelei gegen Horst Seehofer, wenig zweideutige Bemerkungen zur Staatskanzlei, nicht mal abseits der Mikrofone. Wo der Finanzminister seinem Chef begegnet, wie jüngst beim Nürnberger CSU-Parteitag, herrscht sogar Harmonie. Nun sollte man in der Politik nie dem Irrtum erliegen, das würde ewig halten – auffällig ist die Friedensphase dennoch. Eine Personalie, die diese Tage entschieden wurde, passt da ins Bild.

Söders Chefberater wird dem Ministerium den Rücken kehren. Der frühere Journalist und „Bild“-Vize Michael Backhaus hat nach Informationen unserer Zeitung um Vertragsauflösung gebeten. Backhaus war als Leiter der Stabsstelle „Kommunikation und Planung“ – im Rang eines Abteilungsleiters, die sehr hohe Besoldungstufe B6 – eine der wichtigsten Führungskräfte des Ressorts, den Pressesprechern sogar übergeordnet. Beobachter sahen in ihm auch einen polarisierenden Antreiber Söders auf dem Weg zum Ministerpräsidenten und Parteichef; einen, der häufiger zu konfrontativem Stil geraten haben soll. Vor allem mit seinem Berliner Medienkontakten wollte Backhaus bundesweit Türen öffnen.

Antreiben muss Söder keiner mehr, eher bremsen

Das Problem dabei: Antreiben muss den ehrgeizigen Finanzminister auf dieser Welt vermutlich niemand mehr, eher ab und zu bremsen. In der Folge wurde Backhaus schon bald nach Dienstantritt im Mai 2015 als Reizfigur wahrgenommen – bis hin zu Seehofer selbst. Der Ministerpräsident war zwar anfangs in die Berufung eingebunden. Er empfand, so wird aus kundigem Mund berichtet, Backhaus’ Auftreten dann aber als sehr forsch und unangemessen. Er vermutete, dass der Mitarbeiter es gar nicht erwarten könne, mit Söder in die Staatskanzlei einzuziehen. Was davon zutraf, bleibt offen. Dass Backhaus nun geht, wird Söders Verhältnis zu Seehofer aber weiter entspannen. Es steht ja eh derzeit kein Wechsel in den obersten Ämtern zur Debatte.

Söder: „Belastung durch Pendelei unterschätzt“

Für Söder, der die Kontakte in Berlin derzeit nicht so dringend braucht und sich intensiv auf Bayern fokussiert, ist der Abgang verkraftbar. Er will die Stelle nach bisherigem Stand Anfang nächsten Jahres nicht nachbesetzen, sondern intern umstrukturieren – wohl zugunsten der bisherigen Sprecher, die mit den bayerischen Medien sehr viel enger in Kontakt stehen. Söder nennt familiäre Gründe – das zeitintensive wöchentliche Pendeln aus Berlin – für den Rückzug seines Chefberaters. Und schickt freundliche Worte hinterher: „Ich schätze seinen Rat sehr, er ist bestens vernetzt und ein brillanter Analytiker.“ Backhaus bestätigt die Motive. Sein Verhältnis zu Söder sei nach wie vor vertrauensvoll, er habe aber die „hohe Belastung durch die Pendelei etwas unterschätzt“. Über eine künftige Aufgabe ab 2018 in Berlin ist bisher nichts bekannt.

Unabhängig davon verlässt Söders frühere Sprecherin Ulrike Strauß das Ministerium. Sie war zuletzt für Internationales und Digitalthemen im Finanzressort zuständig und wechselt im September zur Münchner Sicherheitskonferenz.

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