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Flüchtlinge aus Pakistan und Afghanistan protestieren in einem Lager auf Lesbos gegen die Rückführung in die Türkei. Foto: Orestis Panagiotou

Weitere Migranten aus Griechenland in die Türkei abgeschoben

Alle Proteste von Asylsuchenden und Aktivisten helfen nichts. Griechenland setzt den EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei weiter um. Die Migranten und Flüchtlinge in den Aufnahmelagern und den wilden Camps reagieren wütend.

Istanbul/Athen (dpa) - Drei Wochen nach dem Pakt der EU mit der Regierung in Ankara sind erneut Flüchtlinge und andere Migranten von Griechenland aus in die Türkei abgeschoben worden.

Zwei Schiffe brachten insgesamt 124 Migranten von den griechischen Ägäis-Inseln in die westtürkische Hafenstadt Dikili. Das griechische Staatsfernsehen ERT berichtete, die Abgeschobenen stammten aus Pakistan, Indien, Marokko, Irak und Palästina und hätten keinen Asylantrag in Griechenland gestellt.

In den wilden Lagern von Idomeni im Norden Griechenlands sowie in Piräus soll die Lage nach übereinstimmenden Medienberichten explosiv sein. Auch auf den Inseln kommt es immer wieder zu Spannungen.

Vergeblich protestierten heute einige Aktivisten gegen die "Deportation" der Migranten. Drei Aktivisten sprangen ins Meer und kletterten auf die Ankerkette eines der Schiffe, um ein Auslaufen zu verhindern, wie Fernsehbilder zeigten. Beamte der Küstenwache schritten ein.

Die Rückführungen im Rahmen des umstrittenen Flüchtlingspakts mit der Türkei hatten am Montag begonnen, waren dann aber bis Freitag unterbrochen worden. Am Montag waren 202 Migranten vor allem aus Südasien in die Türkei zurückgeschickt worden. 

Unterdessen kommen weiterhin Schutzsuchende aus der Türkei nach Griechenland. Innerhalb von 24 Stunden hätten 149 Migranten auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt, teilte der Krisenstab am Freitag in Athen mit. Am Donnerstag hatten 76, am Mittwoch 68 und am Dienstag 225 Asylsuchende auf griechische Ägäis-Inseln übergesetzt. Im vergangenen Monat kamen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR täglich mehr als 900 Migranten auf dieser Route.

Auf der Insel Chios beendete die Polizei zusammen mit den Bürgermeister Manolis Vournous in der Nacht zum Freitag die Besetzung eines Teils des Hafens durch etwa 300 Migranten. Auf Samos konnte die Polizei rund 250 aus einem Auffanglager geflohene Asylbewerber überreden, wieder zurückzukehren, wie örtliche Medien berichteten.

Schlimm ist die Lage im wilden Lager von Idomeni an der mazedonisch-griechischen Grenze. Dort kommt es immer wieder zu Tumulten zwischen Migranten. In Piräus versucht die Regierung die Migranten dazu zu bewegen, in organisierte Lager zu gehen. Diese demonstrieren immer wieder und skandieren "öffnet die Grenzen".

Die Geduld der Behörden gehe langsam zu Ende, hieß es aus Regierungskreisen am Freitag. Gewalt solle zwar nicht angewendet werden, aber es könne auch nicht sein, dass die Migranten im Hafen von Piräus den Staat völlig ignorierten.

Nach dem Flüchtlingspakt der EU mit Türkei sollen alle Migranten, die seit dem 20. März illegal in Griechenland eingereist sind, in die Türkei zurückgeführt werden. Ausgenommen sind nur Asylsuchende, die nachweisen können, dass sie in der Türkei verfolgt werden. Für jeden abgeschobenen syrischen Bürgerkriegsflüchtling nimmt die EU einen syrischen Flüchtling auf, der legal und direkt einreisen darf.

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