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Kontrahenten, Teil 1: Goppel und Strauß.

Von Strauß bis Söder

Kronprinz gegen Amtsinhaber: Das hat in der CSU Tradition

München – Konflikte zwischen ambitionierten Kronprinzen und amtierenden CSU-Ministerpräsidenten haben in Bayern eine lange Tradition. Ein Überblick.

1977 fühlte sich Ministerpräsident Alfons Goppel, der zu diesem Zeitpunkt bereits 15 Jahre im Amt war, gezwungen, Franz Josef Strauß im Landtag vor allen Abgeordneten eine mitzugeben. Er sei nach Artikel 44 der Bayerischen Verfassung für vier Jahre gewählt, sagte er, und „gedenke, diese Zeit einzuhalten“. 

Strauß wäre lieber heute als morgen Nachfolger geworden, das ließ er immer wieder verlauten. Doch nicht einmal der spätere CSU-Übervater Strauß konnte Goppel zwingen, vor Ablauf der Amtszeit im Jahr 1978 abzudanken. Goppel seinerseits ging selbst in die Offensive: Er schlug seinen größten Widersacher auf dem CSU-Parteitag als Spitzenkandidat für die Landtagswahl vor. 

„Durch seinen geschickten Schachzug kam der Ministerpräsident Entscheidungen zuvor, die er nicht hätte verhindern können“, schreibt Strauß-Biograf Horst Möller. „Zumindest nach außen blieb Goppel so Herr des Verfahrens.“ Im November 1978 übernahm Strauß das Amt des Ministerpräsidenten, die CSU hatte zuvor 59,1 Prozent der Stimmen geholt.

Max Streibl drohte seinen Parteikollegen offen

Strauß starb 1988 im Amt. Als Nachfolger wählte der Landtag den gebürtigen Oberammergauer Max Streibl. Die Amigo-Affäre kostete ihn schließlich den Posten, der Vorwurf lautete damals: Streibl habe sich von seinem Freund, dem Allgäuer Flugzeugbauer Grob, bestechen lassen, der wiederum auf Staatsaufträge scharf war. Streibls Umfragewerte sanken nach Bekanntwerden der Vorwürfe in den Keller, die Sorgenfalten in der CSU wurden größer und größer – trotzdem klammerte sich Streibl an sein Amt. Er drohte seinen CSU-Kollegen offen: „Hier drin befindet sich brisantes Material – über jeden von euch!“. Das sagte Streibl im Parteivorstand, während er einen Koffer hoch hielt. Abdanken musste er dennoch, das Wort „Rücktritt“ nahm Streibl nie in den Mund.

Stoiber gab gegen das Tandem Huber/Beckstein auf

1993 folgte Edmund Stoiber auf Streibl. Zuvor hatte Stoiber den CSU-Parteivorsitzenden Theo Waigel ausgestochen, der selbst gerne auf dem Ministerpräsidentensessel gelandet wäre. Aber wie es in der CSU inzwischen guter Brauch geworden war, war auch Stoibers Ende kein freiwilliges. 2002 verlor er die Bundestagswahl gegen Gerhard Schröder, er lehnte das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission ab, genauso wie 2005 das Amt des Bundeswirtschaftsministers unter Kanzlerin Merkel. In der CSU wuchs die Kritik, Parteifreunde wandten sich gegen ihn. Das Tandem Huber/Beckstein formierte sich. Stoiber erklärte im Januar 2007 in Wildbad Kreuth, dass er alle Ämter aufgeben werde.

Am 9. Oktober 2007 wurde Günther Beckstein zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Bei der Landtagswahl im folgenden Jahr schnitt die CSU mit 43,4 Prozent furchtbar schlecht ab. Beckstein sagte daraufhin, er habe nicht mehr genügend Rückhalt in der Partei. Horst Seehofer ließ sich kurz darauf zum Ministerpräsidenten wählen, zuvor hatte auch Innenminister Joachim Herrmann Interesse an dem Posten angemeldet. 

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