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Die Silvesternacht von Köln 2015/16 hat die Angst vor kriminellen Zuwanderern geschürt. Doch laut amtlichen Statistiken ist die Zahl der Verbrechen in Deutschland zurückgegangen – auch wenn Trump etwas anderes behauptet.

Twitter-Attacke auf Deutschland

Kriminaliät in Deutschland gestiegen? Das ist dran an Trumps Vorwürfen

Die Kriminalität in Deutschland sei um zehn Prozent gestiegen, seit das Land mehr Migranten aufnimmt, twitterte Donald Trump am Dienstag. Stimmt das?

München – US-Präsident Donald Trump unterstellt deutschen Behörden, einen Anstieg der Kriminalität im Zusammenhang mit der Zuwanderung zu verschweigen. „Die Kriminalität ist um zehn Prozent gestiegen, seit Migranten akzeptiert wurden“, schrieb er am Dienstag auf Twitter. „Die Behörden wollen diese Verbrechen nicht melden.“

Dabei zeichnet die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik vom Mai diesen Jahres ein ganz anderes Bild: Demnach ist die Zahl der Straftaten in Deutschland 2017 auf das niedrigste Niveau seit 25 Jahren gesunken. Es wurden im vergangenen Jahr 9,6 Prozent weniger Straftaten registriert.

Woher hat Trump seine Informationen?

Woher Trump seine Zahl hat, ließ er offen. Experten bezweifeln, dass sie belastbar ist. Es gebe weitere Studien zur Kriminalitätsentwicklung in Deutschland, sagt Thomas Bliesener, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN): „Alles, was wir an belastbaren Zahlen haben, hat in den vergangenen Jahren eine Abnahme der Kriminalität gezeigt.“ Er weist darauf hin, dass die Kriminalstatistik „nur einen kleinen Teil der Gesamtkriminalität“ erfasse. Damit eine Tat in der Statistik landet, muss sie der Polizei bekannt sein. Bestimmte Vergehen, wie Staatsdelikte, Verkehrsvergehen, Ordnungswidrigkeiten und Delikte aus dem Finanz- und Steuerbereich werden gar nicht erfasst.

Den Vorwurf, die Behörden würden bewusst Straftaten verschweigen, hält Bliesener für „absurd“. Dafür gebe es keine belegbaren Hinweise.

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„Ausländerkriminalität“ wird als Bedrohung wahrgenommen

Doch Trump trifft offensichtlich einen Nerv. So gaben im März bei einer repräsentativen Umfrage bundesweit 44 Prozent der Befragten an, sie fühlten sich heute weniger sicher als noch vor Jahren. „Ausländerkriminalität“ wird als große Bedrohung eingeschätzt.

Und tatsächlich gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Kriminalität feststellen. Diese werden aber nicht verheimlicht. Im Gegenteil: Im Januar haben beispielsweise Wissenschaftler im Auftrag des Bundesfamilienministeriums den im Zeitraum von 2014 und 2016 in Deutschland festgestellten Anstieg von Gewaltstraftaten am Beispiel von Niedersachsen untersucht. Demnach stiegen die registrierten Gewalttaten – nicht die Kriminalität generell – um 10,4 Prozent, zu 92,1 Prozent sei diese Zunahme Flüchtlingen zuzurechnen. 

Donald Trump.

Fakt ist, dass Zuwanderer bei bestimmten Straftaten überrepräsentiert sind. Dies geht auch aus dem Bundeslagebericht 2017 „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ hervor, den das Bundeskriminalamt seit 2016 herausgibt. Insgesamt hat die Polizei bei 8,5 Prozent aller Straftaten des Jahres 2017 einen Flüchtling verdächtigt. Auffallend oft, mit jeweils um die 15 Prozent, sind Flüchtlinge bei Straftaten gegen das Leben, darunter Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung, schwere Körperverletzung und Sexualdelikten tatverdächtig. Die Zahl ist weit höher als ihr Anteil an der Bevölkerung. So wurde bei 447 von 2524 solcher Straftaten ein Zuwanderer als Tatverdächtiger erfasst.

Großer Anteil junger Männer an Zuwanderern

Wie kommt das? KFN-Direktor Bliesener verweist auf den großen Anteil junger Männer an den Zuwanderern. In sechs von sieben Fällen von Gewaltkriminalität sind Männer tatverdächtig. Asylsuchende sind im Mittel 29,4 Jahre alt – und 20- bis 30-jährige Männer begehen generell die meisten Straftaten.

Auf den ersten Blick erschreckend ist die Zahl der Sexualdelikte. 2017 sollen 5258 Sexualstraftaten von Zuwanderern begangen worden sein, 2016 nur 3404. Dies lässt sich aber mit der Umgestaltung des Sexualstrafrechts erklären. So wurde erstmals der Tatbestand der „sexuellen Belästigung“ mit erfasst.

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Dass Flüchtlinge generell krimineller sind als „der Deutsche“, verneint Bliesener. Sie hätten aber „kriminalitätsbegünstigende Merkmale“, wie sprachliche Barrieren oder schlechtere Zukunftsperspektiven. Dazu passt, dass anerkannte Flüchtlinge deutlich weniger oft in der Kriminalstatistik auftauchen. Sie machen nur 0,5 Prozent aller Tatverdächtigen aus – und sind damit gesetzestreuer als Deutsche.

Aglaja Adam

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