Attacke auf das Kapitol

Trump-Rede als Auslöser? Worte des US-Präsidenten stachelten den wütenden Mob wohl an

  • vonKai Hartwig
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Die chaotischen Szenen in Washington entsetzen die USA. Bevor die Situation eskalierte, sprach US-Präsident Donald Trump zu seinen Anhängern. Womöglich folgenschwer.

Washington - Die Welt sieht fassungslos nach Washington. In der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika herrscht das pure Chaos. Ein wütender Mob von Anhängern des US-Präsidenten Donald Trump verschaffte sich gewaltsam Zugang zum Kapitol.

Die geplante Zertifizierung der Wahlergebnisse musste unterbrochen werden, die Teilnehmer der Sitzung wurden umgehend evakuiert. Berichte über Schüsse im Umfeld des US-Kapitols machten die Runde. Eine Frau starb im Laufe des Abends an den Folgen ihrer Schussverletzung.

Hat der scheidende Präsident der USA mit einer Rede unmittelbar zuvor den Ausbruch der Gewalt unmittelbar verursacht? Trump hatte in Washington zu seinen Anhängern gesprochen und erneut den vermeintlichen Wahlsieg beansprucht und von Wahlbetrug fabuliert.

Donald Trump zu seinen Anhängern: „Ihr müsst kämpfen“

„Ihr müsst kämpfen“, forderte Trump in seiner Ansprache von seinen Anhängern. Seine Unterstützer jubelten. Und verstanden die Worte des Präsidenten möglicherweise als direkte Aufforderung zu gewalttätigen Handlungen.

„Wir werden niemals aufgeben“, bekräftigte Trump trotz seiner eindeutigen Wahlniederlage. Er habe einen „Erdrutschsieg erzielt“. Sein gewählter Nachfolger Joe Biden kam schlecht weg. Doch auch viele Parteikollegen der Republikaner griff Trump frontal an: Diese hätten „keinen Mut“. Trump nannte sie „schwach und lächerlich“.

Zudem ermutigte Trump in seiner Rede über den vermeintlichen Wahlbetrug bei der US-Präsidentenwahl seine Anhänger, zum Kapitol zu ziehen - „friedlich“, wie er sagte. Im Kapitol befinden sich der US-Senat und das Abgeordnetenhaus. Hier brach schließlich die Gewalt aus. Protestierende rissen mehrere Sicherheitszäune ein und drangen anschließend in das Gebäude. Die Polizei soll Schlagstöcke und Pfefferspray zur Verteidigung einsetzen.

Joe Biden wendet sich an die Nation: „Amerika so viel besser als das“

Vom US-Präsidenten kamen nach den immer heftigeren Gewaltausbrüchen rund um das Kapitol lediglich einige Tweets. Dagegen wendete sich Joe Biden an die Nation. „Amerika ist so viel besser als das, was wir heute sehen“, meinte der sichtlich geschockte Demokrat.

An die Adresse von Donald Trump sagte Biden, dass „jedes Wort“ eines Präsidenten zähle. Trumps Worte während seiner Rede könnten den Funken versprüht haben, der das beispiellose Feuer der Gewalt in Washington letztlich entfachte.

Rubriklistenbild: © Jacquelyn Martin /dpa/AP/picture alliance

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