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Gerät mehr und mehr in die Kritik: WDR-Intendant Tom Buhrow wird „Naivität und Ungeschicktheit“ vorgeworfen.

„Sollte die Konsequenzen ziehen“

Nach „Umweltsau“-Lied im WDR: Konsequenzen von Buhrow gefordert

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  • Florian Naumann
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  • Marcel Görmann
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Dem WDR wird vorgeworfen, Kinder für das Umweltsau-Lied instrumentalisiert zu haben. Nun eskaliert der Streit im Haus weiter. Besonders Tom Buhrow sieht sich massiver Kritik ausgesetzt.

  • Ein Klima-Lied des WDR-Kinderchors sorgte für Empörung im Netz.
  • Der Sender hatte den Text des Liedes „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ umgedichtet.
  • WDR-Intendant Tom Buhrow steht nun stark in der Kritik - freie Autoren fordern bereits Konsequenzen.

Update 6. Januar 2020, 15.14 Uhr: Zahlreiche freier Fernsehautoren solidarisieren sich in der Debatte um das „Umweltsau“-Lied mit den WDR-Mitarbeitern und kritisieren Intendant Tom Buhrow. In einer entsprechenden Erklärung schrieben mehr als 40 Unterzeichner: „Tom Buhrow ist mit seiner Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal in eine Falle getappt, aus der er ohne massiven Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr herauskommt.“

Weiter forderten die Autoren: „Ein Medienmanager, dessen Umgang mit moderner, rechter Propaganda von so viel Naivität und Ungeschicktheit zeugt und der nicht in der Lage ist, sich in einfachsten Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit vor seine MitarbeiterInnen zu stellen, gefährdet eben diese Freiheiten. Er sollte die Konsequenzen ziehen.“

Zu den Unterzeichnern gehören der „Neo Magazin Royale“-Autor Max Bierhals, der Chefautor der ZDF-„Heute Show“, Morten Kühne, und Stefan Stuckmann, Erfinder der Comedyserie „Eichwald, MdB“. Die Unterzeichner wollen mit der Erklärung auch erreichen, dass das „Umweltsau“-Lied wieder online gestellt wird.

17.21 Uhr: Die Auseinandersetzung um die „Umweltsau“-Satire des WDR nimmt scheinbar kein Ende. Am Samstag demonstrierten in der Kölner Innenstadt vor dem Gebäude des WDR Hunderte Menschen für und gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Grund war das umstrittene „Umwelt-Sau“-Lied des Senders, das im Netz einen Shitstorm ausgelöst hatte. 

Polizeiangaben zufolge kam es am Rande der Demonstrationen auch zu kleineren Tumulten und Rangeleien. Demzufolge habe es sieben Anzeigen gegeben. Eine weitere Person sei festgenommen worden. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. 

„Oma ist ne Umweltsau“: Demonstration vor dem Gebäude des WDR

Verschiedene rechte Gruppen hatte zu einer Demonstration gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufgerufen. Daran teilgenommen haben laut Polizei etwa 50 Menschen. 

Bei einer Gegenkundgebung kamen nach Schätzungen mehrere Hundert Menschen zusammen. Diese ist von dem Bündnis „Köln gegen Rechts“ unter dem Namen „Kein Einknicken vor Hass und Hetze - Klare Kante gegen Rechts“ organisiert worden. Unterstützt wurde die Gegenkundgebung unter anderem von der Gewerkschaft Verdi und dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV). 

Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche: „Morddrohungen gegen WDR-Mitarbeiter in keinem Fall hinnehmbar“

11.35 Uhr: Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) berichtet aktuell von Morddrohungen, so wie sie WDR-Mitarbeiter wegen des „Umweltsau“-Lieds erhalten. Bischof Heinrich Bedford-Strohm sagte der Augsburger Allgemeinen Zeitung, er habe nach Bekanntwerden von Plänen der Evangelischen Kirche für ein eigenes Flüchtlings-Rettungsschiff „recht konkrete Drohungen“ erhalten. Der bayerische Landesbischof kritisierte in diesem Zusammenhang einen Mangel an Ethik im Internet

Die Morddrohungen gegen ihn nehme er zwar „nicht sehr ernst“, fuhr er der AFP zufolge fort. Es sei aber dennoch wichtig, dass diese konsequent von der Polizei verfolgt würden. Dies gelte nicht nur für ihn selbst, sondern: „Völlig unabhängig davon, wie man das satirisch gemeinte Lied beurteilen mag, sind die Morddrohungen gegen die WDR-Mitarbeiter in keinem Fall hinnehmbar", betonte der EKD-Ratsvorsitzende.

WDR tobt: In Brandbrief attackieren Redakteure jetzt Intendant Buhrow heftig

Update 4. Januar 2020:  Auch im neuen Jahr kocht die Debatte um das „Meine Oma ist ne Umweltsau“-Lied beim Westdeutschen Rundfunk weiter. Nun haben WDR-Mitarbeiter einen Brandbrief an ihren Intendanten Tom Buhrow geschrieben. In dem Brief, über den zuerst das Portal Übermedien berichtete, heißt es unter anderem: 

"Liebe Kolleg*innen und Kollegen, wir sind – wie sicher viele von Euch – fassungslos: natürlich nicht über eine Satire, die Geschmackssache sein darf, nein, wir sind fassungslos, dass Intendant Tom Buhrow einem offenbar von Rechtsextremen orchestrierten Shitstorm so leicht nachgibt, sich vorschnell redaktionell distanziert und das (WDR2)-Video mit dem satirischen Kinderlied nicht nur löschen lässt, sich nicht nur persönlich entschuldigt, sondern dabei mehrfach öffentlich (u. a. live bei WDR2) Redakteurinnen und Redakteuren in den Rücken fällt, statt ihnen in Zeiten inszenierter Empörungswellen gegen den WDR und den ÖRR den Rücken zu stärken.“

Man sei „außerordentlich irritiert über diese eklatante Verletzung der inneren Rundfunkfreiheit und das schlechte Krisenmanagement der Geschäftsleitung“. Es habe sowohl dem Ansehen als auch den Kollegen des WDR geschadet.

Die Redakteursvertretung will am 7. Januar eine außerordentliche Redakteursversammlung abhalten, um „die Ereignisse und die Fehler der vergangenen Tage“ offen zu diskutieren.

„Oma ist ne Umweltsau“: WDR-Mitarbeiter erhalten wegen Morddrohungen Personenschutz

Update 21.00 Uhr: Der „Oma-Gate“ und seine Nachwirkungen ziehen weite Kreise und haben jetzt dafür gesorgt, dass der WDR seinen Mitarbeitern Personenschutz zur Verfügung stellen will. In einer internen E-Mail an die Mitarbeiter kündigte Intendant Tom Buhrow darüber hinaus weitere rechtliche Schritte an. „WDR-Mitarbeiter*innen erhalten Morddrohungen. Wir bieten diesen Kolleg*innen Personenschutz an und gehen mit allen juristischen Mitteln dagegen vor. Wir werden alles tun, um unsere Mitarbeiter*innen zu schützen", heißt es in der Mail, die Spiegel Online vorliegt. Ein missglücktes Video sei eine Sache, so Buhrow weiter, aber Morddrohungen eine ganz andere.

Auch dem BR droht nun ein Skandal: Ein bekannter Moderator erhebt schwere Vorwürfe gegen Intendant Ulrich Wilhelm - und verlässt den Sender.

Morddrohungen nach WDR-Video: „In unserem Land ist etwas richtig krank“

Update 19.48 Uhr: Nach Ansicht eines Experten geht die große Aufregung um die fehlgeschlagene „Umweltsau“-Satire des WDR unter anderem auf gezielte „Mobilisierung“ rechter Social-Media-Accounts zurück. „Oma-Gate“ sei „ein ganz typisches Beispiel rechter Empörung und Mobilisierung - sowohl, was die Struktur, als auch, was die Themen und Argumente anbelangt", sagte der Autor Patrick Stegemann dem Spiegel

Einer Twitter-Auswertung zufolge seien bis 30. Dezember 210.000 Tweets zum Thema abgesetzt worden - in einer ersten Welle vor allem von rechten Multiplikatoren. In diesem Meinungsspektrum seien einige Accounts besonders auffällig aktiv gewesen. Die Reaktion des WDR auf den Shitstorm bezeichnete Stegemann als "nicht sonderlich klug" - „trolllastige Kommunikation“ sei für „wahre Empörung gehalten worden“. 

Ein Polizeisprecher bestätigte dem Nachrichtenmagazin unterdessen, dass mehrere Mitglieder einer mutmaßlich rechtsextremistischen Gruppierung aus NRW an einer Demonstration vor dem WDR-Gebäude teilnahmen. "Etwa 200 Personen haben an der Versammlung teilgenommen, davon wurden etwa 25 Personen der 'Bruderschaft Deutschland' zugeordnet", sagte der Sprecher dem Spiegel. Derzeit werde untersucht, ob die Kundgebung von Rechtsextremisten „organisiert oder beeinflusst“ wurde.

Die CSU stellte sich am Montagabend unterdessen noch einmal demonstrativ auf Seiten der WDR-Kritiker. „Es ist völlig inakzeptabel, dass Jung gegen Alt aufgehetzt wird“, heißt es in einem Tweet des offiziellen Partei-Accounts - „wir lassen eine Spaltung der Gesellschaft nicht zu“.

Erster Gegenwind kam vom bayerischen Grünen Dieter Janecek. „Es ist völlig inakzeptabel, die Omas unseres Landes für einen künstlich geschürten Generationenkonflikt instrumentalisieren zu wollen“, konterte er. Und ergänzte einen etwas überraschenden, aber dem Themenfeld seiner Partei angemessen Vorwurf: „... nur, weil die CSU beim Klimaschutz nicht handeln will.“

„In unserem Land ist etwas richtig krank“: WDR-Chef will gegen Morddrohungen nach „Umweltsau“-Lied vorgehen

Update 15.11 Uhr: Das „Umweltsau“-Lied des WDR stößt derzeit auf heftigste Reaktionen - sogar bis hin zu Morddrohungen gegen Sender-Mitarbeiter. WDR-Intendant Tom Buhrow ist nach eigenen Worten „erschüttert“. Er sagte im „Mittagsmagazin“ auf WDR 2: „Wir werden das nicht dulden, ich gehe mit allen juristischen Mitteln dagegen vor.“ Die Drohungen offenbarten ein erschreckendes Maß an Verrohung. „In unserem Land ist etwas richtig krank, und wir haben alle dazu beizutragen, dass sich das ändert“, sagte Buhrow. „Wir in den Medien müssen etwas demütiger sein (...) und auch mal Kritik ertragen können.“ Gewaltandrohungen lasse man sich aber nicht gefallen. Buhrow ist Chef des größten ARD-Senders.

Hier der ganze Liedtext: „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad, Motorrad, Motorrad. Das sind 1000 Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ne alte Umweltsau! 

Meine Oma sagt Motorradfahren ist voll cool, echt voll cool, echt voll cool. Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma fährt im SUV beim Arzt vor, beim Arzt vor, beim Arzt vor. Sie überfährt dabei zwei Opis mit Rollator, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett. Weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet, meine Oma ist ne alte Umweltsau.

Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert, geläutert, geläutert. Stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ne Kreuzfahrt, meine Oma ist doch keine Umweltsau. 

Audiozitat von Greta Thunberg: „We will not let you get away with this“ (Deutsch: „Wir werden euch damit nicht davonkommen lassen!“) 

WDR gerät nach Umweltsau-Kinderlied immer mehr in die Kritik

Update 12.43 Uhr: Im Streit um den „Umweltsau“-Clip des WDR geht es längst nicht mehr um persönliches Humor-Empfinden, sondern um politische Haltung - und um die Strukturen bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. So hatte der freie WDR-Mitarbeiter Danny Hollek die Großmütter derer, die „sich jetzt über ‚Umweltsau‘ aufregen“, als „Nazisäue“ bezeichnet (siehe unten). 

Der WDR distanzierte sich von diesem Tweet und nimmt jetzt ebenfalls auf Twitter Stellung: 

So richtig gut kommt der WDR damit augenscheinlich nicht an. Die Leser-Reaktionen reichen von „schwach“ über „Zu spät. Zu wenig. Ihr habt die Nummer vom ersten Moment an verbockt“ bis hin zu „Leider zu spät, euer Statement. Gestern wäre es nötig gewesen. Als die Nazis vor seinem Haus standen. Und vor eurem.“

Video: Deutsche Medien sorgen sich um rechte Gewalt gegen Journalisten

Nach „Umweltsau“-Kinderlied: Rechte demonstrieren vor WDR-Haus - heftige Kritik an Sender

Update 11 Uhr: „Was darf Satire“, fragt die SPD-Vorsitzende Saskia Esken und attackiert die Entscheidung von WDR-Intendant Tom Buhrow, sich von dem Kinderlied zu distanzieren. „Mich beunruhigt das, wenn Journalisten, Medienschaffende, Künstler in diesem Land keine Rückendeckung haben, weil Verantwortliche einem Shitstorm nicht standhalten. Mich beunruhigt das sehr“, schrieb Esken via Twitter. 

Unter dem Hashtag #OmaGate gehen viele Twitter-User mit dem WDR hart in Gericht. Der Sender hätte sich schützend vor die Ersteller des Satirebeitrags stellen müssen, statt ihnen in den Rücken zu fallen. 

Auch von TV-Komiker Bastian Pastewka kommt Kritik - in Form von Häme für den Sender: „Ich erwarte nichts weniger als eine Rankingshow im WDR: ‚Unsere besten nicht (!) zurückgezogenen Satiren im Westen‘.“

Und Journalist Patrick Gernsing ist fassungslos darüber, dass der WDR sich habe einschüchtern lassen von der politischen Rechten. Seine Kollegin Teresa Bücker vermisst zudem ein klares Statement von Bührow zu den Protesten und Drohungen gegenüber Mitarbeitern, nachdem er sich zuvor für das Kinderlied entschuldigt habe. 

WDR-Eklat um „Umweltsau“-Lied - Chorleiter verteidigt Satire-Beitrag

Update vom 30. Dezember, 9.31 Uhr: Nachdem Chorleiter Zeljo Davutovic bereits am Sonntag erklärte, dass es sich bei dem umstrittenen WDR-Video um Satire handle, legt er nun nach. Im Interview mit der SZ erklärt der Chorleiter, das Echo nach der Veröffentlichtung am Freitag habe sich erst am Samstag entwickelt.  „Ich habe geglaubt, dass das Lied in der WDR-Satire-Ecke bleiben und auch in diesem Kontext diskutiert werden würde. Erwartet habe ich auch einige kritische Kommentare“, erklärt Davutovic. 

Dass der Streit um das Kinderchor-Lied ein solches Ausmaß erreichen würde, hatte der Chorleiter nach eigenen Angaben jedoch nicht geahnt. Davutovic erklärt in dem Interview weiter, dass mit der Textfigur „Oma“ stellvertretend alle Menschen gemeint seien. „Vielleicht ist es zu kompliziert, ein ‚um die Ecke denken‘ von allen zu erwarten“, erklärt der Chorleiter der Zeitung. Aus seiner Sicht gebe es in dieser Angelegenheit kein „klares Richtig oder Falsch“. 

Zeljo Davutovic wird dem Bericht zufolge mittlerweile bedroht, auch die Mitarbeiter des Chorleiters seien unter Beschuss geraten. 

Update vom 29. Dezember, 22.15 Uhr: Die CSU gesellt sich nach der Veröffentlichung des umstrittenen „Umweltsau“-Videos des WDR in die Reihen der Kritiker. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Christsozialen im Bundestag, Stefan Müller, äußerte am Sonntagabend sogar heftige pauschale Kritik an den öffentlichen-rechtlichen Sendern.

Teile der Sender seien „völlig von den eigenen Zuschauern und dem Durchschnittsbürger entkoppelt“, schrieb er in einem Tweet, den auch Kabinettsmitglied und Parteifreund Andreas Scheuer teilte. „Es wundert mich, wer alles beim WDR Beschäftigung findet“, fügte er hinzu - und nannte konkret Danny Hollek, der in einem Tweet erklärt hatte, die Großmütter, derer, die „sich jetzt über ‚Umweltsau‘ aufregen“ seien „Nazisäue“ gewesen. 

Hollek wird nach eigenen Angaben seit dem Posting „mit Gewalt- und Todesdrohungen überhäuft“. Der WDR-Mitarbeiter entschuldigte sich am Sonntag für seinen Tweet - es habe sich um eine „sarkastische Bemerkung“ gehandelt.

Beim Deutschen Kinderhilfswerk stößt hingegen die Löschung des WDR-Videos auf Kritik. „Das ist eine völlig überzogene Reaktion, ausgelöst durch einen Shitstorm im Netz“, sagte Verbands-Sprecher Uwe Kamp der Webseite watson - den Kindern werde vermittelt, sie hätten einen Fehler gemacht. „Für die Kinder ist das eine ziemlich blöde Situation“, erklärte Kamp, „ganz wichtig ist, dass man den Kindern sagt, dass sie keinen Fehler gemacht haben“.

In der Kritik stehen aktuell auch die Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen - allerdings aus völlig anderen Gründen.

Zoff um Kinderchor-Lied über Oma als „Umweltsau“ - „Neonazis“ demonstrieren vor WDR 

Update vom 29. Dezember, 17.50 Uhr: Der Streit um ein „Umweltsau“-Lied des WDR-Kinderchors schlägt weiter hohe Wellen: Am Sonntagnachmittag wurde sogar vor einem Gebäude des WDR in Köln demonstriert. Eine Privatperson habe eine Demo mit „fünf bis zehn Personen“ angemeldet, sagte ein Polizeisprecher dem Deutschlandfunk. Allerdings seien deutlich mehr Menschen erschienen.

Ein Teil der Teilnehmer sei vom Erscheinungsbild der rechten Szene zuzuordnen gewesen, hieß es von Seiten der Polizei weiter. So seien auf Kleidungsstücken die Aufschrift „Bruderschaft Deutschland“ oder weiß gestickte Fäuste zu sehen gewesen. „In Köln demonstrieren gerade Neonazis vor dem WDR-Funkhaus“, twitterte der Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann (Grüne). Zu Straftaten kam es laut Polizei nicht - lediglich von verbalen Auseinandersetzungen mit linken „Meinungsgegnern“ war die Rede.

Die in einigen Städten öffentlich geförderte „Rechecher- und Informationsstelle Antisemitismus“ berichtete gleichwohl auf Twitter von antisemitischen Verschwörungstheorien, die in Liedform von Demonstranten vorgetragen wurden. So sei die Zeile "Vereinigte Staaten, die in Israels Auftrag die Welt versklaven" zu hören gewesen. 

Kritik an dem umstrittenen Chor-Lied kam unterdessen auch aus der SPD. „Finde es nicht witzig, wenn meine studierten, umweltbewusst lebenden Nichten & Neffen meine Mama, also ihre Oma, alte #Umweltsau“ nennen“, erklärte die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli. Es erschließe sich ihr nicht, warum es „gerade so schick ist, die Großeltern zu beleidigen“.

Der Münchner Merkur* sieht in einem Kommentar zum Thema „fatale Folgen der Belehrung“ - und ein „kapitales Missverständnis, das Land dürste nach einem Belehrungsfunk“. Die Frankfurter Rundschau* sieht hingegen in der Kritik Strategie - um gegen öffentlich-rechtliche Medien Stimmung zu machen.

WDR: Eklat um Kinderchor-Lied über Oma als „Umweltsau“ - Chorleiter äußert sich 

Update vom 29. Dezember, 13.35 Uhr: Nachdem sich der stellvertretende Hörfunkdirektor des WDR, Jochen Rausch, öffentlich für das Klima-Lied entschuldigt hatte, meldete sich nun auch der Chorleiter Zeljo Davutovic persönlich zu Wort. Gegenüber der Bild betonte er, dass das Lied als Parodie gemeint war. „Als die Anfrage zusammen mit Text und Lied aus der WDR2-Redaktion kam, konnten die Kinder und Eltern freiwillig entscheiden, an dem Projekt teilzunehmen.“ 

So hätten weder Zwang noch eine Instrumentalisierung bei den Kindern stattgefunden: „Den teilnehmenden Kindern wurde erklärt, das die Parodie bezwecken soll: Mit Überspitzung und Humor den Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn nehmen“, sagte er der Bild weiter.

Eine Parodie, die schließlich deutlich nach hinten losging. Dass in dem Lied speziell eine Oma besungen wurde, habe lediglich den Grund gehabt, dass es auch im ursprünglichen Song „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ heißt. Wirklich gemeint sei laut dem Leiter des Dortmunder Kinderchors aber jeder: „Hier schließe ich mich persönlich ein. … Ich möchte mich als beteiligter Musiker bei allen entschuldigen, die sich trotz der Einordnung als Satire von uns persönlich angegriffen fühlen.“

Kinderchor-Lied zu Klima-Schutz sorgt für Eklat - Tweet löst neue Empörung aus

Update vom 29. Dezember, 13.00 Uh r: Nachdem das umgedichtete Klima-Lied eines WDR-Kinderchors aufgrund seines Inhaltes auf viel Kritik stieß, sah sich der WDR kurz darauf bereits mit einem neuen Problem konfrontiert. Grund dafür war der persönliche Kommentar eines Mitarbeiters zu dem Lied, der mit seiner Ausdrucksweise direkt eine neue Welle der Empörung auslöste.  

Auf Twitter schrieb er: „Lass mal über die Großeltern reden, von denen, die sich jetzt über #Umweltsau aufregen. Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau.“ Ein Ausdruck, der zahlreiche Nutzer schockierte. 

Zu dem Vorfall äußerte sich auch Jochen Rausch, stellvertretender Hörfunkdirektor des WDR. Er distanzierte sich von dieser Aussage, betonte aber, dass es sich dabei nicht um einen Redakteur, sondern einen freien Mitarbeiter handele. „Ich kenne den Kollegen nicht, aber entschuldige mich trotzdem an dieser Stelle. Das finde ich unter aller Kanone“, sagte er in einer exklusiven Sendung zu dem Thema auf WDR 2. „Wir werden den Vorgang prüfen und sehen, was sich daraus ergibt.“

Auch auf Twitter hat sich der WDR von dem Tweet offiziell distanziert:

Kinderchor-Lied zu Klima-Schutz sorgt für Eklat - WDR-Intendant gesteht Fehler ein

Update 19.27 Uhr: Noch jemand, der sich nicht über das Kinderchor-Klima-Lied des WDR amüsiert: Der frühere Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach (CDU) sagte der Bild am Sonntag: „Der Text stammt ja wohl kaum von den Kindern, die ihn gesungen haben, sondern von Irgendjemandem, der nicht den Unterschied zwischen witzig und peinlich kennt.“ Der 67-Jährige fuhr fort. „Und wenn dann die Aufregung groß ist, sag man einfach: ‘Hey Leute, locker bleiben. Ist doch nur Satire, hahaha‘!“ 

WDR-Intendant Buhrow entschuldigt sich für „verunglücktes Oma-Lied“

Update von 19.04 Uhr: WDR-Intendant Tom Buhrow hat sich für das umstrittene Kinderchor- Lied zum Klima-Schutz, das sein Sender publizierte, entschuldigt. Das berichtet das Medienmagazin DWLD.de und zitiert Buhrow mit den Worten: „Das Lied war ein Fehler.“ Buhrow rief demnach aus dem Krankenhaus an, in dem seinen Aussagen zufolge seit Heiligabend sein 92-jähriger Vater liegt - und der „keine Umweltsau“ sei. „Er hat sein Leben lang hart gearbeitet und versucht anständig zu leben“, fuhr Buhrow dem Bericht zufolge fort und versprach „einen Beitrag zu einem besseren Klima in unserem Land“ zu leisten. Zudem sendete WDR 2 am Samstag eine Spezial-Sendung, in der sich WDR-2-Chef Jochen Rausch stellvertretend für die Redaktion den Fragen der Hörerinnen und Hörer stellte. 

Die Redaktion hat das Video bei Facebook inzwischen gelöscht und sich „für die missglückte Aktion“ entschuldigt. Der Satiriker Jan Böhmermann twitterte zu dem Fall unterdessen:

Erstmeldung: WDR sorgt mit Kinderchor-Lied zu Klima-Schutz für Eklat

Köln - „Sie können singen – und sie können frech“, mit diesen Worten postete der WDR auf seiner Facebookseite ein Video, das den Dortmunder Kinderchor des Senders zeigt. Die Kinder singen in dem knapp eineinhalb Minten langen Video einen umgedichteten Text des Kinderliedes  „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. In der neuen Version werden die Umweltsünden der Oma angeklagt. Doch mit dem Song stößt der WDR bei den Hörern auf wenig Gegenliebe. Innerhalb von kurzer Zeit entstand ein regelrechter Shitstorm, auf den auch der öffentlich-rechtliche Sender mittlerweile reagiert hat. Als erstes berichtete Welt.de über den Vorfall.

WDR-Kinderchor sorgt mit Lied für Empörung: „Meine Oma ist ‚ne alte Umweltsau“

In Zeiten von Greta Thunberg dachte sich offenbar auch der WDR, ein Statement in Sachen Klimaschutz setzen zu müssen. Für den Dortmunder Kinderchor des Senders dichtete man also kurzerhand das Kinderlied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ um. Und so lautete die erste Strophe des Liedes in der WDR-Version:

„Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad

Das sind tausend Liter Super jeden Monat

Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“

Doch auch etliche andere Umwelt-Sünden werden in dem neuen Text aufgegriffen. So fährt die Oma etwa auch mit ihrem SUV beim Arzt vor und „überfährt dabei zwei Opis mit Rollator“. Zudem brät sich die fiktive Oma „jeden Tag ein Kotelett“ und das einfach nur, „weil Discounter-Fleisch so gut wie gar nix kostet“.

WDR-Kinderchor im Greta-Stil über Umwelt-Sünden

All diese Textpassagen singen die Chorkinder mit einem Lächeln im Gesicht. Erst zum Ende des Songs setzen sie dann bewusst ein ernstes Gesicht auf und meinen auf Englisch: „We will not let you get away with this“, also zu Deutsch: „Wir werden Euch nicht damit davon kommen lassen“. Das erinnert den geneigten Hörer an Greta Thunbergs bekannte Rede beim UN-Klimagipfel, die merkur.de* im Wortlaut und Video bereitstellt.

Kinderchor des WDR -User sind empört über Text: „Ich bin sprachlos“

Bei Hörern des WDR-Liedes sorgt der neue Text allerdings für wenig Begeisterung. Bereits kurz nach der Veröffentlichung via Facebook und in der Mediathek formierte sich ein handfester Shitstorm im Netz. „Ich bin sprachlos“, kommentiert eine Twitter-Userin. Eine andere nennt den Clip „unfassbar“. „Gab es das nicht früher in Diktaturen - Volkserziehung über „Comedy“/Theater? Wer bringt den instrumentalisierten Kindern noch eine differenzierte Sicht bei?“, schreibt ein weiterer User via Twitter.

Der letzte Vorwurf traf dann offenbar auch den WDR selbst. In einem weiteren Facebook-Posting reagierte der Sender. Darin wird der Clip als Satire bezeichnet. Dass diese „sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst“ habe, begrüßt man noch. „Betroffen macht uns allerdings der Vorwurf, die beteiligten Kinder seien möglicherweise ‚instrumentalisiert‘ worden. Dies ist absolut nicht der Fall“, so der WDR, der den Vorwurf zudem „unerträglich“ nennt. Dennoch habe man sich wegen der Kritik dazu entschlossen, den Clip aus dem Netz zu nehmen.

Doch mit seinen Äußerungen zog der WDR gleich die nächste Welle der Empörung auf sich: „Der WDR hätte die Kinder instrumentalisiert - das ist hier ohne Zweifel so! Unerträglich ist, dass man hier alte Menschen abgrundtief beleidigt und das ganze hinter der Bezeichnung Satire zu legalisieren versucht! DAS ist unerträglich“, lautet eine Antwort auf den Post des WDR. „Natürlich habt ihr die Kinder Instrumentalisiert, in schlimmster Weise. Wie in schlimmster Vergangenheit“, meint ein anderer.

Auch Satiriker Jan Böhmermann äußerte sich: „Wer sich jeden Tag billiges Discounterfleisch aufbrät, ist eine Umweltsau.“ 

Nach dem Skandal um das Satire-Lied wird Empörung auf Twitter laut - weil NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Tatort mitspielt. Wenige Tage zuvor hatte sich der CDU-Politiker mit massvier Kritik an der Debatte um das Klima-Lied beteiligt.

Einen ebenfalls ordentlichen Shitstorm kassierte zuletzt ein TV-Star, der einen minderjährigen Aktivisten in einem Clip deftig beleidigt hatte.

Schauspielerin Veronika Fitz ist tot. Ihren Fans dürfte der Kult-Serienstar vor allem in der Rolle der Martha Haslbeck als „Hausmeisterin“ in Erinnerung bleiben.

Der EKD-Vorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten, weil sich die Evangelische Kirche mit einem Rettungsschiff in der Seenotrettung von Flüchtlingen engagieren will.

*Merkur.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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