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Der Duisburger Parteienforscher Jan Treibel-

„Weniger wäre mehr gewesen“

Berlin - Über Frank-Walter Steinmeiers Schattenkabinett sprachen wir mit dem Duisburger Parteienforscher Jan Treibel.

Sein Team sollte für Aufbruch stehen. Dennoch sind bis auf Ulla Schmidt alle amtierenden Bundesminister wieder dabei. Setzt Steinmeier nun doch auf Erfahrung?

Auf Erfahrung und auf neuen Schwung. Es ist ein guter Ausgleich, dass Steinmeier die SPD -Minister mit ins Team geholt hat. Damit will er ausdrücken, dass er Leute an seiner Seite hat, die Erfahrung haben und gewisse Kompetenzen mitbringen.

Es fällt auf, dass er viele Frauen nominiert hat. Eine neue Strategie, um den Vorsprung der Kanzlerin einzuholen?

a, auf jeden Fall. Eine so starke weibliche Dominanz in einem Schattenkabinett hat es bisher noch nicht gegeben. Fraglich ist, ob die SPD damit bewusst auf die wahlberechtigten Frauen abzielt. Zwar sind bei der Bundestagswahl mehr Frauen als Männer stimmberechtigt, allerdings hat schon die Wahl 2005 gezeigt, dass Frauen nicht automatisch Frauen wählen.

Den Begriff Schattenkabinett will Steinmeier ausdrücklich nicht verwenden. Er spricht von seinem Kompetenzteam. Warum?

Bei der Wahl wird es diesmal nicht nur um Personen und Parteien gehen, sondern vor allem um Kompetenz. Die Wähler erwarten sachkundige Problemlösungen, um die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen. Mit dem Begriff „Kompetenzteam“ unterstreicht Steinmeier dieses Ziel.

Die Schweriner Sozialministerin Manuela Schwesig hat bereits großes Interesse auf sich gezogen. Kann es die 35-Jährige mit der populären Familienministerin Ursula von der Leyen aufnehmen?

Es ist ein Versuch. Ursula von der Leyen war damals auch nicht sonderlich bekannt, als sie den Schritt von der Landes- in die Bundespolitik gewagt hat. Schwesig hat als Landesministerin auch Erfahrungen gesammelt. Es war sicher ein kluger Schachzug, bewusst einen Anti-Typ zur Familienministerin zu wählen.

SPD -Vize Andrea Nahles ist Expertin für Arbeit und Soziales, soll sich jetzt aber um das Thema Bildung kümmern. Ist sie seine Allzweckwaffe?

Ein Politiker, der eine große Karriere anstrebt, muss sich breit aufstellen. Vielleicht ist es Nahles gar nicht so unrecht, dass sie sich jetzt mit einem anderen Themenfeld beschäftigen wird. Dadurch wachsen ihre Chancen, in der SPD langfristig eine große Rolle zu übernehmen.

Gegen Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner schickt Steinmeier Schatzmeisterin Barbara Hendricks ins Rennen.

Landwirtschaft und Verbraucherschutz werden keine zentralen Themen im Wahlkampf sein. Hendricks wird nur am Rande eine Rolle spielen. Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, so viele neue Namen ins Spiel zu bringen. Ein Kabinett ist deutlich kleiner als Steinmeiers Kompetenzteam. 19 Personen sind schwer zu vermitteln. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen.

Hat sich Steinmeier bewusst so viele Unbekannte an seine Seite geholt?

Es ist natürlich in seinem Interesse, dass ihn selbst niemand in den Schatten stellt.

Seine Umfragewerte sind so tief wie nie. Können ihm die Neuen im Team Aufwind geben?

Das war eigentlich die Strategie der SPD . Mit den vielen Neuen sollte Aufmerksamkeit und Aufbruchstimmung erzeugt werden. Durch den Vorfall Ulla Schmidt ist dieser Effekt allerdings verpufft.

Interview: Katrin Woitsch

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