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Kein Bock auf Bundeswehr: Pistorius gehen die Rekruten aus

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Waffen und Rekruten – die Bundeswehr braucht beides. Doch junge Leute scheuen eine Karriere bei den Streitkräften. Kommt die Wehrpflicht zurück?

Berlin – Der Ukraine-Konflikt wirkt abschreckend: Die Bundeswehr steht vor einem ernsthaften Personalproblem. Die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) hat Alarm geschlagen und vor einem Mangel an Rekruten gewarnt. Es sei „fraglich“, ob in Zukunft genug Soldatinnen und Soldaten für den Dienst an der Waffe gewonnen werden könnten, sagte Högl dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der Reservistenverband hat bereits die Rückkehr der Wehrpflicht gefordert. Doch wie realistisch ist das?

Mehr Personal für die Bundeswehr: Zweifel am Rekrutierungserfolg wachsen

Bis 2030 soll die Bundeswehr auf 203.000 Soldatinnen und Soldaten anwachsen. Dieses Ziel hat das Verteidigungsministerium von Boris Pistorius (SPD) ausgegeben. Der Ukraine-Krieg hatte zuvor die Schwächen der deutschen Streitkräfte offengelegt und die Notwendigkeit der Verbesserung der Ausrüstung und der personellen Stärke verdeutlicht. Die Bundesregierung investiert daher im Rahmen eines Sondervermögens 100 Milliarden Euro in die Armee.

Bundeswehr: Viele junge Leute scheuen Ausbildung und Karriere bei der Truppe

Die Rekrutierung stellt jedoch eine schwierige Herausforderung für die Bundeswehr dar. Um das gesteckte Ziel zu erreichen, ist eine enorme Anstrengung erforderlich, betonte Högl. Um eine Karriere bei der Bundeswehr attraktiv zu gestalten, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden. Dazu gehören effiziente Prozesse und Strukturen, ausreichendes Material - von persönlicher Ausrüstung bis hin zu großen Geräten - sowie eine moderne Infrastruktur. Es sei wichtig, so Högl, den Nachwuchs realistisch über den Dienst und die Ausbildung in der Bundeswehr zu informieren.

Sucht noch mehr Soldatinnen und Soldaten: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).
Sucht noch mehr Soldatinnen und Soldaten: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). © dpa

Der Nachwuchs ist für die Bundeswehr von entscheidender Bedeutung. Die veränderte Bedrohungslage bringt neue Herausforderungen und Anforderungen mit sich. So will die Nato die Ostflanke stärken, wodurch die Bundeswehr Bataillone entsenden und im Baltikum stationieren soll – ohne die nationale Verteidigung dabei zu vernachlässigen.

Eine unlösbare Aufgabe. Angesichts dieser Situation hält zumindest der Reservistenverband die Zielmarke von 203.000 Soldatinnen und Soldaten für völlig unzureichend. Es müsse ermittelt werden, welche Personalstärke die Bundeswehr benötige, um Deutschland im Bündnis verteidigen zu können, erklärte Verbandspräsident Patrick Sensburg im ARD-Morgenmagazin. „Ob da die 203.000 reichen, darf bezweifelt werden. Wir gehen von deutlich mehr aus.“ Die Bundeswehr sei in den vergangenen 30 Jahren „verkleinert worden, sie ist geschrumpft worden, Einheiten sind abgebaut worden“, sagte Sensburg.

Personalsorgen bei der Bundeswehr: Verband fordert die Wiedereinführung der Wehrpflicht

Die Aussetzung der Wehrpflicht wird von Sensburg als Fehler betrachtet, der eine Wiedereinführung befürwortet. Um verteidigungsfähig zu sein, benötigt Deutschland eine angemessene Anzahl von Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe das Interesse an der Bundeswehr wieder gesteigert. Junge Menschen wollten dienen, stellte der Verbandschef klar. Doch dafür sei es wichtig, dass die Rekruten auch spürten, dass ihr Dienst wertvoll für die Bevölkerung und die Menschen des Landes ist.

Die Bundesregierung ist sich des Problems bewusst. Wie es gelöst werden kann, bleibt jedoch eine Herausforderung. Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht wird von vielen als logische Konsequenz betrachtet. Kanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zeigten sich jedoch zuletzt skeptisch gegenüber diesem Vorschlag. Zum einen, weil es rechtlich kompliziert werden könnte. Zum anderen, weil mittlerweile die Infrastruktur fehlt, da es keine Kreiswehrersatzämter mehr gibt. Selbst für die Musterung müssten diese erst wieder aufgebaut werden. Schnelle Lösungen sind daher nicht in Sicht.

Friedrich Merz (CDU) will Bundeswehr-Werbung in Schulen

Auch in der Opposition wird ähnlich argumentiert. Dennoch brachte CDU-Parteichef Friedrich Merz vor kurzem einen ungewöhnlichen Vorschlag ins Spiel: Angesichts des Nachwuchsproblems betonte er die Notwendigkeit, dass die Bundeswehr verstärkt um junge Menschen an Schulen und Universitäten werben sollte, um ihnen eine Ausbildung und Karriere in der Truppe schmackhaft zu machen. (jeki)

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteur Jens Kiffmeier sorgfältig überprüft.

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