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Alice Weidel, Mitglied des Bundesvorstands der AfD, warnt ihre Partei vor zu vielen Provokationen. Foto: Bernd von Jutrczenka

Höcke-Rede "geht nicht"

Weidel: AfD sollte es mit der Provokation nicht übertreiben

Die AfD sorgt mit Querelen in vielen Landesverbänden für Schlagzeilen. Auch im Parteivorstand gibt es oft Streit. Alice Weidel hält sich mit Kritik an Parteikollegen zurück. Nur bei einem macht sie eine Ausnahme.

Berlin (dpa) - AfD-Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel will nicht, dass die AfD im Wahljahr als Partei der Provokateure wahrgenommen wird. "Provokationen haben grundsätzlich den Nachteil, dass sie stark verkürzen und die Debatte verengen", sagte Weidel der Deutschen Presse-Agentur.

Der Fokus werde dadurch auf Oberflächliches gelenkt. In der politischen Debatte, die ihre Partei führen wolle, "ist das nicht immer förderlich", fügte die Unternehmensberaterin hinzu. Weidel führt in Baden-Württemberg die Kandidatenliste für die Bundestagswahl an.

Als ein Beispiel für eine überflüssige Provokation nannte Weidel die jüngste Rede des Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke in Dresden. "Das geht nicht", betonte Weidel. Höcke hatte das deutsche Geschichtsverständnis und das Holocaust-Gedenken kritisiert und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert. 

Laut einem internen Strategiepapier will die AfD die anderen Parteien im Wahlkampf mit "sorgfältig geplanten Provokationen" zu nervösen und unfairen Reaktionen verleiten.

Auf die Frage, wie Weidels wirtschaftspolitisch liberale Haltung zu ihren rechten Positionen in der Einwanderungspolitik passe, sagte sie: "Ich weise das von mir, dass das rechts ist." Sie wolle eine "ganz strenge Grenzsicherung". Das sei, "nicht rechts, sondern rechtens".

Deutschland habe begonnen, "Sozialmodelle aus Staaten zu importieren, die von der Scharia (islamisches Recht) geprägt sind, und zwar im ganz großen Stil". In Flüchtlingsheimen gebe es Konflikte zwischen Christen und Muslimen, außerdem Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten. Die Frage sei, wie viel davon eine "freiheitliche Gesellschaft" verkraften könne. Deshalb sei eine Debatte über Obergrenzen jetzt richtig. 

Unzufrieden ist Weidel mit dem Ruf der AfD als Männerpartei. Bei der Wahl in Berlin seien 15 Prozent der AfD-Wähler weiblich gewesen. Das sei zu wenig. "Das kann in der Wahrnehmung daran liegen, dass die AfD für ein Familienbild steht, das eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie vielleicht nicht wünscht", sagte  sie. Viele Frauen wollten aber Kinder haben und arbeiten. Deshalb wolle sie eigene Akzente setzen, etwa durch ihre Forderung nach gebührenfreien Kindergärten.

Auf die Frage nach der aktuellen Arbeitsatmosphäre im Parteivorstand, antwortete Weidel knapp: "Sachlich." Die Unternehmensberaterin gilt als mögliches Mitglied eines "Spitzenteams" für den Wahlkampf, das auf einem Parteitag im April bestimmt werden soll.

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