Demonstranten bilden in Hongkong eine Menschenkette. Foto: Vincent Yu/AP
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Demonstranten bilden in Hongkong eine Menschenkette. Foto: Vincent Yu/AP

Massenproteste

Erbitterter Kampf: Tausende Hongkonger gehen gegen Regierung auf die Straße

Gut zweieinhalb Monate dauern die Proteste in Hongkong nun schon an. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Hongkong - Aus Protest gegen die Regierung sind am Samstag in Hongkong erneut Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Nach einem zunächst friedlichen Marsch zeichneten sich neue Spannungen ab.

Protestler errichten Barrikaden auf Straßen im Stadtteil Kwun Tong, während sich in der Nähe Einheiten der Bereitschaftspolizei sammelten. 

Die Demonstranten hatten die Gegend für ihren Protest ausgewählt, weil Kwun Tong nach ihren Angaben der erste Bezirk in Hongkong ist, in dem sogenannte intelligente Überwachungskameras eingesetzt werden. Bei den Demonstranten besteht die Befürchtung, dass die Technologie zur Verfolge von Demokratie-Aktivisten eingesetzt werden könnte. 

Die Kritik der Protestbewegung richtete sich am Samstag auch gegen den Hongkonger U-Bahn-Betreiber, der vor Beginn des angemeldeten Marsches keine Züge mehr an den umliegenden Stationen halten ließ. Dadurch erschwerte sich die Anreise für Demonstranten. 

Die Massenproteste in Hongkong für Freiheit und Demokratie begannen am 9. Juni und dauern bereits seit elf Wochen an. Am Freitag kursierten Pläne, wonach am Samstag auch Zufahrtswege zum Flughafen blockiert werden sollten. Wie Hongkonger Medien berichtete, nahmen an der Aktion jedoch nur wenige Menschen teil, so dass es nicht zu Verzögerungen kam. 

Zentrale Forderungen der Demonstranten sind freie Wahlen und eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei früheren Protesten. Auslöser der Demonstrationen war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf der Regierung zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China.

Die Millionenmetropole gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China. Als Sonderverwaltungszone sind Hongkong noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte garantiert. Um die fürchten nun aber viele Bewohner. An der Grenze zu Hongkong wurden chinesische Sicherheitskräfte zusammengezogen.

Neue Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei

Bei den Protesten haben sich auch Demonstranten und Polizei wieder Auseinandersetzungen geliefert. Die Sicherheitskräfte gingen am Samstag mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Teilnehmer einer Demonstration im Industriebezirk Kwun Tong vor, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Mehrere Demonstranten wurden demnach festgenommen. Zuvor hatten die Sicherheitskräfte den mehrere tausend Teilnehmer zählenden Protestzug in der Nähe einer Polizeiwache gestoppt. Radikale Demonstranten hatten daraufhin Barrikaden errichtet und die Polizisten mit Gegenständen beworfen.

In Hongkong gibt es seit Wochen Massendemonstrationen für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme Pekings. Die chinesische Regierung hat den Demonstranten in der Sonderverwaltungszone zuletzt immer unverhohlener gedroht. So brachte sie die Demonstranten mit "Terrorismus" in Verbindung und schickte Truppen an die Grenze. Zuletzt wuchs deswegen die Sorge vor einem chinesischen Militäreinsatz.

Auch der US-Präsident Donald Trump hatte bereits auf die Demonstrationen reagiert und China mit drastischen Konsequenzen gedroht. 

dpa

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