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Der Virus "NotPetya" hatte zunächst Rechner in der Ukraine befallen, ehe er sich auf Geschäftspartner ukrainischer Firmen im europäischen, amerikanischen und asiatischen Ausland ausweitete. Foto: Monika Skolimowska/Illustration

Groß angelegter Hackerangriff

Moskau steht nach "NotPetya"-Cyberattacke am Pranger

Ein Cyberangriff sorgte im Vorjahr für Schäden in Milliardenhöhe. London und Washington sind sich jetzt sicher: Das russische Militär steckt dahinter. Aus Moskau kommt, wenig überraschend, ein Dementi.

Washington (dpa) - Die USA und Großbritannien haben dem russischen Militär die Urheberschaft für die berüchtigte Cyberattacke "NotPetya" vorgeworfen, die im vergangenen Jahr Milliardenschäden verursacht hat.

Auch Australien schloss sich am Freitag der Kritik an Moskau an. "NotPetya" sei Teil der ständigen Versuche des Kreml, die Ukraine zu destabilisieren, verlautete am Donnerstagabend aus dem Weißen Haus.

Die Schadsoftware hatte sich über eine Buchhaltungssoftware für Steuerzahlungen in der Ukraine und dann in den Westen und nach Asien ausgebreitet. Dabei wurden Hunderttausende Computer verschlüsselt und komplett lahmgelegt. Die Attacke hatte auch wochenlang für Unterbrechungen in der Container-Schifffahrt gesorgt.

"Dies war eine rücksichtslose Cyber-Attacke, die international Konsequenzen haben wird", hieß es. Die genaue Art der Gegenmaßnahmen wurde aber nicht genannt. Zuvor hatte bereits die britische Regierung in einer Stellungnahme erklärt, man könne "fast sicher" sein, dass Russland hinter dem großangelegten Hackerangriff stecke.

Auch die australische Regierung verurteilte das Verhalten Russlands, "das der Weltwirtschaft, den Regierungsbehörden, der Wirtschaft und auch der Sicherheit und dem Wohlergehen Einzelner hohe Risiken" gebracht habe. Australien werde seine internationalen Partnerschaften stärken, um den "böswilligen Missbrauch" der Cyberwelt zu verhindern.

Der Kreml wies die Vorwürfe erneut zurück. Moskau hatte jede Mitwisserschaft an der Attacke schon früher kategorisch dementiert. Kremlsprecher Dmitri Peskow nannte die Vorwürfe nach Angaben der Agentur Tass "haltlos" und "nichts anderes als die Fortsetzung einer unbegründeten und ohne Beweise geführten russophoben Kampagne". In einer Mitteilung der russischen Botschaft in London hieß es, die Anschuldigungen seien Teil einer Kampagne zur "Dämonisierung Russlands".

Der Virus "NotPetya" hatte zunächst Rechner in der Ukraine befallen, ehe er sich auf Geschäftspartner ukrainischer Firmen im europäischen, amerikanischen und asiatischen Ausland ausweitete. Zu den Opfern gehörten unter anderem der Pharma-Riese Merck, die dänische Reederei A.P.Moller-Maersk und das Logistik-Unternehmen TNT. Maersk war Opfer einer ukrainischen Buchhaltungs-Software geworden, da die Firma in der Ukraine Steuern zahlen muss.

Unternehmen und private Computer-Anwender können sich nicht vollständig gegen Cyberattacken wie "NotPetya" schützen, aber mit regelmäßigen Datensicherungen die Auswirkungen solcher Angriffe verringern.

Der dänische Konzern Maersk sei damals gezwungen gewesen, 45 000 PCs und 4000 Server-Computer neu installieren zu müssen, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Jim Hagemann Snabe, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die IT-Systeme seien auf der ganzen Welt verteilt und stünden zum Teil an sehr unzugänglichen Orten. Gleichzeitig musste die IT-Abteilung von Maersk 2500 verschiedene Programme neu installieren. Das Ganze sei "in einer heldenhaften Kraftanstrengung" innerhalb von zehn Tagen erledigt worden. Normalerweise hätte der Austausch rund sechs Monate gedauert.

CBS

Washington Examiner

Mitteilung austral. Regierung

Jim Hagemann Snabe auf dem World Economic Forum (ab. 3:00 Min)

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