Wehrmacht-Ausstellung

- München - Als alles vorbei war, griff Münchens Polizeipräsident zu einem drastischen Vergleich. Es sei gewesen wie in einem Western, resümierte Roland Koller: Zwei Rivalen, die sich gegenüber stehen - 5000 Rechte und 7000 Gegendemonstranten. Alle zusammen in der Münchner Innenstadt. Ein "Showdown im Tal", titelte damals eine Boulevardzeitung angesichts des gefürchteten Aufeinandertreffens an diesem 1. März 1997. Die Bilanz des Tages: 102 Festgenommene - die meisten aus dem rechten Lager. Sie hatten verbotene Nazi-Embleme getragen.

<P>Am 12. Oktober droht "Showdown" zwischen Rechts und Links</P><P><BR>Nach mehr als fünf Jahren kehrt am 8. Oktober das Reizthema, das den Konflikt ausgelöst hatte, für fast sieben Wochen nach München zurück: die Wehrmachtsausstellung. Und erneut droht der Landeshauptstadt das, was damals vergleichsweise glimpflich abgelaufen war - ein Aufeinandertreffen rechter Ausstellungsgegner und zahlreicher Demonstranten, die den Neonazis, Skins und der NPD die Stadt nicht für ihre Parolen überlassen wollen.</P><P><BR>Diesmal ist es der 12. Oktober, an dem es zum "Showdown" kommen könnte. An diesem Tag hat der auch im Verfassungsschutz aufgeführte Rechtsextremist Steffen Hupka einen großen Demonstrationszug unter dem Titel "Gegen die Geschichtslügen - Für die Ehre unserer Wehrmacht" von der Münchner Freiheit über die Leopoldstraße und den Geschwister-Scholl-Platz zum Jakobsplatz angemeldet. Dort im Stadtmuseum macht die Wehrmachtsausstellung diesmal Station.</P><P><BR>Und wie schon bei der Sicherheitskonferenz und den Chaostagen, die dieses Jahr in München für Unruhe sorgten, sind die Prognosen, was passieren wird, reichlich vage und werden dies wohl auch bis kurz vor dem 12. Oktober bleiben. Fest steht bisher nur, dass es auch diesmal zum Konflikt kommen wird.</P><P><BR>30 Organisationen, darunter auch Antifaschisten, haben bereits dazu aufgerufen, keinen "Nazi-Aufmarsch" in München zuzulassen. "Der Zugweg ist gepflastert mit Gegenkundgebungen", sagt Horst Reif, Sicherheitschef im Münchner Kreisverwaltungsreferat. Denn auch SPD und Grüne haben sieben Demonstrationen angemeldet. "Wir wollen ein friedliches Gegenangebot machen", sagt Florian Demmel, Geschäftsführer der Münchner SPD. "Die Münchner sollen dann selbst entscheiden, was ihnen als Zeichensetzung lieber ist."</P><P><BR>Die Wehrmachtsausstellung ist offensichtlich wieder ein Reizthema - wie schon 1997. Auch damals war die Dokumentation über die Verbrechen der Wehrmacht von 1941 bis 1944 hitzig diskutiert worden - nicht zuletzt wegen der Äußerungen des damaligen Münchner CSU-Chefs Peter Gauweiler, der sinngemäß gesagt hatte, der Initiator Jan Philipp Reemtsma solle sich lieber um die Toten der Tabakindustrie kümmern.</P><P> Auch der Bayernkurier hatte den Ausstellungsmachern vorgeworfen, "einen moralischen Vernichtungsfeldzug gegen das deutsche Volk zu führen". Die Debatte war der Ausstellung durchaus zuträglich: Fast 90 000 Besucher wollten die Ausstellung sehen und ließen einen Reinerlös von 300 000 Mark im Rathaus.</P><P><BR>Allerdings war die Dokumentation des Hamburger Instituts für Sozialforschung auch wegen inhaltlicher Fehler auf heftige Kritik gestoßen und daraufhin abgesetzt worden. Die Neuauflage "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" wurde nun erstmals im November 2001 in Berlin gezeigt. Auch diesmal hat sie Erfolg. Wegen des großen Besucherandrangs wurde sie in Leipzig verlängert.</P><P><BR>Zwei Monate vor den gefürchteten Konflikten laufen nun bei den Münchner Sicherheitsbehörden die Vorbereitungen an. Ein Demonstrationsverbot, wie es die Stadt bei der Sicherheitskonferenz verhängt hatte, gilt diesmal als ausgeschlossen. Stattdessen müssten die Gegner auseinander gehalten werden, meint Sicherheitschef Reif. "Wir müssen versuchen, einen Konsens zu erreichen und eine alternative attraktive Aufzugsstrecke finden."</P><P><BR>Trotzdem sind Probleme programmiert. Nicht nur wegen des Konflikts zwischen Rechten und Linken. Denn der Demo-Initiator und frühere NPD-Spitzenfunktionär Steffen Hupka war im Dezember aus der Partei ausgeschlossen worden und ist nun zusammen mit Teilen der Neonazi-Szene auf Konfliktkurs zur NPD. Schon bei der letzten Station Bielefeld und dem jetzigen Veranstaltungsort Leipzig waren sich die beiden Gruppierungen mit eigenen Demos gegenübergestanden, heißt es beim Verfassungsschutz. Es sei zwar friedlich geblieben, jedoch könne die Konkurrenzsituation auch für München nicht ausgeschlossen werden.</P>

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