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Ugandan Ongwen vor Gericht in Den Haag.

Weltstrafgericht

Erster Prozess zum Terror der LRA in Uganda

Den Haag - Die „Gottesarmee“ von Joseph Kony sorgt für brutalen und grausamen Terror in Afrika. Jetzt steht sein Stellvertreter vor dem Weltstrafgericht. Er ist selbst ein ehemaliger Kindersoldat.

Im ersten Prozess um die Verbrechen der gefürchteten ugandischen Miliz LRA hat einer ihrer höchsten Kommandanten seine Unschuld beteuert. Dominic Ongwen wies am Dienstag vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag alle Vorwürfe zurück. Dem Ex-Kommandanten werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in 70 Fällen zur Last gelegt, die von 2002 bis 2004 im Norden Ugandas begangen wurden. Durch den Terror der LRA wurden Zehntausende Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben.

Es ist der erste Prozess des Weltstrafgerichts zum Terror der „Lord's Resistance Army“ (LRA) des berüchtigten Joseph Kony. Der etwa 40 Jahre alte Angeklagte war einer der Stellvertreter Konys. Dieser hatte in den 1980er Jahren den Kampf in Uganda gestartet, um einen Gottesstaat zu errichten. Es wurde einer der brutalsten Konflikte in Afrika. Der Terror der Miliz im Norden Ugandas dauerte bis 2005. Sie ist allerdings noch im Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik aktiv.

Die Anklage ist eine Chronik unvorstellbarer Grausamkeiten. Mord, Folter, sexuelle Versklavung, erzwungene Schwangerschaften, Einsatz von Kindersoldaten. „Viele Opfer waren sehr jung“, sagte die Anklägerin Fatou Bensouda. Sie zeigte zusätzlich Videos und Fotos von brutal zerstückelten Leichen, auch von kleinen Kindern.

„Die LRA hat das getan, die LRA bin nicht ich, die LRA ist Joseph Kony“, sagte der Angeklagte. „Im Namen Gottes weise ich alle Anklagepunkte zurück.“ Er sei selbst ein Opfer der Miliz. Als 14-Jähriger war Ongwen von Konys Männern entführt und zum Kämpfen gezwungen worden. Später stieg er auf bis zum Kommandanten. „Er war einer der brutalsten“, wie Anklägerin Bensouda sagte. „Dominic Ongwen ist ein Mörder und Vergewaltiger.“

Kronzeugen der Anklage sind Opfer und ehemalige LRA-Kämpfer, kündigte Bensouda an. Auch mit abgehörten Aufnahmen des Funkverkehrs des LRA-Kommandos will sie die Vorwürfe beweisen. Ongwen folgte den Darstellungen konzentriert, ab und zu machte er Notizen. Er hatte sich 2015 nach zehn Jahren auf der Flucht US-Truppen in der Zentralafrikanischen Republik ergeben. Der LRA-Führer Kony ist noch immer flüchtig.

Noch zu Beginn des Prozesses hatte die Verteidigung versucht, das Verfahren zu verhindern. Ongwen sei psychisch krank und nicht in der Lage, die Anklage zu verstehen, hatten die Verteidiger erklärt. Der Vorsitzende Richter, der Deutsche Bertram Schmitt, wies dies deutlich irritiert als „Verzögerungstaktik“ zurück.

dpa

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